„manroland“ insolvent: 6500 Arbeitsplätze in Gefahr

Offenbach (dr/dpa) - Wie unsere Zeitung aus Unternehmerkreisen von „manroland“ erfuhr, hat der angeschlagene Druckmaschienenhersteller heute Vormittag kurz nach 10 Uhr Insolvenz beantragt. 6500 Arbeiter müssen nun um ihre Jobs fürchten.

„manroland“ ist insolvent. Damit müssen rund 6500 Beschäftigte des seit Jahren kriselnden Konzerns einen Monat vor Weihnachten um ihre Arbeitsplätze bangen. Die Kurzarbeit ist ausgesetzt. Derzeit sucht das Unternehmen einen Insolvenzverwalter.

Der Aufsichtsrat des Unternehmens hatte gestern in einer Sondersitzung über die Lage beraten. „manroland“ mit Sitz in Offenbach hat unter anderem Standorte im Augsburg und im sächsischen Plauen. Die Mitarbeiter sollen bereits für den November keine Löhne und Gehälter mehr ausgezahlt bekommen. Das berichtete die Betriebsrätin des Werkes Offenbach, Alexandra Roßel, nach der Betriebsversammlung.

Proteste der Belegschaft in Offenbach

„manroland“-Mitarbeiter.

Aus Protest gegen die Insolvenz und die Lohnverweigerung ist die Belegschaft in Offenbach vor das Werkstor gezogen. Einige hundert Mitarbeiter blockierten heute Mittag die wichtige Durchgangsstraße. Etliche Beschäftigte seien aber nach der Krisen-Betriebsversammlung bedrückt nach Hause gegangen, berichteten Augenzeugen. Die IG Metall hat ebenfalls Proteste angekündigt.

Die Industriegewerkschaft hat den Anteilseignern mangelnde finanzielle Hilfe vorgeworfen. Die Alteigentümer MAN und Allianz seien nicht zu weiterer Unterstützung bereit gewesen, nachdem sich ein möglicher Investor überraschend zurückgezogen hatte, erklärte der stellvertretende „manroland“-Aufsichtsratvorsitzende Jürgen Kerner heute in Frankfurt. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat seien bestürzt über die Entscheidung. „Ein Unternehmen mit über 160-jähriger Geschichte und tausenden hochqualifizierten Beschäftigten kann man nicht einfach abschreiben“, sagte auch Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler.

„manroland“ das Herzstück des deutschen Maschinenbaus

Unternehmen, Staatsregierung und Gewerkschaften müssten nun an einen Tisch. Der jüngst in den IG-Metall-Vorstand aufgerückte Kerner verlangte mehr Einsatz und finanzielle Unterstützung, um möglichst viele der mehr als 6500 Arbeitsplätze zu retten.

Manroland sei das Herzstück des deutschen Maschinenbaus mit hochqualifizierten Beschäftigten. Die Altgesellschafter stünden weiterhin in der Verantwortung für die Mitarbeiter und ihre Familien. „Die Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze muss auch der zentrale Auftrag eines Insolvenzverwalters sein.“

„manroland“ will das Insolvenzverfahren nun für einen grundlegenden Umbau nutzen und möglichst viele Einheiten sanieren. „Bei aller Enttäuschung über den einzuschlagenden Weg bietet das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hinreichend Chancen, weil das Unternehmen überzeugende Produkte, das nötige Know-how und eine exzellente Mannschaft hat“, teilte der Konzern in Augsburg mit und bestätigte damit selbst die Pleite des traditionsreichen Unternehmens.

Bilder der „manroland“-Proteste in Offenbach

Proteste der „manroland“-Mitarbeiter

Ein Grund für die Pleite sei das Scheitern von Gesprächen mit einem möglichen Investor gewesen. „Auslöser für den Insolvenzantrag ist der erneute dramatische Einbruch im Auftragseingang, der seit Mitte Juli zu beobachten ist und sich zuletzt beschleunigt hat“, heißt es in der Mitteilung. Zudem klagten viele Kunden infolge der Finanzkrise über Schwierigkeiten, Aufträge finanzieren zu können. „Gleichzeitig hat der Wettbewerbsdruck angesichts sinkender Aufträge zu einer weiteren Verschärfung des Preisdrucks und damit zu sinkenden Deckungsbeiträgen geführt.“

Eigentümer des Konzerns sind die Investorentochter Allianz Capital Partners (ACP) und die Münchner Volkswagen-Tochter MAN, die seit längerem auf der Suche nach Investoren oder Fusionspartnern waren. Unklar ist noch, wie es nach der Insolvenz weiter gehen soll und ob der Verkauf von Teilen des Unternehmens in Betracht kommt.

Seit Jahren schrumpfende Geschäfte

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Gerüchte über eine Insolvenz hatte es zuletzt mehrfach gegeben. „manroland“ leidet seit Jahren unter schrumpfenden Geschäften mit Druckmaschinen und schreibt seit 2009 auch operativ Verluste. ACP hält 75 Prozent der Anteile und 65 Prozent der Stimmrechte. Ein Viertel der Anteile und 35 Prozent der Stimmrechte liegen beim Lastwagen- und Dieselmotorenhersteller MAN. Das Unternehmen hatte die Mehrheit an der damaligen MAN Roland 2006 an ACP verkauft. Hoffnungen auf einen baldigen Börsengang oder einen schnellen Verkauf musste der Finanzinvestor aber bald begraben. Seit dem Einstieg hat sich der Umsatz halbiert.

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