Mainzer Ring in Bürgel: Die finale Spange

+
Autofahrer nutzen den Mainzer Ring bereits seit Wochen, obwohl er noch gar nicht freigegeben war. Das erfolgte gestern offiziell. Die eigens aufgebaute Bake samt Verkehrsschild räumten Hertha Lehmann und Oberbürgermeister Horst Schneider gemeinsam weg.

Bürgel -  So eine Begrüßung gibt’s nicht immer für den Verwaltungschef.  Hertha Lehmann, rüstige und wortstarke Verfechterin für den Bau des Mainzer Rings, herzt gestern Horst Schneider. Gemeinsam wuchten sie eine eigens aufgestellte Absperrbake beiseite. Von Martin Kuhn 

Ein Bild für die Ewigkeit? Zumindest genügt’s den Pressefotografen als Motiv, die zur offiziellen Eröffnung der Umfahrungs- und Erschließungsstraße nach Bürgel gekommen sind. Und die anwesenden Fachleute erdet Hertha Lehmann vor den allzu lobenden Worten erst einmal: „Bis jetzt habe ich noch nichts gemerkt von einer Entlastung. “.

Sie muss es wissen. Mit ihrem Gatten wohnt sie in der Langstraße und kämpft seit Jahrzehnten für weniger Verkehrslärm im Ortskern. „Das haben wir endlich geschafft“, findet der Oberbürgermeister. Nun, zumindest sind jetzt die baulichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Stadt im Osten ein wenig mehr zusammenwächst. Ein Ziel: Pendler aus und nach Rumpenheim sollen sich nicht länger durch Bürgel „drücken“. Zumindest beim Termin mit Journalisten nutzen etliche Autofahrer den mit 9 Millionen veranschlagten, letztlich gut 11 Millionen teuren Mainzer Ring.

Geht es nach Horst Schneider, könnten das bald noch mehr werden. Die Piste fungiert schließlich als Erschließung für das Baugebiet Bürgel-Ost, wo dereinst mehr als 1000 Menschen wohnen sollen. Der mehrfach geänderte (Zeit-) Plan sieht vor, dass die Stadt 2016 mit der Erschließung startet und ein Jahr später die privaten Häuslebauer loslegen. Schneider hofft, dass das Regierungspräsidium als Aufsichtsbehörde die Mittel dafür freigibt – zirka 7,8 Millionen Euro.

Kosten steigen durch Gesetze

Der Ausbau zwischen Ketteler- und Rumpenheimer Straße hat mehr als elf Millionen Euro gekostet.

Die Kostensteigerung ist unter anderem einer neuen Gesetzeslage geschuldet, die schon den Straßenbau zeischen Ketteler- und Rumpenheimer Straße merklich verteuert hat. Nach der Neufassung des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG 2010) ist bundesweit Schmutz- und Regenwasser in Neubauarealen zu trennen. Entsprechend musste lokal ein neuer Kanal zum Kuhmühlgraben geführt werden. Diese „neuen Standards“ kosten die Stadt unterm Strich zirka 2 Millionen Euro, was die notorisch unterfinanzierte Kommune sicher schmerzt. Den Oberbürgermeister erhitzt es gestern bei sommerlichen Temperaturen nicht weiter: „Wenn’s dem Fortschritt dient...“

Dennoch wagt er einen Blick nach vorn, schließlich wird die Bürgeler Ortsumfahrung in vieler Augen erst eine richtige, wenn die Anbindung zur Mainstraße gelingt. Die weitere Verlagerung des Verkehrs sei allerdings ein „hochkomplexes Thema“. Übersetzt heißt das: Es kostet zusätzliches Geld, da unter anderem Grundstücke (Clariant-Areal) zu erwerben sind, die Bürgeler Ortskante zu gestalten und die Freilegung des Kuhmühlgrabens vorzusehen ist. Mögliche Erwartungen dämpft Schneider umgehend: „Es wäre unseriös, eine Jahreszahl zu nennen.“

Die Lustigsten Schilder der Welt

Die lustigsten Schilder der Welt

Dass  eine zeitliche Verzögerung durchaus positive Effekte haben kann, zeigt sich nach seiner Einschätzung ebenfalls am Mainzer Ring. Der ursprüngliche Grundsatzbeschluss sah drei ampelgesteuerte Kreuzungen vor, aus denen mittlerweile drei Kreisel geworden sind. Mit einigen „ökologischen Vorteilen“ – weniger Flächenverbrauch, keine Stromanschlüsse, keine Rotlichtphasen, bei denen Abgase die Luft belasten. „Da würden mir zur Umgestaltung noch einige Kreuzungen in Offenbach einfallen“, fügt er an. Zumindest die beiden östlichen Stadtteile dürfte das nicht mehr treffen.

Mehr zum Thema

Kommentare