Stadion Bieberer Berg wird zur Protest-Plattform für Roländer

Offenbach/Frankfurt - Die IG Metall hat schwere Vorwürfe gegen die bisherige „manroland“-Geschäftsleitung erhoben. Beim morgigen Kickers-Spiel wollen derweil die OFC-Akteure ihre Solidarität mit den Beschäftigten bekunden und ihnen eine Protest-Plattform geben.

Die IG Metall will selbst ein Zukunftskonzept für das Offenbacher Werk des insolventen Druckmaschinenherstellers Manroland erarbeiten. Zusammen mit externen Beratern werde man Anfang Januar einen entsprechenden Plan vorlegen, sagte die Offenbacher Gewerkschaftsbevollmächtigte Marita Weber gestern Abend in Frankfurt. Der im Konzern für Bogendruckmaschinen zuständige Standort habe gute Produkte und eine Reihe von Kernkompetenzen, die auch weiterhin genutzt werden könnten.

Als Beispiel nannte die IG Metall die Gießerei im Rolandwerk, das bereits jetzt Teile für MAN-Motoren herstelle und für externe Auftraggeber geöffnet werden könne. Kernkompetenzen gebe es zudem für hochfeste Getriebe, die hohe Geschwindigkeiten aushalten.

Die gegenwärtige Lage in dem Werk mit noch rund 1900 Beschäftigten beschrieb Weber als schwierig. So drohten trotz des verfügbaren Massekredits Lieferengpässe durch Folgeinsolvenzen bei Zulieferern. Derzeit habe das Werk noch Aufträge für etwa 80 Druckmaschinen in der Pipeline. Neue Aufträge seien wegen der ungeklärten Zukunft der Firma derzeit aber nur schwer zu bekommen. Die millionenteuren Druckmaschinen müssten schließlich in jedem Fall vorfinanziert werden. Auch Service und Gewährleistung müssten geklärt sein.

OFC solidarisiert sich

Schwere Vorwürfe erhob die Funktionärin gegen die bisherige Geschäftsführung unter Gerd Finkbeiner, die wichtige Technologie nach Augsburg verlagert und weitere Entwicklungen oder ein vernünftiges Marketing der Offenbacher Produkte behindert habe. Lob verteilte sie an die bayerische Landesregierung, die sich bislang als einzige aus den betroffenen Ländern eindeutig zu Hilfen für die kriselnde Firma bereiterklärt habe. In Hessen habe sie das Gefühl, dass FDP-Wirtschaftsminister Dieter Posch gar nichts unternehmen wolle. Die IG Metall tritt weiterhin für eine übergreifende Lösung unter Einbeziehung der beiden anderen Druckmaschinenriesen Heidelberger sowie Koenig&Bauer ein.

Am Standort Offenbach sind zudem weitere Protestaktionen geplant: Die Roländer erhalten Unterstützung vom örtlichen Fußballverein Kickers, der 500 Freikarten an die Arbeiter verteilt hat und ihnen vor dem Drittligaspiel am Samstag ein Protest-Forum im Stadion geben will. Am kommenden Mittwoch soll dann mit einer Aktion in der Innenstadt die Bedeutung der rund 1900 Arbeitsplätze für die strukturschwache Stadt am Main veranschaulicht werden. Für jeden bedrohten Arbeitsplatz wird dann ein Stuhl auf die Straße gestellt.

dpa

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