Hat „manroland“-Chef den Mut zum Rücktritt?

Offenbach (mcr) - Angst, Ärger, Enttäuschung: Das Gefühlsleben, in das die Insolvenz des Druckmaschinenherstellers „manroland“ auch dessen Offenbacher Belegschaft gestürzt hat, ist vielschichtig.

Und Wut auf die Vorstandsetage sollte, das legen einige detailreiche Feststellungen des Offenbacher SPD-Stadtverordneten und Arbeitsrechtlers Horst Thon den Betroffenen nahe, keinen zu kleinen Anteil daran einnehmen.

Thon fragt öffentlich: „Ist eine Wende zum Guten mit jetzigem Vorstand möglich?“ Und er liefert seine Sicht der Dinge gleich dazu: Der Vorstandsvorsitzende Finkbeiner solle „jetzt den Mut zum Rücktritt haben, um dadurch den Weg für einen Neuanfang frei zu machen. Eine letzte gute Tat wäre dabei, wenn er seine gesamte Führungsmannschaft mitnimmt.“

„Längst überfällige Bereinigung der Produktpalette“

Fest macht er seinen Ruf an diversen Unstimmigkeiten, die er der Chefetage des Unternehmens anlastet. Warum beispielsweise eine „längst überfällige Bereinigung der Produktpalette“ ausgeblieben sei, findet Thon interessant. Und auch eine berechtigte Frage sei, warum die Schweizer Vertriebsgesellschaft „mit einem Marktanteil von rund 50 Prozent im Bogenbereich geschlossen und dann von Wien aus betreut wurde, sodass sich schon fast erwartungsgemäß der Marktanteil nicht mehr nennenswert entwickelte“. Ebenso die Rätsel, warum sich „manroland“ einen „doppelten Verwaltungsapparat in Rolle und Bogen“ geleistet und erst spät eine Zusammenlegung forciert habe und warum trotz der Krise ein neues Verwaltungsgebäude am Stammsitz in Augsburg gebaut wurde, „obwohl sowohl in Offenbach als auch noch vor der Werksschließung in Mainhausen hinreichende Kapazitäten vorhanden waren“.

Alles zur Krise des Unternehmens "manroland" lesen Sie im Stadtgespräch

Thon prangert „vermutlich vielfältige Ursachen“ für die Insolvenz an und erinnert an einen Satz, den die Offenbacher Betriebsratsvorsitzende Alexandra Roßel bei einer Solidaritätsaktion im Kickers-Stadion gesagt hat: „Bei Erfolglosigkeit einer Fußballmannschaft geht im Zweifel der Trainer, bei Misserfolg des Unternehmens gehen wir, die Belegschaft.“

Es scheine „weder eine Kundenorientierung noch ein Vertriebskonzept“ zu existieren. Auch deshalb können das jetzige Insolvenzverfahren eine Chance für den Standort Offenbach sein.

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