„manroland“: Beschäftigte können vorerst aufatmen

Offenbach - Aufatmen bei den Beschäftigten von „manroland“: Insolvenzverwalter Peter Schneider hat sich mit den Banken geeinigt. Dank eines Massekredits haben die Beteiligten nun etwas Zeit gewonnen.

Im Kampf um die Zukunft des insolventen Druckmaschinenherstellers „manroland“ ist die erste Hürde genommen. Ein Konsortium aus 15 Banken stellte dem Augsburger Unternehmen am Freitag einen Massekredit in Höhe von insgesamt 55 Millionen Euro zur Verfügung. Damit kann „manroland“ zunächst ganz normal weiterarbeiten und seine Verbindlichkeiten gegenüber Kunden und Lieferanten erfüllen. Nun geht die Suche nach einem möglichen Investor, der das angeschlagenen Unternehmen wieder flott kriegt, in die entscheidende Phase. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jürgen Bänsch forderte von den bisherigen Eigentümern, dem Versicherungskonzern Allianz und dem Lastwagenbauer MAN, finanzielle Zusagen an mögliche Interessenten.

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Der Massekredit besteht aus 10 Millionen Euro, die als Barkreditlinie zur Verfügung stehen, sowie weiteren 45 Millionen Euro in der Form eines sogenannten unechten Massekredits. Dabei geben die Gläubigerbanken einen Teil der an sie abgetretenen Forderungen frei und verschaffen „manroland“ so die benötigte Liquidität. „Das Insolvenzgeld garantiert nicht nur die Fortzahlung der Gehälter, sondern eröffnet gemeinsam mit dem Massekredit auch optimistisch stimmende Perspektiven für die Unternehmensfortführung in Hessen“, sagte Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP).

„manroland“ mit Hauptsitz in Augsburg hat zwei weitere wichtige Standorte in Offenbach und Plauen. Mit insgesamt 6500 Mitarbeitern ist „manroland“ der größte Insolvenzfall seit zwei Jahren. Für die nun anstehende Investorensuche forderte Gesamtbetriebsrat Bänsch insbesondere die Allianz als Eignerin von 75 Prozent der Unternehmensanteile auf, Geld in die Hand zu nehmen, um die Schwelle für Investoren zu senken. Eine Sprecherin des Konzerns wollte zu möglichen finanziellen Zusagen nicht Stellung nehmen. Allerdings hatte die Allianz vor dem Insolvenzantrag bei Gesprächen mit einem Schweizer Interessenten Zugeständnisse angeboten. Letztendlich war jedoch keine Einigung zustande gekommen.

Möglich sind nun ein Gesamtverkauf oder eine Zerschlagung. Bereits am vergangenen Freitag hatten sich erste Interessenten gemeldet. „manroland“ gehörte bisher neben den deutschen Konkurrenten Heideldruck und Koenig&Bauer zur Weltspitze der Branche. Allerdings herrscht ein harter Preis- und Konkurrenzkampf auf einem Markt, der vor allem bei Zeitungsdruckmaschinen von Auflagenschwund und digitalem Wandel gebeutelt wird. An allen drei Standorten hatten Mitarbeiter zuletzt kurz gearbeitet.

Bilder von den Protesten der „manroland“-Mitarbeiter

Proteste der „manroland“-Mitarbeiter

Rubriklistenbild: © dpa

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