Mindestens 110 Stellen werden gekippt

Wieder Entlassungen bei Manroland

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Manroland

Offenbach - Der Offenbacher Druckmaschinenhersteller Manroland Sheetfed kommt nicht zur Ruhe: Gerade erst hat das Traditionsunternehmen eine Insolvenz mit Massenentlassungen hinter sich, jetzt werden erneut Stellen abgebaut. Von Marc Kuhn

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Das bestätigten Geschäftsführung und Betriebsrat gestern unserer Zeitung. 110 Arbeitsplätze sollten gestrichen werden, sagte der Vorsitzende der Arbeitnehmervertretung, Andreas Firle. „Mindestens. Natürlich ist das heftig“, fügte Geschäftsführer Rafael Penuela hinzu. „Aufträge haben wir, aber nicht genug. “ Und: „Die Erwartungen für das nächste Jahr sehen wir nicht erfüllt. “ Jetzt müsse gehandelt werden, „damit wir im nächsten Jahr nicht unter die Räder kommen“. Eigentlich hatte die Druckmaschinenmesse Drupa, auf der auch Manroland im Frühjahr Aufträge erhalten hatte, Hoffnungen in der Branche geweckt. Doch: „Die Drupa hat die Welt nicht verändert“, berichtete Penuela. Sie sei nur ein Strohfeuer gewesen. Auf dem europäischen Markt sei für die Druckmaschinenhersteller keine Besserung in Sicht. In den USA sei die Situation ähnlich.

Zurzeit hat Manroland etwa 1000 Mitarbeiter

Zurzeit hat Manroland in Offenbach etwa 1000 Mitarbeiter, wobei auch Angestellte aus der sogenannten deutschen Marktorganisation, die an anderen Standorten sitzen, hinzugerechnet werden, wie Firle sagte. Rund 40 Prozent des Jobabbaus solle in der Produktion vorgenommen werden, der Rest in Bereichen wie Service, IT, Finanzen und Entwicklung. Die Belegschaft sei über die Vorgesetzten informiert worden.

Von einer Katastrophe für Offenbach sprach die erste Bevollmächtigte der hiesigen IG Metall, Marita Weber. „Die Restrukturierung hat offensichtlich nicht dazu geführt, dass sich das Unternehmen rechnet.“

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„Wieder so ein Einschlag“, erklärte Firle. Die Belegschaft habe nach der Insolvenz gerade erst Hoffnung geschöpft. Nun sei die Stimmung erneut negativ. „Die Geduld von Langley ist nicht grenzenlos“, sagte Firle. Der britische Unternehmer Tony Langley hatte Manroland im Februar aus der Insolvenz heraus gekauft. „Die Kommunikation mit der Geschäftsführung ist nicht gut“, berichtete Firle. „Sie sagen nur, was sie müssen. Das ist unser Problem.“

Kurzarbeit ins Spiel gebracht

Als Alternative zum Jobabbau sei auch Kurzarbeit ins Spiel gebracht worden, erläuterte Firle. Da dieses Instrument aber nur sechs Monate in Anspruch genommen werden könne, habe der Arbeitgeber dies abgelehnt. Die Geschäftführung wolle eine Entlastung über einen längeren Zeitraum oder einen Einschnitt.

„manroland“ war im November 2011 in die Insolvenz gerutscht. Langley hatte das Offenbacher Werk gekauft, die Lübecker Possehl-Gruppe den Standort in Augsburg. Das Werk in Plauen wird von Insolvenzverwalter Werner Schneider geleitet.

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