Werk Offenbach fährt aber Verlust ein

Manroland Sheetfed verbucht Gewinn

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Offenbach - Der Druckmaschinenhersteller Manroland Sheetfed erholt sich von der Insolvenz. Zahlreiche Mitarbeiter müssen aber auf Gehalt verzichten. Von Marc Kuhn

Während die Konkurrenz weiter unter der Flaute in der Branche leidet, sieht sich der Offenbacher Druckmaschinenhersteller Manroland Sheetfed auf einem erfolgreichen Weg. „Wir sind auf Plan - das ist die Message“, sagte Geschäftsführer Rafael Penuela im Gespräch mit unserer Zeitung. Dennoch müssen zahlreiche Mitarbeiter finanzielle Einbußen hinnehmen.

Penuela spricht von einer positiven Entwicklung in diesem Jahr. Das hätten die vergangenen Quartale gezeigt. Auch für den Rest des Jahres 2013 zeigte er sich zuversichtlich. „Wir generieren das Geschäft aus eigenem Geld.“ Das Bogengeschäft des insolventen Unternehmens „manroland“ war im Februar 2012 von dem britischen Investor Tony Langley übernommen worden.

Umsatz in Höhe von 350 Millionen Euro

Rafael Penuela

Insgesamt wird Manroland Sheetfed nach Einschätzung von Penuela in diesem Jahr einen Umsatz in Höhe von 350 Millionen Euro erwirtschaften. Mit Druckmaschinen würden Erlöse im Wert von etwa 150 Millionen Euro erzielt, ein Plus von zwölf Prozent. 2013 würden rund 120 Maschinen mit etwa 600 Druckwerken verkauft. Im vergangenen Jahr seien es 100 Maschinen mit 500 Druckwerken gewesen. Der Umsatz, den Manroland Sheetfed mit Serviceleistungen und Ersatzteilen verdient, stagniert bei rund 120 Millionen Euro, wie Penuela berichtete. Mit dem Verkauf von Verschleißteilen würden 2013 Erlöse in Höhe von rund 80 Millionen Euro erwirtschaftet. Dies sei ein leichtes Minus. „Das Unternehmens-Ergebnis ist positiv“, erläuterte Penuela weiter. Unter dem Strich wird nach seinen Erwartungen ein Gewinn von zwei Millionen Euro stehen. Allerdings fährt das Werk in Offenbach ein negatives Ergebnis sein. Dort werde ein Minus von zwei Millionen Euro erzielt, sagte Penuela. Dies werde vom Gewinn der Tochtergesellschaften in 40 Ländern mehr als ausgeglichen, die ein positives Ergebnis von vier Millionen Euro verbuchen würden. Der Auftragseingang werde 2013 mit einem Wert von 150 Millionen Euro zwölf Prozent über dem des vergangenen Jahres liegen, erklärte Penuela.

Das Werk in Offenbach ist ausgelastet. Die Mitarbeiter würden sogar 40 statt 35 Stunden arbeiten, berichtete der Geschäftsführer. Die Minuskonten bei der Arbeitszeit aus dem vergangenen Jahr seien aufgezehrt. Mittlerweile würden die Lieferzeiten für Maschinen länger, „weil wir ausgelastet sind“, erklärte Penuela.

„Besondere Konjunktur“

Er spricht von einer „besonderen Konjunktur“ und einem Vertrauens-Zyklus. 2012 war nach seiner Einschätzung noch von den Nachwirkungen der Insolvenz geprägt. Jetzt habe der Druckmaschinenbauer das Vertrauen der Kunden zurückgewonnen. „Das ist der Grund für das Wachstum, während der Markt nicht wächst“, sagte Penuela.

Für das nächste Jahr zeigte er sich zurückhaltend. „Die guten Zeiten sind noch nicht zurück.“ Manroland Sheetfed plane beim Umsatz, den Aufträgen und dem Personal mit dem gleichen Volumen wie in diesem Jahr. Allerdings erwartet der Geschäftsführer ein höheres Ergebnis, da Umstrukturierungen Früchte tragen sollen. „Die Effizienz wird deutlich steigen“, erklärte Penuela.

Betriebsvereinbarung gekündigt

Er klagt indes über „noch nicht stabile Kosten“. Deshalb hat Manroland Sheetfed eine Betriebsvereinbarung gekündigt. So werden Leistungszulagen verringert. Das Unternehmen halte sich jetzt an die im Tarifvertrag vereinbarten Mindeststandards, berichtete Penuela. Im Durchschnitt müssten die Mitarbeiter auf 350 Euro im Monat verzichten. Einige hätten gar keine Einbußen, sagte Penuela. Die höchsten Einkommensverluste lägen bei 680 Euro im Monat. Auch die außertariflich Angestellten müssten im Schnitt Einbußen hinnehmen.

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In Offenbach hat Manroland Sheetfed etwa 890 Mitarbeiter. Weltweit sind es mehr als 1 740. Mit Einstellungen hält sich der Druckmaschinenhersteller zurück. „Ich bin vorsichtig“, sagte Penuela. Von den zwölf Auszubildenden, die im Januar und Februar ihre Prüfungen ablegen, solle jeweils die Hälfte befristet und unbefristet übernommen werden. Penuela will Mitarbeiter nur übernehmen, wenn er sie auch halten kann. „Mir sitzen die Entlassungen und die Insolvenz enorm in den Knochen“, erklärte er.

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