Kampf um Jobs der Roländer hat begonnen

Offenbach/Augsburg (re/dpa/dapd) ‐ Das Ringen um die Arbeitsplätze beim insolventen Druckmaschinenhersteller „manroland“ ist in vollem Gange. Eine erste Krisensitzung in Augsburg hat Mut gemacht - vorerst läuft der Betrieb, es fließt Insolvenzgeld. In Offenbach ist die Politik derweil uneins.

Reinhold Demel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Augsburg, sicherte den Beschäftigten für die nächsten Wochen sichere Gehälter zu. Auch Christiane de Santana von der IG Metall Augsburg, lobte das erste Treffen, an dem auch der stellvertretende „manroland“-Aufsichtsratschef Jürgen Kerner und der Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) teilnahmen. Heute kommt zudem Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) in die Fuggerstadt.

Auch in Sachsen sollen heute hochrangige Gespräche zur Rettung möglichst vieler Jobs beginnen. Hilfe hat bereits Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) angeboten.

In Offenbach sind vergleichbare Gespräche noch nicht in Sicht. Die SPD in der Stadt sieht auch das Land Hessen in der Pflicht. Fraktionschef Andreas Schneider verwies auf Vorbilder: „Baden-Württemberg hat dem direkten Konkurrenten, der Heidelberger Druckmaschinen AG, 2009 mit Landesbürgschaften in Höhe von 229 Millionen Euro das wirtschaftliche Überleben gesichert.“ Und: „Auch wenn es jetzt vielleicht schon 5 nach 12 ist“, müsse Hessen alles für den Erhalt der Jobs in Offenbach tun.

Schlechte Zahlen haben Investor abgeschreckt

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Der CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Freier reagierte zurückhaltend: „Der SPD fällt nichts anderes ein, als nach dem Land zu rufen.“ Voraussetzung dafür sei jedoch ein Konzept, also müsse man das Insolvenzverfahren abwarten. Freier forderte ein Programm der Stadt Offenbach, vor allem für die Azubis, etwa eine Jobbörse in Zusammenarbeit mit IHK und Handwerkerschaft. Auch auf die Vermittlung der hochqualifizierten Facharbeiter müsse man vorbereitet sein. „Das sind doch gesuchte Leute“, so Freier. Die Stadt könne entgegen der Aussage von Kämmerer Martin Beseler (SPD) „sehr wohl was tun“.

Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) kehrte erst am Wochenende von einer Reise zur Wirtschaftsförderung aus Indien zurück.

Unterdessen meldete sich gestern das Schweizer Beteiligungsunternehmen Capvis zu Wort, das sich nach eigener Darstellung an „manroland“ beteiligen und beide Firmenbereiche weiterführen wollte. Hohe Restrukturierungskosten bei zugleich schlechten Ergebnissen - diese Kombination habe jedoch vom Einstieg abgehalten. Man habe seit September über eine Beteiligung verhandelt.

Die Pleite von „manroland“ ist die größte Insolvenz in Deutschland seit zwei Jahren. Die Eigentümer Allianz und MAN entließen den Druckmaschinenhersteller und seine insgesamt 6500 Beschäftigten - darunter 1900 in Offenbach - einen Monat vor Weihnachten in die Ungewissheit.

Bilder der Proteste der „manroland“-Mitarbeiter

Proteste der „manroland“-Mitarbeiter

Rubriklistenbild: © Georg (b)

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