Leben als Marktbeschicker in Offenbach

Arbeitstag beginnt im Dunkeln

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Um auf dem Markt bestehen zu können, braucht es neben verkäuferischem Geschick auch Standvermögen, Wetterfestigkeit und vor allem Leidenschaft.

Offenbach - Häufig stehen an dieser Stelle einzelne Produkte vom Markt im Zentrum. Heute soll es einmal um den Aufwand gehen, den die Beschicker betreiben, damit diese überhaupt den Weg auf den Wilhelmsplatz finden. Von Christian Wachter 

Wenn morgens die ersten Besucher über den Markt schlendern, ist der Arbeitstag für die Beschicker schon mehrere Stunden alt. Bernhard Heckelmann steht um halb fünf auf und ist ab Viertel nach sechs auf dem Markt – unabhängig vom Wetter, das einem nicht immer in die Karten spielt. Bei Kälte, erzählt Heckelmann, hätten zum Beispiel die Primeln keine offenen Blüten mehr, und er selbst fühle sich schon am Mittag wie ein Eisblock. Und wenn der Markt dann schließt, ist für die Beschicker noch nicht Feierabend. Je mehr los sei, desto länger dauerten die Lagerarbeiten. Und dann gilt es auch noch, sich um die 6000 frischen Kräuter im Betrieb und um die 3000 Kräuter im Freiland zu kümmern. „Dafür lebt man aber auch, ein Problem ist eher die Geiz-ist-geil-Mentalität: Unsere Blumen und Kräuter werden kaum teurer, alles andere schon“, betont Heckelmann.

Etwas früher macht sich Gemüsehändler Günter Buxmann auf den Weg. Aus dem Bett geht es noch vor vier Uhr, ab fünf Uhr wird der Stand aufgebaut. Arbeitstage von 14 bis 15 Stunden sind da keine Seltenheit. „Die Leute vergessen manchmal, wie viel Arbeit außer dem Verkauf noch zu erledigen ist – von der anspruchsvollen Präsentation der Produkte bis hin zur Wartung des Stands und der Fahrzeuge.“ Der Blick in die Zukunft erscheint ihm nicht gerade rosig. Die älteren Jahrgänge, für die das Einkaufen auf dem Markt selbstverständlich ist, würden weniger, und die flexibleren Arbeitszeiten machten das früher selbstverständliche gemeinsame Abendessen seltener. „Auch die Supermarktdichte macht uns zu schaffen. Ich glaube, die guten Zeiten sind vorbei“, konstatiert Buxmann.

Bilder: Bürgeler Markt lockt viel Publikum

Auch dem Käsehändler Veit Börner ist das veränderte Konsumverhalten aufgefallen. Er könne es aber auch verstehen, sagt er. Viele Leute hätten nun mal wenig Geld und würden dann eben zum billigen Industriekäse greifen. Umso mehr mache aber der Umgang mit den Kunden Spaß. „Es ist schön, wenn man eine persönliche Bindung aufbauen kann und weiß, wie’s den Leuten geht.“ Da nimmt er die Tage mit zwölf Arbeitsstunden und mehr gerne auf sich. Im Winter kann er sogar etwas länger liegen bleiben, weil der Käse dann wegen der Temperaturen schon am Vortag eingeladen wird. Neben einigem kommunikativen braucht er aber auch handwerkliches Geschick. Der Stand und beispielsweise auch die Hütten, mit denen die Käsehändler auf dem Hanauer Weihnachtsmarkt vertreten sind, sind selbst gebaut. „Wenn da etwas repariert werden muss, legen wir selbst Hand an.“

Ein paar Stände weiter, beim Geflügelhändler Becker, wird ähnlich resümiert: „Morgens im Dunkeln raus – dafür muss man gemacht sein“, so Petra Becker. Im Gegensatz zu Börner, muss sie im Winter besonders früh aufstehen. Um Weihnachten ist Geflügelsaison, und es gibt viele Bestellungen, gerade was die Gänse angeht. Wie die anderen Beschicker sagt aber auch Becker, dass die Arbeit trotz der Anstrengungen Spaß mache. „Wir sind den Aufwand gewohnt und machen das ein Leben lang. Wenn wir gute Laune haben, sind auch die Kunden gut drauf.“

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