Mangel an Ganztagsplätzen

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Gelungen: Beim Fest am Samstag wurde auch das neue Logo der Buchhügelschule vorgestellt.

Offenbach (man) - Meist tröpfeln die ersten Gäste zu Festen einige Minuten nach der Uhrzeit ein, die auf der Einladung steht. Zum Fest am Samstag in der Buchhügelschule ist das anders.

Schon eine halbe Stunde vor Beginn verkauft Mutter Naime Demirezen an ihrem Stand aus einem Sortiment, das von Kuchen mit Kaffee bis zur Geflügelwurst mit Senf reicht. „Ich habe einen Schreck bekommen, wie voll es schon ist“, sagt Anja Kiessler, Schatzmeisterin des Fördervereins der Grundschule an der Goerdelerstraße. Der organisiert nicht nur das Fest, sondern feiert bei der Gelegenheit sein 20-jähriges Bestehen.

Es ist das erste Fest nach der Renovierung des alten Gebäudes und des Baus eines neuen. Im Schulalltag kümmert sich der Förderverein an den Nachmittagen um Arbeitsgemeinschaften wie für Yoga oder Gitarre. Außerdem initiiert er den Lotsendienst für die Erstklässler. Der sei an der Ampel der dicht befahrenen Rhönstraße besonders wichtig. Anja Kiessler, deren Kinder die Grundschule besuchen, bedauert, „dass die meisten austreten, wenn ihre Kinder die Schule verlassen“.

Die räumlich entspannte Situation

Über die räumlich entspannte Situation freut sich Schulleiterin Birgitt Stolz, die zur Eröffnung mit den Kindern ein Lied singt. Das neue Gebäude sei vor allem „wegen des höheren Bedarfs durch die Ganztagsklassen“ sehr wichtig. In denen können die Kinder die Zeit von 7.30 bis 17 Uhr in der Schule verbringen. Die obligatorische Zeit geht von 8.15 bis 16 Uhr. „Leider ist die Nachfrage wesentlich höher als das Angebot“, klagt die Schulleiterin. Eine Alternative zum Ganztagsunterricht sei die pädagogische Nachmittagsbetreuung, an der besonders Mütter interessiert seien, die halbtags zur Arbeit gingen. Mittags um halb drei fällt dort der Hammer. Von den 319 Schülern könnten nur 130 Schüler nach Unterrichtsschluss bleiben.

Der Mangel an Ganztagsplätzen sei ein großes Problem. Die Kinder hätten zwölf Wochen Ferien im Jahr, „die bekommt aber kein Arbeitnehmer“. Birgitt Stolz erinnert sich an ihre beruflichen Anfänge, „als ich 1975 an der Friedrich-Ebert-Schule begann“. Damals sei die Ganztagsschule ein Modellversuch gewesen. „Das liegt bald 40 Jahre zurück. Über Jahrzehnte tat sich gar nichts mehr auf dem Gebiet.“

Die Schulleiterin hält das für fatal. Gerade für Kinder aus Haushalten, in denen keine gut gefüllten Bücherregale stehen, „wäre Betreuung in der Schule sehr wichtig“.

„Die sind oft empfänglicher, als die meisten vermuten“

Ansonsten sucht die Schule von sich aus das Gespräch mit Eltern. „Die sind oft empfänglicher, als die meisten vermuten“, beobachtet Beratungslehrer Armin Nagengast. Oft sei es lediglich Unkenntnis, die Eltern beispielsweise dazu bringe, ihre Kinder ständig Fernsehen schauen zu lassen. Rede er mit ihnen darüber, dass das schädlich sei für deren Entwicklung, „sind die meisten offen und ziehen auch Konsequenzen daraus“.

Beim Schulfest gibt es Klassiker wie Büchsenwerfen, Tombola und Schminken. Junge Frauen der Tanzschule Weiss geben Kostproben aus ihrem Repertoire. Ständig führen Schüler auf der Freiluftbühne etwas vor. Ganztagsschule bedeute nicht, „dass die Kinder den ganzen Tag lernen“, betont Schulleiterin Stolz. Sie hofft deshalb, dass Schulen und Vereine „in Zukunft weit enger als bisher miteinander kooperieren“.

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