Bar am Mainufer schließt

„Manaia“ vorerst gescheitert

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Bessere Zeiten: Das „Manaia“ an einem sonnigen Tag. In diesem Jahr beendet die Bar die Saison vorzeitig wegen Vandalismus.

Offenbach - Drei Einbrüche in vier Wochen. Zu viel für die Betreiber der Bar „Manaia“ am Mainufer. Sie können die Kosten nicht mehr tragen und beenden deshalb nach diesem Wochenende vorzeitig die Saison. Von Veronika Szeherova

Der Stadt werfen sie vor, ihnen Sicherheitsvorkehrungen verwehrt und das Vorhaben zur Belebung des Mainufers durch Bürokratie erschwert zu haben. Die Diebe wussten, was sie tun. Im Schutz der Dunkelheit öffneten sie Fenster und Türen, brachen in die Wagen der Bar „Manaia – das Sonnendeck“ ein, stahlen alles, was sie mitnehmen konnten. „Sie kommen sicher wieder, nachdem sie wissen, was es zu holen gibt“, sagt Oliver Reif, der die Bar am Mainufer zwischen Isenburger Schloss und Mainparkplatz mit seinem Bruder Michael betreibt. Seit der Eröffnung im Sommer vergangenen Jahres hatten sie mit Einbrüchen und Vandalismus zu kämpfen. Dieses Jahr wurde es noch schlimmer. Nachdem es innerhalb von nur vier Wochen zu drei Vorfällen gekommen ist, ziehen sie die Reißleine. „Dieses Wochenende ist das letzte, an dem wir geöffnet haben.“

Etwa 150.000 Euro haben sie in ihr Projekt einer trendigen Bar am Mainufer investiert, die, so hofften sie, zum städtischen Treffpunkt werden, das Gelände beleben und aufwerten sollte und dabei „absolut ökologisch“ sei. Im Retro-Stil richteten sie nach städtischen Auflagen Barwagen aus den 50er Jahren her, darunter einen Toilettenwagen mit geschlossenem Wasserkreislauf, mit dem sie sich um den Bundesnachhaltigkeitspreis bewerben, kauften hochwertige Liegestühle und Sonnenschirme, verlegten Stromleitungen und Wasseranschlüsse, päppelten das Gras auf, stellten eine Mitarbeiterin ein.

Ärger über Bürokratie

„Wir machten in der ersten Saison im laufenden Betrieb einen Verlust von 19.000 Euro“, sagt Michael Reif. Das Hochwasser machte dieses Jahr neben den Einbrüchen einen Strich durch die Rechnung. „Unsere Kraft und Ausdauer lässt nach“, so der 29-Jährige. Denn eine Chance auf Besserung sieht er nicht. Für Schutzvorrichtungen wie eine Alarm- und Kamera-Anlage oder nächtliche Beleuchtung bekamen sie vom Bauamt keine Genehmigung. „Bei Flutlicht stellt sich die Frage, wie lange es brennen darf“, sagt Stadtsprecher Matthias Müller. „Einige Stunden wäre es trotzdem dunkel.“ Gegen eine Kamaraüberwachung am Mainufer habe die Stadt Bedenken, damit sie nicht „überhand nimmt“, zumal es sich um keinen Brennpunkt für Straftaten handele.

Die Brüder monieren, dass sie sich „für jede Kleinigkeit“ eine Genehmigung holen und jedesmal sehr lange warten müssten. Sie sehen sich nicht nur als Gastronomen, sondern als Standortentwickler, die der Stadt ein „kostenloses Benefit“ bescheren: „Wir machen alles auf eigene Rechnung. Trotzdem wird es verwehrt, meist ohne Begründung. Es ist, als hätten die Entscheidungsträger kein Interesse am Mainufer.“ Dabei würden es jährlich 2,8 Millionen Radler passieren, worin viel Potenzial liege. „Aber leider ist hier nach Einbruch der Dunkelheit nur ein Treffpunkt von Kriminellen und Junkies“, klagt Reif. Den Vorschlag, dort Kunst auszustellen, habe die Stadt ohne Begründung abgelehnt, aber Auflagen wie eine Behindertentoilette oder das tägliche Wegfahren des Lager-Anhängers erteilt. „Das ist nicht machbar“, sagen die Brüder aus Dessau, die vor Jahren fürs Studium nach Offenbach gekommen sind.

Müller lobt das Engagement der Reifs und sagt, ihnen seien „alle Wege geöffnet“. Die Auflagen aber seien gerechtfertigt. „Hier haben sie es sogar leichter, in Frankfurt müssten sie täglich alle Wagen wegziehen.“ Das „Manaia“ sehe gut aus, wenn es geöffnet sei. „Die verlassenen Wagen sind keine gute Visitenkarte für die Stadt.“ Trotz aller Verluste wollen es Reifs nächstes Jahr nochmal versuchen. „Wir haben schon zu viel reingesteckt, das geben wir nicht auf.“

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