Rangieren am Wilhelmsplatz

Mit 14 Metern um die Kurve

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Eine Herausforderung für die Marktbeschicker ist es, mit ihren Anhängern vom Wilhelmsplatz runterzufahren. Besonders, wenn dort Autos parken oder Außengastronomie aufgebaut ist.

Offenbach - Es ist immer wieder aufs Neue eine große logistische Herausforderung. Dreimal in der Woche rücken mehr als 30 Marktbeschicker mit ihren meterlangen Wagen zum Wochenmarkt auf den Wilhelmsplatz an. Von Veronika Szeherova

Sie müssen enge, vollgeparkte Straßen, Außengastronomie, und diverse Poller passieren, bevor sie sich auf dem Platz sortieren und ihre Stände aufbauen können. Nach dem Markttag heißt es wieder zusammenpacken und das Gefährt sicher vom Platz manövrieren – was aufgrund der baulichen Gegebenheiten um den Platz höchste Konzentration erfordert. „Es ist ein Überlebenskampf“, formuliert es Marktbeschickerin Naomi Neumann vom Stand der Bäckerei Hofmann. „Hier ist alles viel zu eng.“

Nun befürchten sie und viele ihrer Kollegen eine weitere Verschlimmerung der Lage. „Wenn zwei neue neue Lokale mit Außenbestuhlung hinkommen, wird es für uns noch schwieriger, mit den Anhängern rauszukommen.“ Besonders die Ausfahrt am nordöstlichen Platzende ist für sie ein Knackpunkt. Derzeit ist dort ein Friseursalon mit drei Taxiplätzen davor. „Wenn die leer sind, kommen wir ganz gut raus. Wenn da Autos stehen, kommen wir mit unseren Gespannen kaum rum.“

Restaurant statt Friseurladens

Anstelle des Friseurladens soll ein Restaurant eröffnen. „Falls da Außengastronomie statt der Taxiplätze hinkommt, ist sie so breit wie parkende Autos“, weiß Neumann. „Das Rausfahren ist doch jetzt schon eine Katastrophe. Dabei sind die Marktleute alle sehr gute Autofahrer.“

Ihr Kollege Detlef Schulz vom Stand Querbeet benutzt meist die Ausfahrt gegenüber des Lokals Fleischeslust. „Wenn dort die Pkw zu weit zur Straße stehen, komme ich mit meinem 14 Meter langem Anhänger überhaupt nicht rum.“ Er habe schon öfter die Autobesitzer suchen müssen, damit sie ihm Platz zum Herausfahren machen. „Wenn zu den Marktzeiten die drei Parkplätze am Fleischeslust frei bleiben würden, wäre uns schon geholfen“, findet Schulz. Nicht nur das Fahren um den Wilhelmsplatz, auch auf ihm selbst ist für die Marktbeschicker keine leichte Aufgabe.

„Es ist sehr eng“, kritisiert Gemüsehändler Burkhard Gündling. Der geplante Bürgerbrunnen soll mittig auf dem Platz nahe seines Stands aufgestellt werden. „Ich bin für den Brunnen“, sagt er. „Wenn ich einen Hubschrauber bekomme.“

Dem Brunnen skeptisch gegenüber

Die anderen Marktbeschicker stehen dem Brunnen ebenfalls skeptisch gegenüber, brauchen doch viele den freien Platz zum Rangieren. Außerdem: „Das Plätschern den ganzen Tag, da muss ich doch ständig aufs Klo“, meint eine Marktfrau und winkt ab. Dass sie nicht über den Brunnen informiert worden seien, lautet ein Vorwurf, der von vielen Seiten zu vernehmen ist. „Wir Marktbeschicker bekommen von der Stadt keinerlei Informationen“, ärgert sich Naomi Neumanns Ehemann Nikolaus. „Wenn wir sehr drängen, kommt vielleicht was. Von sich aus teilt die Stadt uns erst etwas mit, wenn alles entschieden ist. Das ist zermürbend.“

Ähnlich habe es sich mit vielen wichtigen Fragen verhalten – etwa zu den Pflastersteinen auf dem Platz. „Das ist das Letzte“, schimpft Bäckereiverkäuferin Neumann. „Es ist zu glatt, Unfälle sind fast an der Tagesordnung. Gerade im Winter, wenn die Stadt ihrer Räumpflicht zu spät nachkommt.“ Deswegen würden manche Kunden den Markt meiden. „Für Rollifahrer ist der Platz auch nichts“, bedauert Neumann, für die der Boden außerdem untauglich fürs lange Stehen ist. „Man steht so schief, mir tun danach die Füße weh.“

Kuriose Unfälle in der Region

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Grund zur Freude für die Marktbeschicker ist, dass sie mit dem Umbau des Markthauses neue Toiletten bekommen. Ansonsten bezeichnen viele ihre Situation seit dem Umbau als schwieriger als zuvor. „Seitdem haben schon 14 Beschicker aufgegeben, Nachrücker halten nicht lange durch“, sagt Nikolaus Neumann. „Die Gastronomen haben sich durchgesetzt, wir kommen irgendwann danach“, meint seine Frau. „Dabei sind unsere Kunden auch deren Gäste.“

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