„Vertrauen wichtiger als Kredite“

Offenbach (ku/al) - Etwa vier Wochen nach dem Kauf des Bogenbereichs vom insolventen Druckmaschinenhersteller „manroland“ hat sich der britische Unternehmer Tony Langley zufrieden mit seiner Investition gezeigt.

Die Firma habe eine starke Position im Markt, sagte Langley gestern in Offenbach. Für das Unternehmen habe eine neue Ära begonnen. „Wir wollen den Wandel und weg vom institutionalisierten Management. Als flexibler Mittelständler will Manroland Sheetfed in Zukunft seinen Platz in der Druckmaschinenindustrie finden.“

Bei dem Offenbacher Unternehmen seien keine weiteren Restrukturierungen und kein erneuter Arbeitsplatzabbau geplant. Im Zuge der Insolvenz waren fast 950 Arbeitsplätze in Offenbach weggefallen. Zurzeit werden hier noch mehr als 820 Menschen beschäftigt. Das Augsburger Werk ist von der Lübecker Possehl-Gruppe übernommen worden.

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Bereits in diesem Jahr solle Manroland Sheetfed schwarze Zahlen schreiben, bekräftigte Langley. Der Brite betonte, dass er sein Engagement als langfristige Investition betrachte. Er sei kein Venture-Capital-Unternehmer. Langley bezeichnete sich als industriellen Investor. Eine Produktion in Billiglohnländern komme für ihn nicht in Frage: „Die Kompetenzen sind in Deutschland, und auf dieses Fachwissen setze ich weiter.“

Langley machte den verbliebenen Offenbacher Mitarbeitern Mut: „Nur zusammen können wir Erfolg haben.“ Dabei sei es wichtig, auf dem Markt Vertrauen zu schaffen. „Dies ist wichtiger als Kredite“, sagte Langley.

Wandel zum flexiblen Mittelständler

Er äußerte sich ebenso wie Geschäftsführer Rafael Penuela nicht zu den Auftragseingängen bei Manroland Sheetfed. Langley sprach lediglich von einigen Projekten. Aufträge würden „global aus aller Herren Länder“ eingehen, erklärte Penuela. Er zeigte sich „im Rahmen unserer Erwartungen zufrieden“. Der Geschäftsführer sprach von bescheidenen Umsatzzielen, weil der weltweite Markt für Bogendruckmaschinen in diesem und nächsten Jahr stagniere.

Über Umstrukturierungen in den Werkshallen berichtete Alfred Rothländer, ebenfalls Geschäftsführer bei Manroland Sheetfed. Er erinnerte daran, dass hunderte Mitarbeiter das Unternehmen verlassen haben. „Hinter jedem einzelnen steht ein Schicksal, das wissen wir sehr wohl.“ Die im Unternehmen verbliebenen Mitarbeiter müssten jetzt als „Funktionseinheiten“ effektiver arbeiten. „Ich bin jeden Tag in den Hallen “, berichtete Rothländer.

Bei der Druckmaschinenmesse Drupa im Mai in Düsseldorf plant Manroland Sheetfed nach Angaben von Langley einen Gemeinschaftsstand mit Manroland Web Systems der Lübecker Possehl-Gruppe. Langley: „Wir werden unser technologisches Know-how adäquat präsentieren, nur wird unser Auftritt wesentlich schlanker sein als früher.“

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