Corona in Maintal

Norma stellt Gesichtsschutz und Teile für Beatmungsgeräte her

In Windeseile hat Norma aus Maintal ein Gesichtsvisier zum Schutz vor Tröpfcheninfektionen entwickelt. Fotos: norma group
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In Windeseile hat Norma aus Maintal ein Gesichtsvisier zum Schutz vor Tröpfcheninfektionen entwickelt.

Die Firma Norma aus Maintal musste sich wegen Corona umstellen. Sie stellt nun auch Visiere für das Gesicht her. 

Maintal – Auch die Norma Group bekommt die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu spüren. Das Geschäft mit Verbindungslösungen für die Automobilindustrie – in normalen Zeiten die Kernkompetenz des weltweit tätigen Maintaler Unternehmens – ist im März und April deutlich zurückgegangen, nachdem viele Autobauer ihre Werke zeitweise geschlossen haben. In anderen Bereichen ist die Verbindungstechnologie von Norma jedoch gefragt wie nie: Seit Anfang März werden vor allem Verbindungsprodukte produziert, die beispielsweise bei der Herstellung von Beatmungsgeräten und in Krankenhäusern dringend benötigt werden. Stark nachgefragt sind sogenannte Y-Schlauchverbinder und Einschraubstutzen mit Gewinde, aber auch schlichte weiße Kabelbinder für allgemeine Befestigungen in Krankenhäusern. „Gerade im medizinischen Bereich ist es derzeit essenziell, die Lieferkette aufrechtzuerhalten, um Covid-19-Patienten bestmöglich zu versorgen. Wir sind froh, mit unseren Produkten einen Beitrag zur Bewältigung der Coronakrise zu leisten“, sagt Friedrich Klein, Chief Operating Officer und Mitglied des Vorstands der Norma Group.

Daneben haben die findigen Norma-Techniker innerhalb von nur vier Wochen ein Gesichtsvisier zum Schutz vor Tröpfcheninfektionen von der Idee zum verkaufsfähigen Serienprodukt auf den Weg gebracht. Norma ist neben der Arno Arnold GmbH aus Obertshausen ein weiteres Mitgliedsunternehmen des Verbandes Hessenmetall in Offenbach und Osthessen, das vor Ort dabei hilft, die Verfügbarkeiten von Gesichtsschutz in der Region zu erhöhen. Wie Norma-Ingenieur Thomas Kraus im Interview sagte (siehe unten), können inzwischen bis zu 25 000 Schutzmasken pro Woche hergestellt werden. Es gebe bereits zahlreiche Anfragen. Die Bestellmengen hingen von den einzelnen Kunden ab: „Wir bewegen uns in einem Rahmen von 100 bis 15 000 Gesichtsvisieren pro Bestellung. Kleine Produktionsunternehmen haben natürlich einen anderen Bedarf als eine Klinik oder ein Großhändler“, so Kraus. Das Norma-Gesichtsvisier werde über vier eingestanzte Löcher in der Folie an dem Kunststoffbügel zusammengesteckt. „So kann die Folie einfach ausgetauscht und der Bügel leicht gereinigt und wiederverwendet werden“, unterstreicht Kraus. Der Export sei europaweit geplant.

Schon etwas länger als Gesichtsvisiere liefert Norma vor allem in die von Covid-19 schwerstbetroffenen europäischen Länder Italien und Spanien Verbindungslösungen an Großhändler. „Die Distributionszentren des Unternehmens in den beiden Ländern bieten dabei einen entscheidenden logistischen Vorteil: Durch hohe Lagerbestände in Italien und Spanien werden die örtlichen Kunden durchgehend mit der benötigten Menge an unentbehrlichen Kunststoffverbindern, Einschraubstutzen und Kabelbindern versorgt“, so das Maintaler Unternehmen. Auch in anderen Ländern in Europa wie den Niederlanden und Großbritannien lieferten Vertriebsbüros von Norma in hohen Stückzahlen Produkte für Beatmungsgeräte und zur Infektionskontrolle.

In New York City, dem Epizentrum der Pandemie, hat Norma im April 25 000 Metallschellen zur Ausstattung von mobilen Handwasch-Stationen für Feldlazarette geliefert. „Händewaschen ist bekanntermaßen ein wichtiger Corona-Infektionsschutz. Wir freuen uns, dass wir zusammen mit einem Distributionspartner helfen können, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen“, so Michael Cardinal, Vize-Präsident Business Development für Standardprodukte in der Region Amerika. Die speziellen Schellen werden vor Ort im Norma-Werk Saltsburg, Pennsylvania, hergestellt. Die Maintaler setzen grundsätzlich auf kurze Transportwege und Kundennähe, was sich nun in der Coronakrise besonders auszuzahlen scheint, um schnell und effizient die Produktion umstellen und helfen zu können.

Von Achim Lederle

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