MAN Roland: Ex-Vorstände und Manager vor Gericht

Schmiergelder gezahlt, um Aufträge zu erhalten ?

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Vorgänge aus den Jahren 2005 bis 2007, als es noch das Unternehmen MAN Roland Druckmaschinen gab, beschäftigen nun die Justiz.

Offenbach - Ein mit Spannung erwarteter Schmiergeld-Prozess gegen ehemalige Manager und Vorstände des Druckmaschinenherstellers MAN Roland, Vorgänger der 2011 in die Pleite gerutschten manroland AG, ist gestern wegen Erkrankung eines Richters der 18. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt vertagt worden.

Angeklagt wegen Bestechung und Untreue in der Zeit von Oktober 2005 bis April 2007 sind Georg Sp. (60), Alwin St. (52), Klaus J. (66) und Dirk R. (41), die als Abteilungs-, Verkaufs- und Vertriebsleiter tätig waren, sowie die beiden ehemaligen Vorstandsmitglieder Gerd F. (57) und Ingo K. (53). Die Manager sollen über die Firma V., eine Vertriebstochtergesellschaft von MAN mit Sitz in Lausanne, Schmiergelder generiert haben. Laut Anklage lief das so ab: Es sei ein sogenannter Beratervertrag mit dem Schweizer Ableger geschlossen worden sein, wonach deren Vertreter für festgeschriebene Beratungsaufgaben eine feste Vergütung von 5 000 Euro pro Monat sowie des weiteren ein frei zu vereinbarendes Entgelt von mindestens zwei Prozent des Auftragswerts erhalten sollten. Tatsächlich seien jedoch keine Beraterleistungen erbracht worden. Die durch die Scheinrechnungen erlangten Gelder sollen als Schmiergelder in mindestens acht Fällen zur Erlangung von Aufträgen gezahlt worden sein. Insgesamt, so der Vorwurf, seien 1.172.900 Euro geflossen.

Die angeklagten Manager sollen an den Vorgängen direkt beteiligt gewesen sein und sich durch die Verschiebung dieser und weiterer Beträge auf ein ausländisches Bankkonto der Firma V. in Höhe von insgesamt mehr als vier Millionen Euro auch der Untreue schuldig gemacht haben. Die damaligen Vorstände Gerd F. und Ingo K. stehen vor Gericht, weil sie nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft über das Vorgehen der übrigen Angeklagten zur Generierung von Schmiergeldern informiert gewesen seien und dem ausdrücklich oder stillschweigend zugestimmt hätten. Es soll ihnen bewusst gewesen sein, dass es durch ein fehlendes Kontrollsystem zu persönlichen Bereicherungen einzelner Personen hätte kommen können und in einem Fall auch gekommen sein soll; der Angeklagte St. soll von dem in der Schweiz abgeholten Geld 59.000 Euro für sich behalten haben. Trotz der vielen Angeklagten, die jeweils mit einem Verteidiger auftreten, und der nicht einfachen Materie hat das Gericht bislang nur zwei Verhandlungstage angesetzt. Wann der Prozess tatsächlich beginnt, stand gestern noch nicht fest.

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