Markt auf dem Wilhelmsplatz

Von Keramik bis Konfitüre

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Gekonnte Präsentation: Mary Häfner (oben) zeigt Glaskunst von Chris Reinelt, Laura Stiegler die selbstgenähte Kulturbeutel ihrer Mutter Rosi.

Offenbach - Rund 100 Künstler an 75 Ständen zeigten, was sich hinter dem Begriff Kunsthandwerk verbergen kann. Waren Schmuckstände eher von weiblichen Besuchern umringt, konnten die Männer bei Glasdesigner Chris Reinelt aus Rumpenheim Bierflaschen einmal anders erleben. Von Peter Klein

„Man muss das Glas auf circa 800 Grad erhitzen, dann kann man es mit einem umfunktionierten Nudelholz bearbeiten“, verrät der Künstler. So entstehen bei ihm aus dem Altglas Schalen oder Wanduhren. Jutta Häfner setzt sich in ihren Keramikarbeiten mit den Fischen auseinander. Was andere am liebsten auf dem Teller haben, ist für sie nicht nur Sternzeichen, sondern auch Faszination. Besonders der Kuss der Fische, keine Liebkosung, sondern Revierverhalten, wie sie erklärt, hat es ihr angetan.

Kunst für den Gaumen hingegen präsentiert Gabriele Schaffert aus Nidda. Sie kreiert Essige, Pestos, Chutneys, Sirups aus heimischen Gärten, die sie traditionell im Kupferkessel kocht. Dabei hat sie auch die alte Obstsorte Kornelkirsche im Angebot. Das Neueste ist ein Gurken-Limetten-Sirup.

Birgitt Möbus vom Citymanagement zeigt sich denn auch zufrieden mit der Bandbreite. Der Künstlermarkt am Wilhelmsplatz findet zum 12. Mal statt. Mittlerweile habe man eine Kartei mit 300 Künstlern, die angeschrieben werden, verrät sie. Wer neu dabei sein will, müsse sich mit Fotos bewerben. Wichtig ist der Organisatorin, dass alles komplett selbstgemacht ist. Auch die Mischung musse. „Wenn sich zu viele Schmuckstände bewerben, müssen wir schon lenkend eingreifen“, so Birgitt Möbus. Auch die Prämierung der kreativsten Künstler dürfte für manchen Aussteller Ansporn gewesen sein, sich zu bemühen. Die Preise gingen an Angelika Vellmer, die Jeanstextilien bemalt, an Hanna Marie mit Schmuck, Skulpturen und Strickwaren, sowie an die Schmuckdesignerin Gaby Blam.

Besonders originell sind die Holzbrettchen von Brettman Stefan Rose. Der Künstler aus Grebenau hat sie nicht nur aus unterschiedlich farbigen Holzstücken wie Mosaike zusammengesetzt, sondern auch noch Magnete eingearbeitet. So bleibt der Eierlöffel wie angeklebt am Brettchen hängen, kein Messer fällt mehr auf den Boden. Als Gebrauchsgegenstände will Brettman seine Kunstwerke nicht sehen. Manchen Kunden seien sie viel zu schade zum Benutzen, sie kaufen sie, weil sie sie schön finden.

Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz (2013)

Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz

Ausgesprochen zum Benutzen gedacht sind hingegen die Kulturbeutel von Rosi Stiegler aus Frankfurt. Im Internet und auf Reisen hat sie sich unterschiedlichste Stoffe besorgt und originelle Hygienetaschen genäht. Sie sei wohl sehr anstrengend gewesen, scherzt Tochter Laura, denn die Mutter habe erst mit dem Gestalten begonnen, als sie ausgezogen sei. Nostalgischen, morbiden Charme versprühen die Schwarzweißfotografien des Künstlers Jörg Engelhard. Verlassene Industriebrachen und Akte sind sein Thema. Dabei arbeitet er auch heute noch mit Filmen und macht von jedem Bild nur zehn Abzüge, so dass jeder Kunde ein Original hat, fast jedenfalls.

Wer vom vielen Stöbern einmal Luft holen musste, der konnte sich am Programm erfreuen. Auf der Bühne präsentiert sich der Theaterclub Elmar; das Tanztheater von Christel Lambrecht zeigt die Tanzperformence „Gebt uns Zeit“; die Schule für Mode, Grafik und Design begeistert mit einer Modenschau. Und von der Terrasse des Markthäuschens weht Blues und Folkmusik herüber und lädt zum Verweilen ein.

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