„Präventive Maßnahme“

Roländer arbeiten ab Januar kurz

Offenbach - Beim krisenerprobten Druckmaschinenhersteller Manroland Sheetfed in Offenbach müssen die Beschäftigten ab 1. Januar kurzarbeiten. „Das ist seit einem Monat beschlossene Sache“, bestätigte Geschäftsführer Rafael Penuela unserer Zeitung. Von Marc Kuhn und Achim Lederle 

Mit der Belegschaft sei eine entsprechende Betriebsvereinbarung abgeschlossen worden. Penuela sprach von einer „Präventivmaßnahme“. Seit dem zweiten Quartal verzeichne sein Unternehmen einen Abschwung. „Trotz der Auftragsschwäche wird unser Jahresergebnis, wie in den Vorjahren, positiv sein“, sagte Penuela.

Hauptgrund für die Probleme ist nach seinen Worten die Entwicklung in China. Die dortige Regierung habe Maßnahmen zur Vermeidung einer Überhitzung der Wirtschaft eingeleitet. „Die Kreditvergabe gegenüber unseren Kunden ist erschwert worden“, erklärte Penuela. „Wir haben zwar eine gute Projektlage, die Realisierung derselben hat sich aber erheblich verzögert.“ China sei der größte Markt für Druckmaschinen, berichtete der Geschäftsführer. „Das hat uns getroffen.“ Zudem würden die westlichen Industrienationen und die Entwicklungsländer noch unter den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 leiden. „Die Druckindustrie ist ziemlich unter Druck“, erläuterte Penuela.

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Zwei zusätzliche Wochen Betriebsruhe im August durch Abbau von Überstunden und Zeitkonten im Anschluss an die Werksferien dienten dem Abbau von Kapazität, sagte der Geschäftsführer. „Mit dieser und anderen Maßnahmen, wie der Nicht-Besetzung von frei werdenden Stellen, konnte in 2014 Kurzarbeit vermieden werden.“ Aber auch 2015 erwartet das Unternehmen kein Wachstum im Markt. „Dann müssen wir, um Entlassungen zu vermeiden, zum Instrument der Kurzarbeit greifen“, erklärte Penuela. „Wir gehen von einer Konjunkturdelle aus“. Der Geschäftsführer erwartet in der zweiten Jahreshälfte 2015 eine Belebung des Marktes. Deshalb gebe es keine Entlassungen, berichtete Penuela weiter.

Die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach, Marita Weber, steht hinter den Plänen des Unternehmens: „Kurzarbeit ist nicht schön, aber ich bin bei Manroland Sheetfed guter Hoffnung, dass der Umschwung geschafft wird. Im Moment mache ich mir keine größeren Sorgen“, sagte sie. Weber erläuterte, dass ab Januar an fünf Tagen im Monat nicht gearbeitet werde. Für die Beschäftigten bedeute dies, dass sie dann Kurzarbeitergeld in Höhe des Arbeitslosengeldes erhielten. Die Regelung gelte vorerst sechs Monate, könne aber auch verkürzt werden, wenn die Auftragssituation sich verbessern sollte. Im kommenden Jahr gebe es unter Umständen auch noch die Sonderregelung, nach der Kurzarbeit bis zu zwölf Monate finanziert werde. „Alles hängt jetzt bei Manroland Sheetfed von der Auftragsentwicklung ab“, unterstrich Weber. Entlassungen erwartet auch sie in nächster Zeit nicht, über Arbeitszeitverkürzungen oder „anderen kreative Ideen“ könne auf vorübergehende Auftragsflauten reagiert werden.

Proteste der Manroland-Mitarbeiter

Proteste der „manroland“-Mitarbeiter

Der jahrelang angeschlagene Druckmaschinenhersteller „manroland“ war Ende 2011 in die Insolvenz gerutscht. Grund war die schwierige Situation in der Branche. Anfang des darauf folgenden Jahres wurde bekannt, dass etwa 1 000 Mitarbeiter entlassen werden. Der Großteil von ihnen wechselte in eine Transfergesellschaft. Schließlich wurde das Unternehmen zerschlagen. Die Bogensparte in Offenbach ist von dem britischen Investor Tony Langley übernommen worden. Der Druckmaschinenbauer wurde dann in Manroland Sheetfed umbenannt.

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