Ärger über Ersatztermin an Heiligabend

Marktbummel in lichteren Reihen

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Blass um die Nase, aber immerhin ein paar goldene Groschen im Mund: Mit etwas makabrem Marktbeschicker-Humor freut sich die Metzgerei Gerner über das Ergebnis ihrer Umfrage.

Offenbach - Dreimal pro Woche Markt. Eine feste Institution am Wilhelmsplatz, an der nicht einmal Weihnachten rütteln kann. Von Sarah Neder 

Da in dieser Woche der Markt-Freitag mit dem zweiten Weihnachtsfeiertag kollidiert, hat die Stadt beschlossen, jenen Ausfall mit einem vorgezogenen Verkauf am heutigen Mittwoch zu kompensieren. Kunden, die ihren Einkauf auf den letzten Drücker erledigen und den Gastronomen rund um den Wilhelmsplatz gefällt’s. Bei den Beschickern kommt das Angebot nicht immer gut an. Aus verschiedenen Gründen, wie eine Umfrage am gestrigen Markt-Dienstag zeigt, müssen Kunden heute mit gelichteten Standreihen rechnen.

„Wir haben mittwochs andere Märkte, auf denen wir verkaufen“, erklärt Yvo Bergfeld vom gleichnamigen Obst- und Gemüsestand. Ein Marktbeschicker, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, hält den vorgezogenen Markttag für überflüssig: „Das ist künstlich in die Länge gezogen“, findet er. Auch der Wild- und Geflügelstand Scherer wird am Tag von Heiligabend nicht am Wilhelmsplatz stehen. „Ich habe kein Auto frei und finde, das ist ein bisschen viel“, sagt Verkäuferin Heike Kuhl. „Die Leute können das Fleisch getrost schon am 23. kaufen. Danach wird eh nicht mehr geschlachtet.“

Ähnlich sieht das auch Gemüsehändlerin Heidi Jung, an deren Stand sich am Dienstagnachmittag noch eine lange Schlange aufreiht. „Wir verzichten aus religiösen Gründen“, scherzt sie hinter gestapeltem Fenchel. Dann aber im Ernst: „Wer heute da war, kommt morgen nicht. Und heute waren 90 Prozent der Kunden da.“ Der heutige Mittwoch sei ein „Drauflegmarkt“, erklärt Petra Heckelmann, Vorsitzende des Marktbeschickervereins. „Viele Ersatztermine für Feiertage sind nicht nur stressig, sondern auch betriebswirtschaftlich total uninteressant“, wettert Heckelmann. „Strom, Benzin, und Personal wollen bezahlt werden. Wenn die Mehrheit der Kunden nicht da ist, zahlen wir drauf.“

Doch nicht immer ist die Entscheidung wegzubleiben leicht: Verkäufer riskieren Verdiensteinbußen oder verprellte Kunden. Demokratische Alternative: Um nicht vergebens an Weihnachten auf den Markt zu kommen, ließ die Landmetzgerei Gerner ihre Kundschaft bestimmen. Drei Wochen im Voraus gaben etwa 300 Kunden ihre Meinung dazu ab, ob Beate Gerner und ihr Team am 24. Dezember verkaufen sollen. Das Ergebnis: 245 Stimmen dagegen, 29 Stimmen dafür. Ein Zettel an der Glastheke informiert die Kunden über die mehrheitliche Entscheidung: „Wir sind am 24.12. nicht da!“ Weiter heißt es: „Vielen Dank für Ihre Mithilfe und danke, dass wir Heiligabend nicht arbeiten.“ Die Beschicker, die heute trotzdem verkaufen, wird die Abwesenheit der anderen freuen. So hat Maria Castiglione heute geöffnet. „Falls jemand etwas vergessen hat“, sagt sie.

Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz

Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz

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