Ohne gültiges Ticket geht nichts

Mainufer: Auch Gratisparker brauchen Parkschein 

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Der erste Weg führt auf dem Mainuferparkplatz ab sofort zum Parkscheinautomaten. Denn auch jene, die nur kostenlos drei Stunden während der Ladenöffnungszeiten zwischen 9.30 und 20.30 Uhr parken, müssen die grüne „Brötchentaste“ drücken. Wer nur eine Parkscheibe hinter die Scheibe klemmt, riskiert ein Knöllchen.

Offenbach - Jahrzehntelang galt der Mainuferparkplatz Autofahrern als erste Adresse. Rund 600 kostenlose Stellplätze in Laufdistanz zur Innenstadt – das wussten vor allem Pendler und Kurzbesucher zu schätzen. Von Jenny Bieniek 

Tim Maul: Die Stadt Offenbach hat ja nicht viel Geld, da ist die neue Gebührenordnung keine schlechte Sache. Ich parke ohnehin nur hier, wenn ich mal kurz zur Krankenkasse muss. Und auch mit 1,40 Euro pro Stunde käme ich trotzdem billiger weg, als wenn ich in ein Parkhaus in der Innenstadt fahre.

Die seit Montag geltende Neuregelung sorgt am Ufer deshalb für Verwirrung. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Nur so lässt sich erklären, warum viele Autofahrer, nachdem sie die neuen Hinweisschilder entlang der Parkplatz-Zufahrt passiert haben, auf Höhe des Parkscheinautomaten irritiert die Scheiben runterlassen und in die sich dort gebildete Menschentraube fragen: „Ist das schon aktuell mit den Gebühren?“ Ja, ist es. Seit Anfang der Woche sind die drei neuen Automaten auf der Parkfläche am Mainufer offiziell in Betrieb, heißt: Wer dort parkt, muss ein Ticket ziehen. Dass dies auch für jene gilt, die während der Ladenöffnungszeiten maximal drei Stunden und damit kostenlos parken, scheint jedoch nicht jedem klar zu sein. „Ja, von den neuen Gebühren habe ich gelesen, aber ich parke eh nur kurz“, hört man auf Nachfrage immer wieder.

Gerhard Arnold: Ich komme aus Mühlheim und bin oft in Offenbach, gehe zu Ärzten oder auf den Wochenmarkt. Für Arzttermine und zum Einkaufen reicht das Gratis-Ticket locker. Wenn ich darüber hinaus auf dem Wilhelmsplatz gemütlich Kaffee trinken will , sind die Preise in Relation gesehen okay.

Eine Parkscheibe jedoch reicht nicht aus. Wer den Mainuferparkplatz nutzt, muss zum Automaten. Ausgenommen sind lediglich Anwohner, die über einen entsprechenden Ausweis für die Bezirke B, H oder J verfügen und diesen hinter der Windschutzscheibe platzieren. „Jahrzehntelang habe ich hier kostenlos geparkt, auf die neuen Schilder hab ich gar nicht geachtet“, gibt ein Herr mit Hut zu. Eine junge Frau lässt sich unterdessen wenige Schritte weiter von einem Ordnungsamtmitarbeiter die Neuregelung erklären. Eigentlich wollte dieser nur die Funktionstüchtigkeit des Automaten kontrollieren. Doch sein vor dem Gerät geparkter Wagen erzeugt Aufmerksamkeit. So häufen sich die Nachfragen – trotz eigens angebrachtem DinA-4-Hinweis. „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“, wiederholt der Mann vom Amt gebetsmühlenartig. Und erklärt immer wieder aufs Neue: „Aktuell parken Sie drei Stunden kostenlos. Wenn Sie länger fortbleiben wollen, werfen Sie jetzt den Betrag ein und der Automat rechnet diese Zeit dann oben drauf.“

Inge Korte: Als Autofahrer hat man’s heute zunehmend schwerer. Überall wird man nur noch abgezockt. Ich komme aus Dietzenbach. Dort ist’s noch schlimmer, deshalb bin ich treue Offenbach-Besucherin. Mir reichen drei Stunden, aber für Schüler und Arbeitnehmer, die hier oft parken, wird das ein Problem.

„Das heißt, ich muss mir vorher überlegen, wie lange ich bleiben will“, schlussfolgert ein Herr mit Portemonnaie in der Hand. „Darüber muss ich erstmal ein Schwätzchen halten mit meiner Frau“, sagt er, lacht, und stapft zurück zur am Auto wartenden Gemahlin. Kurz darauf kommt er ohne Geldbörse zurück. „Meine Frau sagt, das reicht“, erklärt er, während er die grüne Taste mit Haken drückt. „Da haben sie aber eine genügsame Frau“, nickt der Mann vom Ordnungsamt anerkennend. Obwohl so nicht geplant, besteht bei den meisten Autofahrern Einigkeit über die Anwesenheit des Ordnungsmannes: „Gut, dass Sie da sind...!“ Die allermeisten halten die neue Gebührenordnung aber für moderat. Allein: „Außerhalb der Ferien parken hier viele Abiturienten, Berufsschüler und Studenten“, weiß Inge Korte. Für sie hofft die Dietzenbacherin auf eine Ausnahmeregelung. „Die jungen Leute können sich das doch nicht leisten.“

Leander Appel: Natürlich wäre komplett kostenloses Parken besser, aber die Drei-Stunden-Regelung erscheint mir als vernünftige Lösung. Das reicht, um Besorgungen zu machen, und die Preise danach sind noch human. In Frankfurt zahlt man definitiv mehr, da fahr’ ich deshalb erst gar nicht mehr hin.

Vor allem aber trifft die Neuregelung Pendler. So wie die Arzthelferin, deren Praxis zehn Minuten entfernt liegt und die jetzt ein Problem hat. Ihr Arbeitstag beginnt um acht. „Um die kostenlosen drei Stunden nutzen zu können, müsste ich zwischendurch herkommen. Das schaffe ich aber nicht.“ Die von der Stadt beabsichtigte Verdrängung der Pendler auf den öffentlichen Nahverkehr dürfte in diesem Fall jedoch ausbleiben. „Mein Chef wird wohl irgendwo Parkplätze mieten müssen“, glaubt sie.

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