Zuerst Anteilseigner gefordert

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Stadtoberhaupt Horst Schneider: „Mit der Bogenproduktion aus Offenbach kann man auf dem Markt noch einiges bewegen.“

Offenbach - Gibt es einen Königsweg zur Rettung der Arbeitsplätze von 1900 „Roländern“ in Offenbach? Nachdem die Geschäftsleitung des Druckmaschinenherstellers „manroland“ die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt hat, wird auch in Offenbach heftig diskutiert: Wie kann das Werk an der Mühlheimer Straße saniert werden?

Unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey sprach mit dem Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD).

1900 Jobs sind in Offenbach bei „manroland“ in Gefahr. Von der Stadtspitze war zunächst wenig zu hören. Stehen Sie auch unter Schock - wie viele Betroffene?

Ich komme gerade von einem Gespräch mit Arndt Geiwitz, dem Kanzlei-Partner von Insolvenzverwalter Werner Schneider. Er ist für das Werk Offenbach zuständig. Wir wissen seit Jahren von den Problemen am Standort Offenbach, wir waren auch über die Verhandlungen mit einem anderen Investor informiert. Mein Standpunkt ist: Die Insolvenz ist - auch wenn es sich merkwürdig anhört - derzeit die bessere Variante. Ich bin sicher: Mit der Bogenproduktion aus Offenbach kann man auf dem internationalen Markt noch einiges bewegen.

Wie geht es denn jetzt weiter, wer muss tätig werden?

Ich werde beim Krisengespräch mit Wirtschaftsminister Dieter Posch in Wiesbaden dabei sein. Wir müssen dann gucken, wie wir politisch mit der bayrischen Landesregierung und Augsburg auf „Augenhöhe“ kommen. Meine Aufgabe als Oberbürgermeister ist es, dafür zu sorgen, dass die Offenbacher „Roländer“ nicht die letzten sind, die die Hunde beißen.

Was heißt das genau?

Zuerst sind doch die Anteilseigner gefordert. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass auch Volkswagen via MAN mit 30 Prozent im Boot sitzt; die haben ja eine sehr gut gefüllt „Kriegskasse“. Auch die Landesregierung muss handeln. Insolvenzverwalter und Gläubiger entscheiden nun, was zu tun ist.

Die Gewerkschaft IG Metall hat „temporäre Beteiligungsmöglichkeiten, Landesbürgschaften und die Unterstützung für eine Transfergesellschaft“ ins Gespräch gebracht. Welchen „hessischen Weg“ bevorzugen Sie?

Dafür ist es zu früh. Für drei Monate bekommen die Mitarbeiter nun Insolvenzgeld. Wir müssen diese Phase nutzen und einen Investor für das Offenbacher Werk mit den hochqualifizierten Mitarbeitern finden. Ich habe den Eindruck, dass bislang nicht mit der nötigen Energie nach einem Investor für den Bereich Bogendruck gesucht worden ist. Und dann gibt es noch von den Gewerkschaften den Vorwurf, die Unternehmensleitung habe die Produktpalette nicht ausreichend an den Markt angepasst. Für weitere Anstrengungen ist es nie zu spät. Dabei muss auch über die industriepolitischen Dilemmata - über Wettbewerbsverzerrungen gesprochen werden. Ich erinnere noch einmal daran, dass Baden-Württemberg dem direkten Konkurrenten, der Heidelberger Druckmaschinen AG, 2009 mit Landesbürgschaften in Höhe von 229 Millionen Euro das wirtschaftliche Überleben gesichert hat.

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