„manroland“: Einbußen für Ruheständler

Offenbach (ku) - Auf die Arbeitnehmer des insolventen Druckmaschinenherstellers „manroland“, die sich in der Freistellungsphase der Altersteilzeit befinden, kommen ab Februar harte Einbußen zu. Sie müssen nun Arbeitslosengeld beantragen.

Das erläuterte unserer Zeitung die erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach, Marita Weber. Zum Hintergrund: Altersteilzeit werde bei „manroland“ - wie in fast allen Betrieben - als sogenanntes Blockmodell angeboten, sagte Weber weiter. Bei dieser Regelung werde die Arbeitszeit sowie Lohn oder Gehalt während der Teilzeit halbiert, die Arbeit wird aber in der ersten Hälfte dieser Zeit voll abgeleistet. Deshalb werde von der Arbeitsphase gesprochen. In der zweiten Hälfte müsse der Mitarbeiter keine Leistung mehr erbringen (Freistellungsphase). „Das Entgelt wird verstetigt über die Laufzeit der Altersteilzeit ausgezahlt“, erklärte Weber.

Für den Teil des Gehalts, der in der Freistellungsphase gezahlt werde (Wertguthaben), sei nach dem Altersteilzeitgesetz eine Sicherheit notwendig - Insolvenzsicherung genannt. Da das Entgelt für den Arbeitnehmer nicht ausreiche, werde zusätzlich ein Aufstockungsbetrag gezahlt, erläuterte Weber. Dieser werde so bemessen, dass der Angestellte mindestens 82 Prozent seines bisherigen Nettoentgelts erhalte. „Der sozialversicherungsfreie Aufstockungsbetrag ist nicht abzusichern. Hintergrund ist, dass nach dem gesetzlichen Modell nicht der Arbeitnehmer geschützt wird, sondern in erster Linie der Beitragsanspruch der Sozialversicherungsträger“, erklärte Weber. In einer Insolvenz falle die Auszahlung des Aufstockungsbetrags in der Freistellungsphase weg. „Es handelt sich nach Meinung des Bundesarbeitsgerichts nur um eine Insolvenzforderung“, sagte Weber.

Alles zur Krise des Unternehmens „manroland“ lesen Sie im Stadtgespräch

In der Praxis führt das zu folgender Situation: „Der Einkommensverlust, der durch das niedrigere Arbeitslosengeld entsteht, wird durch die Auszahlung des vom Arbeitnehmer in der Arbeitsphase erarbeiteten und gegen die Insolvenz gesicherten Wertguthabens gemildert. Allerdings werden die anfallenden Steuern und Sozialversicherungsbeiträge einbehalten und nur der Nettobetrag an den Arbeitnehmer ausgezahlt.“

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare