Architektursommer bringt Verbesserung

Mainradweg: Engpass ist entschärft

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Der Mainradweg zwischen Offenbach und Frankfurt ist auch wochentags stark frequentiert. Die Engstelle in Höhe Offenbacher Schleuse wurde mit einer einfachen Maßnahme entschärft. Der Zaun (gestern noch ein Provisorium) ums Rückhaltebecken wurde lediglich um gut zwei Meter versetzt.

Offenbach - Wieder so eine Abkürzung: ASRM. Architektur- Sommer Rhein-Main. Da fragt sich manch einer: Was bringt uns das? In diesem Fall eine Entschärfung am Mainradweg. Die gefährliche und unattraktive Engstelle in Höhe der Schleuse Offenbach ist passé. Von Martin Kuhn 

Das kleine Projekt mit hohem Nutzwert nahmen Architekturstudenten als Aufhänger, Denkanstöße und Ideen für das gesamte Kaiserlei-Areal zu entwickeln. Es ist nur ein kurzer Abschnitt des Radfernwegs R3, gleichzeitig Teil des Grüngürtels und der Regionalparkroute. Zudem ist der gut 200 Meter lange Trichter in Höhe der Schleuse eins der gefährlichsten Stücke gewesen. „Erst kurz vor dem Umbau sind an dieser unübersichtlichen Stelle zwei Radfahrer verunglückt“, so Ulrich Lemke (Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft). Die OPG hat neben ESO und Stadt die Verbreiterung und Entschärfung finanziert. Das Engagement hält sich in Euro-Grenzen und offenbart, dass man mit einfachen Mitteln einiges erreichen kann. Um mehr Platz für Radfahrer, Skater und Fußgänger zu schaffen, wird ein Zaun auf dem Areal des Rückhaltebeckens versetzt – der derzeitige Bauzaun ist eine vorübergehende Lösung.

Parallel stellt der Bund ein Stück des Schleusengeländes „ohne Gebühr und Entgelte“ zur Verfügung, um den brisanten Knick abzuflachen. „Jetzt passen drei Radfahrer aneinander vorbei“, bringt es Stadtwerkechef Peter Walther auf den Punkt. Lustige Zugabe ist an dieser Stelle eine Leuchtenreihe, die mit Beginn der Dämmerung eingeschaltet wird. Per Lichtschranke aktivieren Radler ein „Lichtspiel“, das ihnen je nach Fahrtrichtung entgegenläuft oder sie verfolgt.

Autofahrer bilden größtes Ärgernis für Radler

Die Verantwortlichen sehen mehr als 200 Meter neuen Asphalt. Sie blicken bereits voraus und erkennen die Stelle als künftige Einfahrt von der Kaiserleipromenade (Verlängerung der Berliner Straße nach Umbau des Kaiserleikreisels zur Doppelkreuzung) zum Mainradweg. „Man muss sich vorstellen, dass dieser Ort einmal urbaner wird“, sagt Felix Nowak von bb22, einer Bürogemeinschaft aus Architekten, Designern, Film- und Buchautoren, Kulturmanagern, Stadtplanern und Ökonomen.

Er betont: „Hier bildet sich Zukunft ab.“ In enger Abstimmung mit der Stadt, Eigentümern und Nutzern sei die Idee eines offenen Schleusenparks gereift, „der zwischen Gerbermühle und Kaiserlei die Potenziale einer von Infrastruktur geprägten Stadtgrenze verbindet“. Der nun verbreiterte und sichere Radweg ist die erste konkrete Maßnahme. Das Prinzip des „Zäuneschiebens“ rufe geradezu nach einer Fortsetzung, findet Nowak, zumindest von der Kaiserleibrücke bis zur Gerbermühle.

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Weiterführendere Gedanken haben Studenten von Professor Jörg Dettmar an der TU Darmstadt entwickelt, die sich gleich mit dem gesamten Gebiet beschäftigen. Die vier Arbeiten „Green Communication“, „Keimzelle Kaiserlei“ „Enter the void“ und „Modular Landscapes“ weisen gewisse Gemeinsamkeiten auf: Da ist etwa die Bündelung des ruhenden Verkehrs in einem oder zwei zentralen Parkhäusern, die zeitlich begrenzte Umnutzung von Bürobrachen (etwa ehemaliges Wetterdienst-Domizil) oder die Nutzung der Fläche unter der Brückenrampe der Autobahn 661 als Skater- und Freizeitareal oder Bühne – im aktuellen Architektur-Sommer probiert.

Für Dettmar ist dieser Platz nicht ohne Grund gewählt; stellt er doch einen von vielen „Unorten“ dar, über die nachzudenken wäre: „In vielen Metropolen reden wir über Raumprobleme. Da sollten diese ,Unorte’ miteinbezogen werden.“ Die Arbeiten seiner Studenten sieht er als Denkanstöße und Visionen, die in einer „Strategie der kleinen Schritte“ zu nutzen sind. Es sei in der Stadtplanung nicht immer erforderlich, allein auf die „Wundertüte der öffentlichen Finanzierung“ zu setzen: „Es geht eine Menge mehr, als man zunächst denkt.“ Siehe: Verbesserung des Radwegs an der Offenbacher Schleuse.

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