Mainuferfest: Voller Bauch im Rauch

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Massenandrang an der Matte: Wo Grill- und Kulturmeile aufeinander trafen, hatten junge Offenbacher Kampfsportler alles im Griff. Wo es was zu sehen gab, blieben die Festbummler gerne stehen.

Offenbach ‐ Dichter Rauch zieht über die Festmeile. Mit dem würzigen Geruch der Holzkohle weht auch der Duft gegrillter Sardinen herüber. Bei der portugiesischen Gemeinde rösten Fische und Sepia über der Glut und locken manchen Hungrigen an. Von Denis Düttmann und Marcus Reinsch

Das Fest der Offenbacher Vereine auf der Mainstraße ist ein Eldorado für Feinschmecker, ein Schlaraffenland der internationalen Küche. Sis Kebab und Paella, Souvlaki und Baklava, Stockfisch und Bratwurst, alles zu haben. Beim bengalischen Kulturverein brutzelt in einen Teigmantel gewandetes Gemüse im Öl, die Gäste lassen sich Happen aus Kartoffeln und Kichererbsen, pikante Hähnchenkeulen und scharfe Frühlingsrollen schmecken. „Die Auswahl an Gerichten aus aller Welt ist einfach toll“, schwärmt eine Besucherin. „So eine Vielfalt auf so engem Raum hat man sonst ja nie.“

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Mainuferfest in Offenbach

Und es hat ja auch noch andere Vorteile, dass sich die Grilldichte entlang der Buden- und Pavillonparade auf der abgesperrten Uferstraße auf Rekordniveau bewegt. Vor allem konservatorische. Wer es schafft, alle diese nicht alleine kulinarisch atemberaubenden Räucherschwaden der Fressmeile zu durchwandern, der altert für ein paar Jahre ganz bestimmt nicht mehr. Optisch wenigstens.

Dass Offenbach aber sowieso in jeder Hinsicht eine junge Stadt ist, davon erzählt ein geknackter Rekord: 137 Vereine und Initiativen machen diesmal bei der Freiluft-Party zwischen Büsingpalais, Lili-Park und Isenburger Schloss mit, rund zehn mehr als in den Jahren zuvor. Chöre und Sportvereine, Hilfsorganisationen und Kirchengemeinden, Musikgruppen und Umweltschützer stellen sich und ihre Arbeit vor. Am Lili-Tempel spielen Jazz- und Blues-Bands, im Hof des Büsingspalais zeigten Folklore-Gruppen und Tanzvereine ihre Choreografien.

In schwarzen Catsuits marschieren die Tänzerinnen des TVO-Tanztheaters auf die Bühne. Zum rhythmischen Klang afrikanischer Trommeln wirbeln sie durcheinander. Moderner Ausdruckstanz – intuitiv verständlich und dabei schön anzuschauen.

Vor der Stadtbücherei verkauft Anna-Fee Neugebauer Spielzeug und Schmuck aus Afrika. Massai-Frauen fertigen in Kenia traditionelle Stoffpuppen und Armreifen, Jugendliche basteln aus Draht, Kronkorken und Getränkedosen Spielzeugautos. „Wir arbeiten nicht mit Zwischenhändlern zusammen. So kommt der gesamte Erlös direkt der Kooperative zugute“, sagt Neugebauer. Der Verein Badilika fördert Bildungsprojekte in Kenia – derzeit wird für den Erweiterungsbau einer Schule in Mombasa gesammelt. „Wir helfen mit Geld und Beratung. Danach ziehen wir uns wieder zurück.“ Das Mainuferfest versteht Neugebauer als gute Gelegenheit, ihren kleinen Verein etwas bekannter zu machen und Spenden für den Schulbau zu sammeln.

„In tiefen Stimmlagen herrscht bei uns Mangel“

Manch anderer Verein verfolgt das aus seiner Sicht durchaus ebenfalls wohltätige Ziel, seine eigene Kasse etwas aufzubessern. Die Bedingungen sind gut; wer nicht Gegrilltes oder Gott bewirbt, bringt eben die Botschaft von der Glückseligkeit einer Mitgliedschaft ans Publikum. Das drängelt und schwitzt auch am gestrigen Sonntag schon zur Mittagsstunde übers mit von Livemusik und Vorführungen bereicherte Fest.

Gut für Hanna Bork. Die liegt auf der Lauer. Sie hat es auf Männer abgesehen. „In tiefen Stimmlagen herrscht bei uns Mangel“, sagt die Sängerin der Offenbacher Kantorei. Gerade hat der Chor in der Stadtkirche das Publikum stimmgewaltig auf eine Reise durch die Sakralmusik entführt, jetzt werben die Sänger vor dem Haus der Stadtgeschichte um Mitglieder. „Singen macht einfach Spaß“, sagt Bork. „Wir machen Musik, die bewegt und Rhythmus hat.“ Es gelte, den Leuten die Scheu zu nehmen. „Viele glauben, sie könnten nicht singen, obwohl sie gute Stimmen haben“, so Bork. Die Kantorei lädt Interessierte zu einem Hörrätsel ein. „Für mich ist das gemeinsame Singen total erfüllend. Da wird die Leidenschaft geweckt“, schwärmt Bork. Und schon ist sie wieder im Strom der Besucher verschwunden: Sie hat einen Mann entdeckt.

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