„Aber sicher zur Schule“

Mama-Taxi und Raser im Visier

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Die Stadtpolizei hatte diesmal nur wenig zu tun: Bieberer Grundschüler durften Verkehrssündern Denkzettel verpassen.

Offenbach - „Aber sicher zur Schule“ – so lautet das Motto der derzeit laufenden Verkehrssicherheitswoche. An der Aktion nehmen mehrere Grundschulen teil. Bei „Sonderkontrollen“ verteilen Schüler „Denkzettel“ an unachtsame Autofahrer. Von Alla Kopytova

So wie gestern Mittag an der Grundschule Bieber. Im Beisein der Stadtpolizei drücken die Schüler jenen Autofahrern gelbe Zettel in die Hand, welche es mit den Verkehrsregeln vor der Schule nicht so genau genommen haben.

In der knapp fünf Meter breiten Mauerfeldstraße kommt es immer wieder zu Verstößen. Die größten Gefahren nennt Stadtpolizist Martin Grabarczyk: „Am häufigsten wird das eingeschränkte Halteverbot vor der Schule missachtet. Der Bürgersteig ist so eng, dass die Kinder die auf dem Bürgersteig parkenden Autos auf der Straße umgehen müssen. Manchmal fahren die Autos auch viel zu schnell.“

„So fühle ich mich auf dem Schulweg viel sicherer“

Die Kinder, die vorher in der Schule die Verkehrsregeln gelernt haben, freuen sich über ihre verantwortungsvolle Aufgabe, Autofahrer auf ihre Vergehen hinweisen zu können. Der neunjährige Philipp aus der Klasse 4c findet die Aktion des Ordnungsamts super: „So fühle ich mich auf dem Schulweg viel sicherer!“

Auch die Erwachsenen sind froh über die Unterstützung der Stadt. Elternbeirätin Monika Appel, die diese Sonderkontrolle mitorganisiert hat, stellt jedoch fest, dass an dem Nachmittag viel weniger Eltern als sonst direkt vor der Schule halten. Das Auto der Stadtpolizei und die gelben Warnwesten schreckten wohl ab, vermutet sie.

Die tägliche Ignoranz ärgert die Elternberätin. Zumal nur ein paar Meter weiter die Parkplätze der Kirche Sankt Nikolaus sind. „Dort kann man auch parken. Dann fährt man eben fünf Minuten früher los, parkt dort und begleitet sein Kind zu Fuß, wenn man es schon direkt vor die Schule bringen muss.“

Die Sicherheitsaktion läuft noch bis zum Freitag; immer vor Schulbeginn und nach der letzten Stunde wird an der jeweiligen Schule kontrolliert und ermahnt. Heute wird ab 9.30 Uhr an der Waldschule Tempelsee die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Autos gemessen.

Verlorene Verkehrsmoral

Dass die immer öfter nicht eingehalten wird, hat Bodo Braun beobachtet. Er ist seit 16 Jahren ehrenamtlich als Schülerlotse an der Waldschule tätig, hat mehr als 470 Einsätze hinter sich, wie er sagt. Braun hat in einem offenen Brief an die Polizei seinem Ärger darüber Luft gemacht, dass zunehmend zu schnell gefahren wird, wobei er Busse davon nicht ausnimmt, dass die Rotlichtverstöße zunehmen und dass nicht zuletzt die Eltern Halteverbote ignorieren. Brauns Fazit: „Die Verkehrsmoral der Autofahrer scheint total abhanden gekommen zu sein.“ Der erfahrene Schülerlotse appelliert an die Polizei, mehr Präsenz vor den Schulen zu zeigen und Verstöße konsequent zu ahnden.

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