„manroland“

Kommentar: Ungute Gefühle

Ja, wir bewegen uns auf dünnem Eis, wenn wir Ulrich Rippert von „World Socialist Web Site“ zitieren, der in der Zerschlagung von „manroland“ ein abgekartetes Spiel sieht. Aber für diese Einschätzung gibt es auch gute Gründe. Von Frank Pröse

Im Visier steht die IG Metall, die während des Insolvenzverfahrens die Interessen der Belegschaft verraten haben soll. Rippert greift ein heißes Thema auf, das sich auch hier und da in den Reaktionen auf unsere Berichterstattung findet. Nun geht manchem in solch hektischen Zeiten schon mal der Gaul durch. Und andere, die sich um die nackte Existenz sorgen, nehmen´s mit den Fakten nicht so genau. Doch ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Arbeitnehmervertreter mit ihrer Zustimmung zur Zerschlagung des renommierten Druckmaschinenherstellers durch den Lübecker Mischkonzern Possehl nicht nur die Belegschaft irritieren. Hatte die IG Metall nicht zuvor eben vor einer Zerschlagung und damit einem massiven Stellenabbau durch den US-Finanzinvestor Platinum Equity gewarnt, der immerhin alle drei Standorte übernehmen wollte? Und dann nickt sie „geschockt“ ein Konzept ab, das fast jeden zweiten Roländer den Job kostet.

Lesen Sie alles zum Thema „manroland“ in unserem Stadtgespräch

Und selbstverständlich lässt sich ein abgekartetes Spiel vermuten, wenn man berücksichtigt, dass Possehl-Chef Lüder, IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner und schließlich auch Insolvenzverwalter Werner Schneider ihr Vorgehen beim insolventen Augsburger Unternehmen Böwe Systec ausprobieren konnten. Und von Ulrich Rippert wissen wir: Auch damals warnte die IG Metall vor einem bösen Finanzinvestor. Der hatte allerdings keine US-amerikanischen, sondern Schweizer Wurzeln und musste letztlich Possehl den Vortritt lassen.

Bei „manroland“ sagte der Zwickauer IG-Metall-Bevollmächtigte übrigens bereits am Dienstag, dass der US-Investor nicht zum Zuge kommen werde - zu einem Zeitpunkt, an dem der Insolvenzverwalter noch von mehreren ernsthaften Interessenten schwadronierte. Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, hier einem US-Investor nachträglich den Boden zu bereiten. Aber der Ablauf des Verfahrens, die Parallelen zur Augsburger Böwe-Systec-Pleite und schließlich die von IG Metall und Betriebsrat abgesagten Großdemonstrationen aller „manroland“-Mitarbeiter fügen sich zu einer Gemengelage, die auch Außenstehenden das ungute Gefühl vermittelt, dass Arbeitnehmervertreter, Insolvenzverwalter und Vertreter von Possehl unter einer Decke stecken. Selbst gestern wurde vom Betriebsrat eine in Offenbach angemeldete Demonstration mit dem Hinweis abgemeiert, es handele sich um eine kleine Splittergruppe, die nicht abgestimmt protestiere und den laufenden Prozess gefährde. Als ob eine Splittergruppe das Rad noch aufhalten könnte...

Montag ist schließlich der Tag der Wahrheit

Na, hoffentlich hat der für Montag avisierte Protest den Segen des Betriebsrats. Schließlich ist´s der Tag der Wahrheit, erfährt die Belegschaft, wer ab 1. Februar noch zu „manroland“ gehört und wer seinen Job verliert. Da darf man doch sicher mal auf die Straße gehen und seinem Ärger Luft machen. Nur keine Angst! Das weitere Verfahren wird schon nicht gefährdet. Da flackert vielleicht letztmals ein Lebenszeichen der Roländer auf, von denen sich viele über soziale Netzwerke im Internet schon mal vorsorglich voneinander verabschiedet haben.

Rubriklistenbild: © op-online.de

Kommentare