Marke Roland hat Geburtstag

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Hundert Jahre sind vergangen, seit die erste Druckmaschine mit dem Typennamen „Roland“ das Herstellerunternehmen verließ. Ihren Namen sollte später das ganze Werk übernehmen.

Offenbach ‐ Eine Marke hat Geburtstag. In der Offenbacher Wirtschaftsgeschichte ist sie mit großen Buchstaben verzeichnet. 2011 sind hundert Jahre vergangen, seit die erste Druckmaschine mit dem Typennamen „Roland“ das Herstellerwerk verließ. Von Lothar R. Braun

Ihren Namen sollte später das ganze Werk übernehmen. Dieses Werk gab es damals bereits seit rund 40 Jahren. 1870 hatte der deutsch-französische Krieg die Techniker Louis Faber und Adolf Schleicher aus Paris vertrieben. Im Jahr darauf gründeten sie ihr „Associationsgeschäft zur Fabrikation von lithographischen Schnellpressen“. Sie gründeten in Frankfurt, aber sie bauten in Offenbach, und von hier aus waren sie bald im internationalen Geschäft. Die erste Export-Maschine, die 1875 in die russische Hauptstadt St. Petersburg abging, trug den Typen Namen „Albatros“.

Als 1911 die erste „Roland“ auf den Markt gelangte und sofort auf der Turiner Messe einer Goldmedaille würdig wurde, firmierte das Unternehmen als „Faber & Schleicher AG“. 1957 rückte das Erfolgsprodukt in den Firmennamen auf. Der lautete nun „Roland Offsetmaschinenfabrik Faber & Schleicher AG“.

„manroland“ seit 2008

Faber war schon 1896 verstorben. 1910 starb Schleicher. Im Jahr 1979 sollten auch ihre Namen im Dunkel der Archive begraben werden. Die abermalige Namensänderung folgte der Vereinigung des Offenbacher Unternehmens mit dem Druckmaschinenbereich der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, die seit Jahren einen hohen Aktienanteil gehalten hatte. Nun hieß die Firma „MAN Roland Druckmaschinen AG Offenbach am Main“. Dabei blieb es bis 2008. Seitdem kennen wir den Namen „manroland“.

Nur noch die Fachliteratur kennt die romantischen Typennamen, die der „Roland“ vorangingen: Albatros, Faust, Gretel, Odin, Brunhild oder Delfin. Das waren noch Steindruck-Pressen, immer noch sehr nahe der Technik, die der Erfinder Alois Senefelder um 1800 in Offenbach für den Notendrucker André entwickelt hatte. Faber und Schleicher waren nicht die einzigen, die mit neuen Techniken und immer neuen Konstruktionen ausbauten und weitertrieben, aber sie und ihre Nachfolger standen stets innovativ an der Spitze der Entwicklung. Ihre Maschinen eroberten die Welt. Viele Neuheiten, die dabei gelangen, tragen in ihrer Bezeichnung den Namensbestandteil „Roland“.

Verbeugung vor den Ursprüngen

Es war eine Verbeugung vor den Ursprüngen, dass das Unternehmen bei seinem hundertsten Geburtstag 1971 weniger sich selbst würdigte als den 200. Geburtstag des Steindruck-Erfinders Alois Senefelder. Roland begründete eine Internationale Senefelderstiftung. Sie schreibt alle drei Jahre international einen Senefelder-Preis aus für künstlerische Leistungen auf dem Gebiet der Lithografie und für ihre Weiterentwicklung im Flachdruck.

Auf einem komplizierten Weg vom Steindruck zum High-Tech-Offset hat die Drucktechnik sich vom alten Herrn Senefelder entfernt. Weit entfernt auch von der „Roland“ des Jahres 1911. Aber ihren Namen findet man auf buchstäblich allen Kontinenten in den Druckereien, in denen Offenbacher Maschinen laufen.

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