Malteser Hilfsdienst

Praxis hilft Menschen ohne Versicherung: Corona-Krise stellt die Malteser auf die Probe

Oberarzt Matthias Zimmer: „Wir setzen da an, wo die Gesellschaft versagt.“ Foto: Renate Hoyer
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Oberarzt Matthias Zimmer arbeitet in der MMM-Praxis und behandelt dort Menschen ohne Krankenversicherung. (Archivfoto)

Für viele ist sie die einzige Rettung: Die Praxis der Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung. Doch wegen Corona fehlen Personal und Geld.

  • Malteser Hilfsdienst in Offenbach behandelt Menschen ohne Krankenversicherung.
  • In der Krise: Durch Corona fehlen der Anlaufstelle Personal und Spendengeld.
  • Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung: Die Krise vertreibt die Helfer außerdem von ihrem eigentlichen Standort.

Offenbach - Seit eineinhalb Jahren bietet der Malteser Hilfsdienst eine medizinische Anlaufstelle für Menschen ohne Krankenversicherung (MMM) an. Auch in Corona-Zeiten. Doch die Helfer stehen durch die Auswirkungen der Pandemie am Limit – personell und finanziell. Es sind mitunter bewegende menschliche Schicksale, die Koordinatorin Gabriele Türmer und das Team der Malteserpraxis erleben.

Das Spektrum der Besucher ist breit: Obdachlose, Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus, Schwangere. Aber auch Selbstständige, die nicht mehr für ihre Versicherung aufkommen können. „Jeder hat einen Anspruch auf Hilfe. Vom ersten Tag an hatten wir die Bude voll“, sagt Türmer. Leitender Arzt ist Dr. Matthias Zimmer, Oberarzt am Kettelerkrankenhaus, der das ehrenamtliche Projekt mit seinem inzwischen verstorbenen Vater Gerhard Zimmer initiiert hat.

Malteser Hilfsdienst in Offenbach: Spenden gehen seit Corona drastisch zurück

Wegen des coronabedingten Besuchsverbots in Kliniken konnte das Angebot nicht im Kettelerkrankenhaus aufrecht erhalten werden, es mussten neue Räume gefunden werden. Die Praxis in Offenbach öffnet nun jeden Mittwoch von 17 bis 19 Uhr im Gemeindezentrum von St. Peter an der Berliner Straße. „Es sind gute, große Räume, die wir mietfrei bekommen“, freut sich Türmer. Denn das Geld wird knapper. Seit Corona sind die Spenden drastisch zurückgegangen. Die Förderung durch die Sparkassenstiftung und die Stiftung des Herausgebers unserer Zeitung, Dirk Ippen, läuft zwar weiter. „Das ist unser Fundament, für das wir sehr dankbar sind“, betont die Koordinatorin. Aber darüber hinaus? „Ich schreibe mir die Finger wund zur Akquise von Spenden – vergeblich.“

Dabei sind die Rechnungen nicht weniger geworden. Vor allem die für Schwangere schlagen deutlich zu Buche. Entbindungen kosten im vierstelligen Bereich, sollte etwas mit dem Kind sein, kommen die Kosten obendrauf. „Bei manchen Rechnungen machen wir erst mal Atemübungen“, so Türmer.

Auch in Zeiten von Corona werden die Dienste der Malteserpraxis dringend benötigt, hier ein Patient im Gespräch mit Dr. Ursula Korff-Fox.

Malteser Hilfsdienst in Offenbach hilft Menschen ohne Krakenversicherung

Umso glücklicher ist sie über den guten Ausgang eines aktuellen Falls, der zunächst fast aussichtslos schien. Eine Frau aus einem afrikanischen Land war aus familiären Gründen zu Besuch in Offenbach. Während ihres Aufenthalts verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand schlagartig. Die niederschmetternde Diagnose: Lungenfibrose. An eine Rückreise in die Heimat war nicht zu denken. Sie musste permanent medikamentös behandelt werden, konnte kaum atmen, für ein dringend benötigtes Sauerstoffgerät fehlte das Geld. Als der Pfarrer von St. Peter das mitbekam, organisierte er eine Spendenaktion. „Von den Einnahmen konnten wir ein Sauerstoffgerät kaufen“, berichtet Türmer. Der Zustand der Frau habe sich stabilisiert.

Das weitere große Problem zurzeit ist fehlendes Personal. „Durch Corona ist die Hälfte unserer medizinischen Hilfskräfte weggefallen“, bedauert die Koordinatorin. „Wir suchen verzweifelt nach Ersatz*.“ Nur noch zwei Frauen assistieren den Ärzten, die sich wochenweise im Dienst abwechseln. Dabei ist der Aufwand, der aufgrund der Schutzmaßnahmen zu betreiben ist, gestiegen. Bei der Aufnahme müssen Coronasymptome abgefragt, auf Maskentragen und Abstandsregeln geachtet werden – zusätzlich zu den normalen Aufnahmesprächen mit medizinischer und sozialer Anamnese. Schutzausrüstung und strenge Hygienevorschriften bei Ärzten und Helfern sind obligatorisch.

Malteser Hilfsdienst in Offenbach mit Preis ausgezeichnet

Es habe nie eine Sprechstunde gegeben, zu der keiner gekommen wäre. Meist sind es fünf bis sieben Patienten, manchmal mehr, selten weniger. Einen coronabedingten Rückgang verzeichnet die Praxis nicht: „Wer größtenteils auf der Straße lebt, hat andere Probleme als Corona“, weiß Türmer.(Veronika Schade) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Malteser Hilfsdienst in Offenbach unterstützen

Wer die Malteserpraxis, die im vergangenen Jahr mit dem Ferdinand-Kallab-Preis der Stadt Offenbach ausgezeichnet wurde, unterstützen möchte, kann, kann dies unter folgendem Spendenkonto tun: Malteser Hilfsdienst e.V., IBAN: DE13 3706 0193 4001 1552 16, BIC: GENODED1PAX, Stichwort: MMM Offenbach.

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