Kommentar: Sprach- und Ratlosigkeit

Der Druckmaschinenhersteller „manroland“ hat offenbar keine Zukunft mehr. Nach jahrelangem Überlebenskampf scheinen die Offenbacher nun die Waffen strecken zu müssen. Der Markt gibt nicht mehr genügend her. Den Rest besorgt die Finanzkrise. Von Frank Pröse

Und jetzt? Sprachlosigkeit allerorten. Nicht mal die Arbeitnehmervertreter geben Laut. Wie´s weitergeht? Ratlosigkeit! Die Existenz des Maschinenbauers mit dem großen Namen wurde schon oft in Frage gestellt. Viel zu oft schon konnte an dieser Stelle lediglich die Hoffnung auf Besserung artikuliert werden - quasi als Balsam für die Seelen vieler tausend Betroffener, die seit Jahren in Angst leben vor Entlassungen oder den Folgen ausgedehnter Kurzarbeit.

Eine wirkliche Hilfe bei dieser Art karitativ wirkender Öffentlichkeitsarbeit war das Management nie. Die Folgen waren Misstrauen und Motivationsverlust, zumal eine Vertrauen erweckende mittelfristige Perspektive nicht aufgezeigt wurde. In der Chefetage wurde mehr reagiert als agiert. Eine Sparmaßnahme löste die andere ab und oft waren die Sanierungsbeiträge der Belegschaft nicht ausreichend an Sicherheiten geknüpft. Eine solche Unternehmenspolitik über Jahre zehrt ein Unternehmen aus. Nun scheint der Punkt erreicht zu sein, bei dem jeder Euro, der in dieses Unternehmen gesteckt wird, verloren ist. So sehen es jedenfalls Eigner - und abgesprungene Investoren. Die Antwort auf diese Sicht der Dinge werden die Arbeitnehmer heute vor der Allianz in Frankfurt formulieren.

Einst hieß es: Wenn MAN Roland niest, kriegt Offenbach die Grippe. Das war zu Zeiten, als sich die Stadt wegen dieser Abhängigkeit vom damals mit knapp 5 000 Beschäftigten größten industriellen Arbeitgeber sogar erpressen ließ: Mit Expansionsgelüsten gen Süden wurde die Verwaltung gedrängt, ein riesiges Gelände jenseits der Bahn fürs „Südwerk“ bereitzustellen. Mehr als ein Parkplatz ist auf dieser Seite der Gleise selbst nach mehr als 20 Jahren nicht entstanden.

Und jetzt? „manroland“ kann die Stadt nicht mehr erpressen, wird aber wegen der steigenden Arbeitslosigkeit auf andere Art unangenehm auf sich aufmerksam machen. Insofern wird sich Offenbach an „Roland“ anstecken - das selbst, wenn sich wider Erwarten auf den letzten Drücker doch noch ein Käufer finden sollte.

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