Roländer können wieder hoffen

Offenbach/Neu-Ulm - Neue Hoffnung für die etwa 6500 Mitarbeiter des zahlungsunfähigen Druckmaschinenherstellers „manroland“: Die Aussichten, Investoren zu finden, hätten sich verbessert, erklärte der vorläufige Insolvenverwalter Werner Schneider gestern in Neu-Ulm. Von Marc Kuhn

Der Wirtschaftsprüfer von der Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner hat in den vergangenen Tagen zahlreiche Gespräche mit Interessenten geführt. „Es liegen inzwischen ernsthafte Interessensbekundungen für alle drei Produktionsstandorte in Augsburg, Offenbach und Plauen vor“, berichtete Schneider weiter.

Es werde angestrebt bis zum Ende des vorläufigen Insolvenzverfahrens Ende Januar einen Verkauf wesentlicher Teile des Unternehmens zu erreichen, um auf diese Weise eine Fortführung des Geschäftsbetriebes und einen Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze zu sichern. Angesichts des Interesses von möglichen Käufern sei dieses Ziel auch weiterhin realistisch. „Unterschrieben ist aber noch nichts“, erklärte Schneider.

„Hoffentlich in die richtige Richtung“

„Es ist positiv, dass sich etwa bewegt, hoffentlich in die richtige Richtung“, sagte die erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach, Marita Weber, unserer Zeitung. Sie hofft, dass es sich um ernsthafte Investoren handelt, die nicht nur Interesse an den Produkten, sondern auch an den Standorten haben.

Die Vorsitzende des Betriebsrats von „manroland“ in Offenbach, Alexandra Roßel, erklärte: „Wir wissen, es sind sehr viele im Gespräch mit ernsthaftem Interesse.“ Roßel fügte hinzu: „Wir hoffen, das es ein Investor ist, der langfristig mit uns plant.“ Eine Zerschlagung von „manroland“ und ein separater Verkauf des hiesigen Werks bietet nach ihrer Einschätzung größere Perspektiven für den Standort Offenbach. Mit einer neuen Führung sei die Firma besser aufgestellt. Roßel berichtete über einen Auftragseingang aus Asien. „Jeder Euro, der eingeht, hilft uns.“

Produktion an den deutschen Standorten ohne Einschränkungen

Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters läuft die Produktion an den deutschen Standorten ohne Einschränkungen weiter. Zwei große Maschinen im Rollendruck-Bereich vom Typ Lithoman seien vor kurzem in Betrieb genommen worden, eine weitere werde in diesen Tagen ausgeliefert. „In der Produktion der Bogen-Druckanlagen werden bis Ende Januar 29 Maschinen ausgeliefert.“ Aufgrund des Auftragsbestands sei die Produktion über den 31. Januar hinaus sichergestellt, hieß es.

Alles zur Krise des Unternehmens „manroland“ finden Sie im Stadtgespräch

Mit Verhandlungen der Insolvenzverwalter und des Managements von „manroland“ sei bisher eine Stornierung von Aufträgen verhindert worden, erklärte die Kanzlei von Schneider. „Alle Verpflichtungen werden aktuell eingehalten und das operative Geschäft läuft dank der Zwischenfinanzierung reibungslos.“ Auch das Servicegeschäft sei ohne Beeinträchtigung.

„manroland“ hatte Ende November Insolvenz angemeldet. Die Eigentümer Allianz und MAN hatten dem verlustreichen Unternehmen den Geldhahn zugedreht.

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