Eindrücke vom Mainuferfest

Fußball, Frösche, Falafel

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Traditionell präsentierten zahlreiche – auch internationale – Gruppen ein buntes kulturelles Programm auf der Bühne vor dem Büsingpalais.

Offenbach - Brasilianer und Chilenen dürften nicht ganz so zahlreich vertreten gewesen sein wie manch andere Nation. Aber dem Elfmeterschießen bei der Fußballweltmeisterschaft galt viel Aufmerksamkeit. Von Markus Terharn und Martin Kuhn 

So am Stand der OFC-Handballer, die vorab das Stimmungsbild sondierten: „Wer ist für Chile?“ Zirka 80 Prozent. „Wer für Brasilien?“ Vier von etwa 100 Leuten. Erst auf die Frage „Wer ist für die Kickers?“ fiel die Meinung einhellig aus.

Die Frau spricht es offen aus: „Ich muss erst etwas essen...“ Ihr folgender, beinahe verzweifelter Einschub irritiert jedoch: „Ach, ich esse doch jedes Jahr dasselbe.“ Also, dem können die Vereine rund ums weitere Kulturkarree doch abhelfen: Die kulinarische Palette reicht von der portugiesische Küste bis zum Egerer Becken, von herzhaft-orientalisch bis süß-verführerisch. Und für weniger experimentierfreudige Gaumen gibt’s notfalls einen „halben Meter Worscht“.

Das Schöne am Fest: Für Traditionalisten gibt es feste Anker; Angebote, die stets an ein und demselben Platz zu finden sind. Erfrischend sind jedoch die Neuerungen. Eine Bekannte zieht’s zum „Speed-Wine-Dating“. Bitte was? „Na, du kennst doch Speed-Dating?“, hakt sie nach. Also jene Art des schnellen und lustigen Kennenlernens, die bei jüngeren Leuten angesagt ist. „Und ich freunde mich da in fünf Minuten mit vier frischen Weißweinen an!“ Das ist auf jeden Fall mal eine schmackhafte Alternative...

Hessen-Fernsehen und Zelt der Stadt

Simon Isser leuchtet ins Land. Mit seinen fast zwei Metern Größe ohnehin kaum zu übersehen, hat sich der Vorsitzende des Theaterclubs Elmar zudem tierisch schminken lassen, wie auch viele Kinder. So läuft er Reklame für die Produktion „Urmel aus dem Eis“ der TCE-Jugendgruppe am nächsten Wochenende im Kolpinghaus.

Auch das Hessen-Fernsehen ist auf der Mainstraße präsent – und zwar mit mehreren Kamerateams. Wer einen Zusammenhang mit der vorherigen Demo und Gegendemo in der Innenstadt mutmaßt, wird enttäuscht und neugierig gemacht. Es ist der finale Dreh für den 45-Minuten-Fernsehbeitrag in der Reihe „Herrliches Hessen“. Bunt, multikulti, Offenbach? Es dürfte spannend sein, was Autor Volker Janovsky uns am 19. August über die Stadt berichtet.

Apropos: Stadtverwaltung und Stadtwerke Holding haben ein gemeinsames Zelt vor der Stadtbücherei aufgestellt. Da gibt es Information satt, ein attraktives Gewinnspiel, das etwas Ortskenntnis voraussetzt („Welche Farbe hat die Decke oberhalb der Schalter in der Mobilitätszentrale: Orange oder blau?“) und als lustiges Präsent einen aufblasbaren Wasserball für den noch fernen Sommerurlaub. Schade, dass sie damit in der Stadt von Wetterdienst, Wetterpark und Wetterhütte etwas daneben liegen. Am späteren Abend hätte ein Regenponcho besser gepasst!

Vereine beim Mainuferfest

Vereine beim Mainuferfest

Wollenes gibt es dagegen bei der Seniorenhilfe. „Zweimal die Woche treffen wir uns zum Stricken“, erzählt Helga Feuerbach. So entsteht Nützliches zum Anziehen oder Dekoratives zum Spielen, etwa Frösche in rot-weißem Strampler. „Ein Mann hat einen in Schwarz-Rot für seine Frau gekauft“, berichtet Feuerbach. „Ich habe gefragt, ob sie Eintracht-Anhängerin ist. Er sagte, sie sei Kickersfan. Ich wette, am Sonntag tauscht sie den Frosch um!“

Im Lilipark lässt sich derweil der Musik des Jazz e.V. lauschen. Dort trifft man am Samstagabend einen tief entspannten Matthias Müller. Der Erfinder und Organisator des Mainuferfestes ist zufrieden – obwohl weniger Besucher gekommen seien als üblich, zirka 15 000. Sonst seien es am ersten Tag eher 20.000 gewesen. WM-Fieber, Salafistenkundgebung und Gegendemo sowie Regenprognose sieht er als Ursachen, betont: „Das Gewitter war ja schon für 18 Uhr angesagt.“

Erst nach 23 Uhr öffnete der Himmel seine Schleusen. „Bis dahin war es das schönste Fest seit Jahren“, zeigte sich Müller begeistert. Vor allem werde die Kulturmeile an der Herrnstraße immer besser angenommen, seit fünf Jahren vom Forum Kultur organisiert. „Früher machten manche Vereine ihren Stand um 19 Uhr zu. Jetzt gab es ein vielfältiges Angebot bis weit nach 22 Uhr.“

Mainuferfest 2013 in Offenbach

Mainuferfest in Offenbach

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