Pleite trifft Firmen in Region

Rodgau/Offenbach/Mühlheim - Die Insolvenz von „manroland“ hat bereits die Firma Gefinal Systema in Mainhausen in die Pleite getrieben. Nun fürchten auch andere Zulieferer des Druckmaschinenbauers in der Region um ihre Existenz. Von Marc Kuhn

„Die haben uns richtig hängen lassen“, sagt der Geschäftsführer des Rodgauer Unternehmens IAV GmbH, Otto Hödl, unserer Zeitung. Sein Betrieb stellt Komponenten her, die an die Maschinen angebaut werden. Die Lieferungen der vergangenen sechs Wochen seien nicht bezahlt worden. Auf etwa 360.000 Euro belaufe sich der Verlust. Für noch mehr Geld liegen Vorprodukte bei der IAV GmbH auf Lager, mit denen Teile für „manroland“ hergestellt werden sollten. Unter dem Strich drohen Einbußen in Höhe von fast 800.000 Euro, wie Hödl berichtet. „Das ist für uns tödlich“, sagt er weiter. Der Geschäftsführer hat schon drei seiner neun Mitarbeiter entlassen müssen, die übrigen arbeiten kurz.

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Hart hat es auch die Offenbacher Firma GMF getroffen, die Verbindungsteile wie Schrauben, Bolzen und Achsen für „manroland“ produziert hat. Drei von fünf Mitarbeitern seien schon entlassen worden, erklärt Geschäftsführer Thomas Mohr. „Stramme 60 Prozent des Umsatzes“ seien bisher mit „manroland“ erwirtschaftet worden. Der Verlust belaufe sich auf rund 40.000 Euro, noch mal so hoch seien die Einbußen durch Lagerbestände. Mohr ist längst auf die Suche nach anderen Kunden gegangen und hat auch schon welche gefunden. „Ich werde meine Zukunft ohne ,manroland’ aufbauen.“

Verluste bei Unternehmen

Die Abhängigkeit von „manroland“ hat die Schimmel GmbH aus Offenbach gering gehalten. Der Umsatzanteil liege unter zehn Prozent, berichtet Geschäftsführer Klaus Rössner. Dennoch muss das Großhandelsunternehmen, das beispielsweise Schläuche und Spritzgussteile an den Druckmaschinen-Hersteller verkauft hat, einen Verlust in Höhe von 100.000 Euro verkraften. Die etwa 30 Jobs bei Schimmel sind aber sicher. „Es braucht keiner um seinen Arbeitsplatz zu fürchten“, sagt Rössner.

Verluste in Höhe von fast 20.000 Euro hat die Insolvenz von „manroland“ dem Mühlheimer Unternehmen IKL beschert, wie der Geschäftsführer des Großhändlers, Roland Linnemann, erläutert. „Wir leben von der Hoffnung, dass es in Offenbach weitergeht.“

IAV-Chef Hödl ist sauer auf die Manager von „manroland“: „Die haben immer von Partnerschaft gesprochen.“ Das Wort sei „schändlich missbraucht“ worden. Da der Betrieb bei dem insolventen Druckmaschinenbauer mit den vor einigen Tagen vermittelten Finanzmitteln weiterläuft, die Zulieferer aber zunächst nicht bezahlt worden sind, klagt Hödl: „Die bauen Maschinen mit meinem Geld, verkaufen die Maschinen, und ich komme an nichts ran.“ Verärgert zeigt sich der Unternehmer auch über die Rechtslage in Deutschland. „Das Insolvenzrecht ist für die Zulieferer der Todesstoß.“

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