„Verkauft und verraten“

Offenbach (nb/dpa) - Mehr als hundert Beschäftigte des „manroland“-Werks haben heute Morgen gegen die geplanten Kündigungen protestiert. Den Entlassenen droht außerdem bereits nach sechs Monaten die Arbeitslosigkeit, denn die Transfergesellschaft soll nur für ein halbes Jahr eingerichtet werden.

Morgen ist der Tag der Wahrheit: Etwa die Hälfte der „manroland“-Beschäftigten wird ihren Job verlieren, morgen erfahren die Betroffenen von ihrem Schicksal. Mehr als hundert „manroland“-Mitarbeiter haben sich bereits heute am frühen Morgen zu einer Demonstration versammelt und lautstark ihren Unmut bekundet.

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Die Frauen und Männer zogen vom Hauptwerk in der Mühlheimer Straße zum Verwaltungsgebäude. Der Frust war ihnen anzusehen und zu hören. Gewerkschaften, Teile des Betriebsrats und nicht zuletzt die Allianz hätten sie „verkauft und verraten“, so die  Meinung der Beschäftigten. Die von der Allianz bereitgestellten 24 Millionen Euro Übergangsgeld seien „Peanuts“ und die IG Metall habe sich kaufen lassen.

Bilder von der Protestaktion am Morgen

Roländer noch einmal auf der Straße

Rainer Herth, Mitglied des Betriebsrates, beschreibt das weitere Vorgehen: „Nach einer Betriebsversammlung werden die Betroffenen von ihren Vorgesetzten informiert.“ Inzwischen ist der traurige Termin jedoch auf den morgigen Dienstag verschoben worden: Da noch nicht alle Papiere fertig sind, werden die Mitarbeiter erst morgen über ihre Entlassung informiert.

Den Entlassenen droht außerdem ein schnelleres Abrutschen in die Arbeitslosigkeit, denn die Transfergesellschaften an den Standorten Augsburg, Offenbach und Plauen sollen für eine Dauer von sechs Monaten eingerichtet werden, so ein Sprecher des Insolvenzverwalters Werner Schneider. Nach dem Sozialgesetzbuch wären maximal zwölf Monate Dauer möglich, erklärte die hessische Regionaldirektion der Arbeitsagentur auf Anfrage. Es sei aber Verhandlungssache zwischen Arbeitnehmern und Insolvenzverwaltung, wie lange die Gesellschaften agieren sollen. Entscheidend sei die verfügbare Masse.

In einer Beschäftigungsgesellschaft erhalten die Mitarbeiter das sogenannte Transfer-Kurzarbeitergeld, das aus Versicherungsbeiträgen der Arbeitsagentur stammt. In der Höhe entspricht es mit 60 Prozent vom Netto (67 Prozent mit Kind) dem Arbeitslosengeld I. Die Transferzeit gilt nicht als Arbeitslosigkeit. Die Transfergesellschaften sollen die Leute qualifizieren und in andere Jobs vermitteln.

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