Prozesse steuern und überwachen

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Christoph Hermann (rechts) und Lars Bannenberg haben bei „manroland“ den Beruf des Medientechnologen gelernt.

Offenbach - Kirschrot glänzen die perfekt geschminkten Lippen des Models auf dem Druckbogen, der frisch aus der Maschine gleitet. Das Kosmetikmagazin in Hochglanzoptik demonstriert, wie optimaler Druck aussehen sollte. Von Katharina Skalli

Die Roland 700 läuft gleichmäßig und erfüllt das Print Technology Center mit einem feinen Geruch nach Farbe. Hier präsentiert die Traditionsfirma „manroland“ ihren Kunden alles, was ihre Druckmaschinen zu bieten haben. Außerdem ist das Zentrum Schulungsort für Mitarbeiter. Auch Lars Bannenberg und Christoph Hermann haben hier gelernt. Seit Juni sind sie fertig ausgebildete Medientechnologen Druck.

In Offenbach produziert „manroland“ Bogendruckmaschinen. Der Betrieb kümmert sich jedoch nicht nur um die Entwicklung und Montage, sondern auch um die Ausbildung der Mitarbeiter und Kunden sowie die Wartung und Qualitätssicherung der riesigen Druckmaschinen. Während viele Druckereien sich auf einen Schwerpunkt konzentrieren, produziert die Roland 700 alles, was sich der Kunde wünscht: Edle Verpackungen für Parfumflakons, Magazine, Zeitungen, Aufkleber oder Werbeflyer. Damit alles wie geplant läuft und sich die Maschinen von ihrer besten Seite zeigen, stehen Lars Bannenberg und Christoph Hermann an ihrer Seite. Als Medientechnologen sorgen sie für die richtigen Einstellungen, steuern und überwachen den Druckprozess, füllen die Maschine mit Papier und Farbe und sorgen für optimale Qualität.

Eine vielseitige Tätigkeit, die die beiden Jungtechnologen mit viel Leidenschaft ausführen. „Ich wollte keinen Job, bei dem man täglich alleine im Büro sitzt“, sagt Lars Bannenberg. Der 21-Jährige absolvierte ein Praktikum als Mediengestalter bei „manroland“. Als ihn ein Kollege einmal mit an die Maschine nahm, wurde ihm schnell klar, dass dies genau der Beruf war, den er ausüben wollte. Für Christoph Hermann stand die Berufswahl bereits früher fest. Sein Vater ist gelernter Drucker. Ebenso sein Onkel. Für seinen Traumjob zog er knapp 700 Kilometer von Rostock nach Offenbach.

Begriff „Drucker" nicht mehr zeitgemäß

So bekannt wie Kfz-Mechaniker ist der Job von Hermann und Bannenberg nicht. Viele Jugendliche können sich unter der Berufsbezeichnung nur wenig vorstellen. „Wir machen uns auch mal die Hände schmutzig“, erklärt der 22-Jährige Christoph und lächelt. Zum Schutz tragen er und seine Kollegen Sicherheitsschuhe, dunkle Arbeitshosen und schwarze Poloshirts mit dem „manroland“-Emblem. Das Outfit sorgt auch für einen einheitlichen Look, der die Teambildung unterstützen soll. „Teamfähigkeit ist bei uns sehr wichtig“, sagt Volker Trageser, Ausbildungsleiter Druck. Denn an der Maschine steht man immer zu zweit. Während der eine im Leitstand die Maschine bedient, kümmert sich der Kollege um die Logistik, füllt Farbe und Papier nach und greift ein, wenn etwas nicht läuft wie geplant.

Bis vor einem Jahr lautete die offizielle Berufsbezeichnung des Medientechnologen noch Drucker. Doch der Begriff erschien nicht mehr zeitgemäß. „Das Berufsbild hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt“, erklärt Experte Trageser. Mittlerweile sei alles stark automatisiert worden. Vor allem Kompetenzen in den Bereichen Mechanik, Elektrik, Elektronik, Pneumatik, Elektropneumatik und Hydraulik sind nun gefragt, damit die Medientechnologen die maschinentechnischen Abläufe und die Druckprozesssteuerungen einwandfrei beherrschen. Im Laufe der Zeit entwickeln sie ein gutes Farbempfinden und lernen die Kriterien für eine gute Qualität kennen. Im Anschluss an die dreijährige Ausbildung ist eine Weiterbildung zum Druckinstruktor möglich. Danach sind Christoph Hermann und Lars Bannenberg bereit für den Einsatz in der ganzen Welt. Da etwa 80 Prozent der Kunden von „manroland“ im Ausland sitzen, sind Reisen nicht unüblich. Denn auch in Südamerika oder Asien gilt es, das Personal passend zur Druckmaschine auszubilden.

Den Erzeugnissen, die die Roland 700 in den vielen Druckereien auf der ganzen Welt produzieren, begegnet man überall. Mit simplem Druck hat der Vorgang jedoch nur noch wenig gemeinsam. „Mittlerweile ist Drucken ein sehr komplexes Thema“, sagt Stephan Engel und hält ein bedrucktes Blatt Papier in die Kamera eines Computers. Ein spezielles Programm liest die Daten eines Codes, der für Laien nichts weiter ist als eine schwarz-weiße Fläche. Auf dem Monitor erscheint ein animiertes Bild. Der Hauptabteilungsleiter weiß: „Heute können Druckmaschinen mehr als nur Papier bedrucken.“ Sie lesen Fehler, analysieren das Ergebnis und das alles in Rekordzeit. 18 000 Bogen druckt die Roland 700 pro Stunde. Stephan Engel ist sich sicher: „Druck wird bleiben. Auch in Zukunft.“ Dass die Ergebnisse auch noch gut aussehen, dafür sorgen Lars Bannenberg, Christoph Hermann und ihre Kollegen.

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