Mainfischer: Er steht wieder da

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Der Mainfischer, lokales Wahrzeichen auch für unsere morgendliche Glosse, ist zurück an der Carl-Ulrich-Brücke.

Offenbach - Der Norddeutsche bezeichnet’s als Schietwetter: kalt, feucht, ekelhaft. Dennoch freut sich der Oberbürgermeister gestern über einen „regen Zuspruch“, als der Mainfischer feierlich enthüllt wird. Von Martin Kuhn

Dutzende, vor allem ältere Offenbacher kommen am Vormittag an die Carl-Ulrich-Brücke, um die Rückkehr „einer Identifikationsfigur für Heimatgefühl“, so Horst Schneider, ein klein wenig zu feiern. Als vor zwei Jahren dort der große Straßenumbau begann, ist der Mainfischer zwar aus dem Blickfeld, aber nie in Vergessenheit geraten.

John Lohrmann, nach eigenen Worten Offenbacher Bub und Chef der Firma Lohrmann Stahlhandwerk, erinnert sich noch gut an die Demontage des bronzenen, 2,60 Meter hohen und 1,8 Tonnen schweren Standbilds. „Plötzlich hält ein Wagen, der Fahrer kurbelt das Fenster runter und schimpft: Was fällt euch Frankfurtern ein, unseren Mainfischer zu klauen?“ Mit seiner besonnenen Art sucht Lohrmann das Gespräch und klärt auf, dass es eine Offenbacher Firma, ein Frankfurter Transporteur und letztlich alles in Ordnung sei. Das besänftigt seinerzeit Bernd Georg, der nur den Verlust eines Offenbacher Wahrzeichens verhindern wollte.

Mainfischer verbuddelt

Die Sorge unseren Fotografen ist durchaus berechtigt gewesen. Während der Kriegswirren verbuddeln Offenbacher das Werk des Bildhauers Ernst Unger. Vermutlich etwas pfiffige Zeitgenossen bekommen Wind von der Aktion, graben den Mainfischer aus und wollen ihn bei einem Verwertungsbetrieb zu Bargeld machen. Der Händler lehnt ab, die Sache fliegt auf; letztlich verzichtet die Stadt auf eine Anzeige und gewährt sogar als Dankeschön einen bescheidenen Finderlohn.

Das zeigt: Die Offenbacher hängen an dem Kunstwerk, das Unger in zwei Teilen gegossen und am 16. Juli 1935 an der damaligen Mainbrücke aufgestellt hat. In Ölzeug, mit Südwester, gestützt auf einen Anker, hatte die Statue nie Ähnlichkeit mit einem Mainfischer. Folglich nannte sie der Künstler nur „Der Fischer“; bald machten die Offenbacher daraus ihren Mainfischer. „Die Frankfurter haben auch einen, aber der ist kleiner“, frotzeln Offenbacher gern. Und Lohrmann fügt gestern hinzu: „Im Gegensatz zu seinem Frankfurter Pendant hat unser auch etwas im Netz.“

Mainfischer wird restauriert

Mainfischer wird restauriert

Ja, solche Details fallen eigentlich erst nach der mühsamen, zeitintensiven Restauration auf, die der Stahlhandwerker in bewährte Hände eines Restaurators geben musste. Dirk Sturmfels (Recovis GmbH Ellerau) stellte im Gutachten ein vernichtendes Urteil aus. Da heißt es: „Sämtliche inneren eisernen Verbindungselemente (...) sind infolge elektrochemischer und Bimetallkorrosion teils bis zum totalen Materialverlust korrodiert.“ Nun haben Fachleute den Mainfischer gereinigt, restauriert, konserviert und auf einen Platz direkt an der Brücke gestellt.

„Der guckt ja nach Frankfurt“

„Der guckt ja nach Frankfurt“, wundert sich ein Gast. Ein Offenbacher hat die Erklärung parat: „Der wendet sich voller Grausen ab.“ Die Verantwortlichen haben eine eigene Sicht der Dinge. „Er blickt auf einen neuen, lebendigen Stadtteil, in dem Wohnungen, Schule und Kita entstehen“, sagt Schneider. Daniela Matha, Geschäftsführerin der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft: „Der Mainfischer steht an der Nahtstelle zwischen dem Nordend und dem neuen Stadtviertel Hafen. Zu seinen Füßen wachsen beide Viertel zusammen.“ Tja, so kann man das auch sehen.

Bilder der Restaurierung in Offenbach

Restaurierung des Mainfischers

Wer den Mainfischer an seinem neuen, exponierten Platz stadtauswärts auf der rechten Seite passiert, dem fällt vielleicht etwas auf. Er stützt sich wieder auf einen Anker. Dessen Genese reiht sich in die bewegte Geschichte der Statue ein. Das gewichtige Utensil hat John Lohrmann seinerzeit vorschnell und nicht mit dem Auftraggeber abgesprochen dem Autor dieser Zeilen und somit den Offenbachern versprochen: „Ich bin halt ein Handwerker und kein Mundwerker...“

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