Rund 1000 Roländer in Offenbach sind ihren Job los

Augsburg/Offenbach - Kahlschlag am Standort Offenbach des insolventen Druckmaschinenherstellers „manroland": Rund 1000 Menschen verlieren ihren Job. Etwa 750 Arbeitsplätze sollen nach dem Beschluss des Gläubigerbeirats von gestern erhalten werden. Von Marc Kuhn

Zurzeit sind in Offenbach nach neusten Unternehmensangaben noch mehr als 1760 Mitarbeiter beschäftigt. Das Gremium sei zu einem einstimmigen Beschluss gekommen, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider. Danach wird eine Zerschlagung der Firma in drei eigenständige Teilbereiche favorisiert. Die endgültige Entscheidung wird von der Gläubigerversammlung getroffen. Die Arbeitsagentur in Offenbach hat den rund 1000 von der Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeitern bei „manroland“ bereits schnelle Hilfe zugesagt.

Nach dem Konzept wird der Standort Augsburg mit dem Rollendruckbereich an die Lübecker Possehl-Gruppe verkauft. Dort sollen etwa 1500 der fast 2200 Arbeitsplätze erhalten werden. Über den Kaufpreis ist Stillschweigen vereinbart worden. Das Familienunternehmen werde zudem langfristige Lieferbeziehungen mit dem „manroland"-Werk in Plauen eingehen, teilte der Insolvenzverwalter mit. Eine spätere Beteiligung am Werk in Plauen wird in Aussicht gestellt. Dieses werde in eine neue Gesellschaft ausgelagert. In Plauen sollen nach den Plänen etwa 300 der rund 700 Jobs erhalten werden.

Offenbacher Werk soll saniert werden

Das Offenbacher Werk für Bogendrucksysteme soll den Angaben zufolge auf dem Weg eines Management-Buy-Outs mit einem Investor saniert werden - Manager übernehmen somit die zukünftige Gesellschaft. Diese Lösung habe eine solide wirtschaftliche Basis und gute Zukunftsperspektiven, erklärte der Insolvenzverwalter. Für das Konzept sei eine Bürgschaft des Landes Hessen erforderlich. Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) mahnte einen konkreten Plan vom Insolvenzverwalter für das Offenbacher Werk an.

Kommentar zur Zerschlagung von „manroland“:

Katastrophe für Offenbach

„Jetzt ist der Insolvenzverwalter am Zug. Er hat die Vorlage eines verbindlichen Konzeptes zugesagt, weil konkrete Unterstützung auch konkreter Pläne bedarf und nicht auf Zuruf erfolgen kann." Die erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach, Marita Weber, erklärte, die Beschäftigten seien enttäuscht, dass die Rettung von „manroland" nicht ihren Standort umfasse. „Offenbach ist durch das spezielle Know-how ein zukunftsträchtiger Standort. Wir fordern den Insolvenzverwalter dazu auf, sich weiterhin für Offenbach um eine Perspektive zu bemühen.“

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Enttäuscht zeigte sich auch die Vorsitzende des Betriebsrats von „manroland" in Offenbach, Alexandra Roßel. Sie sprach von einem harten Schritt. Aber: „Offenbach muss eigenständig werden, wenn wir überleben wollen." Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider reagierte schockiert: „Ich hoffe, dass Alteigentümer und Landesregierung die Betroffenen nicht im Stich lassen - dass mit Transfergesellschaften geholfen wird.“

Rubriklistenbild: © dpa

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