„manroland“ vor Zerschlagung?

Offenbach (ku/dpa) - Die Pläne der Insolvenzverwalter für eine Zerschlagung des insolventen Druckmaschinenherstellers „manroland“, mit seinen Standbeinen im Rollen- und Bogendruck, nehmen offenbar konkrete Formen an.

„Der getrennte Verkauf der Bogensparte mit dem Standort Offenbach ist durchaus eine Option, die wir derzeit aktiv den möglichen Interessenten anbieten“, sagte Wirtschaftprüfer Arndt Geiwitz, der den vorläufigen Insolvenzverwalter Werner Schneider vor Ort vertritt, im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn. Wie viele Interessenten es für „manroland“ gibt, kann er noch nicht sagen. „Die Investorenansprache ist noch nicht abgeschlossen.“

Hoffnung können sich die Lehrlinge des zahlungsunfähigen Unternehmens machen, die in dieser Woche in der Offenbacher Innenstadt für den Erhalt ihrer Stellen demonstriert hatten. „Die Ausbildungsverhältnisse werden alle weiter geführt“, versprach Geiwitz. „Die Zusagen für die Einstellungen neuer Auszubildenden im Jahr 2012 werden erfüllt.“

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Derweil fürchten die Beschäftigten von „manroland“, die in Altersteilzeit sind, um ihr Geld. „Es werden derzeit Berechnungen erstellt, wie die Altersteilzeitverhältnisse sozialverträglich gelöst werden können“, berichtete der Vertreter des Insolvenzverwalters. Für die Betroffenen würden Anwälte am 18. Januar eine Informationsveranstaltung in Offenbach anbieten.

Nach der Insolvenz von „manroland“ will der Versicherungskonzern Allianz künftig auf Mehrheitsbeteiligungen verzichten. „Wir wollen mit Ausnahme von Wind- und Solarparks keine Vollkonsolidierung einer Beteiligung mehr“, sagte der Chef der Beteiligungstochter Allianz Capital Partners (ACP), Rainer Husmann, der „FAZ“. „Unsere Vorgaben im Beteiligungsgeschäft sind selektiver als früher.“

„manroland“ hatte Ende November einen Insolvenzantrag gestellt. Haupteigner Allianz und Miteigentümer MAN hatten dem verlustreichen Unternehmen den Geldhahn zugedreht. Insolvenzverwalter Werner Schneider führt mit Hochdruck Gespräche, um bis Ende Januar 2012 einen Investor im In- oder Ausland zu finden. Die Allianz Capital Partners (ACP) ist der Investment-Arm des Versicherungskonzerns.

Das investierte Geld ist nun verloren

Husmann sagte, zur Insolvenz des Unternehmens habe es keine Alternative gegeben. „Das war eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Wir verwalten Versicherungsgelder für unsere Kunden, und das Risiko eines weiteren Investments wäre einfach zu hoch gewesen.“

Die Entscheidung, „manroland“ jetzt kein weiteres Geld mehr zu geben, sei erst nach langer Prüfung erfolgt, sagte Husmann. Die ACP habe 176 Millionen Euro beim Kauf und dann im Jahr 2009 nochmals 198 Millionen Euro zur Tilgung aller Bankschulden investiert. Dieses Geld ist nun verloren, „und wir haben auch nie einen Cent aus dem Unternehmen herausgeholt“, sagte der ACP-Chef.

Den Vorwurf, ACP habe schon in den vergangenen Jahren „manroland“ mit zu wenig Kapital für die Entwicklung von Innovationen ausgestattet und damit die Überlebenschancen geschmälert, wies Husmann zurück. Zwar seien die Forschungsinvestitionen mit dem sinkenden Umsatz reduziert worden - aber die Quote von vier bis fünf Prozent habe sich auf dem Niveau der Konkurrenz bewegt.

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