CDU formuliert Dringlichkeitsantrag

Im Markthaus bleibt es auch weiter feucht

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Der Hydrometer in der Hand des CDU-Stadtverordneten und Bauingenieurs Dominik Mangelmann zeigt an: Es gibt Stellen im Mauerwerk des Markthaus-Kellers, die immer noch oder schon wieder nass sind.

Offenbach - Die CDU will es schon immer gewusst haben: Die Methode, mit welcher der Markthäuschen-Keller trocken gelegt werden sollte, taugt für diesen nicht. Keine zweieinhalb Jahre später sieht sie sich darin bestätigt. Von Thomas Kirstein

Den Magistrat will sie bewegen, beim Amtsgericht ein Beweisverfahren wegen eventuell mangelhafter Bauausführung zu beantragen. Wochenmarktbeschicker, die im Souterrain des geschützten Baudenkmals ihre Toiletten haben, beklagen es: An etlichen Stellen der doch eigentlich trocken gelegten Grundmauern des Wilhelmsplatz-Wahrzeichens blättert die Farbe großflächig ab. Nebenan im kleinen Marktmeisterbüro ist es klamm. Untrügliche Zeichen, dass weiterhin (oder wieder) Nässe eintritt, obwohl aufwändig und für viel Geld abgedichtet wurde? 400.000 Euro hat die Sanierung – einschließlich Vergrößerung der Gaststätte – insgesamt verschlungen.

Gestern schaut sich Christdemokrat Dominik Mangelmann den Zustand des Markthaus-Kellers nochmal an. Er ist Bauingenieur und zweifelt schon seit 2012 an, dass die Sanierung der damals bis zur Decke durchfeuchteten und mit Schimmel befallenen Wände wirklich sinnvoll angegangen worden ist. „Da sind deutliche Salzausblühungen“, deutet er auf einen Fleck, an dem sich die Farbe hebt. Mangelmann verlässt sich nicht auf den Augenschein, er hat auch ein unbestechliches Gerät dabei. Sein Feuchtigkeitsmesser zeigt an einigen Stellen normale Werte von 70 oder 80; dort, wo der Verputz schon leidet, sind es zwischen 140 und 150. Das ist nass.

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Der Bauexperte seiner Fraktion hat sich schon früh mit den Plänen auseinandergesetzt. Er bemängelte „unsachgemäße Ausführung und Planung“, weil die gewählte Isolierung von unten eindringende Feuchtigkeit im Mauerwerk halte und aus Kostengründen auf eine Drainage verzichtet worden sei. Die Meinungen der Fachleute schieden sich früh am rätselhaften Untergrund: Das von der Stadt mit dem Projekt beauftragte Büro Codema nahm aufgrund eines bei der Freilegung der seitlichen Mauern entdeckten Betonsporns an, es existiere eine Bodenplatte.

Mangelmann zweifelt das an, weil ein solches Bauteil vor 1920 unbekannt gewesen sei – das Gebäude für den Marktmeister wurde 1910/11 errichtet. Ein Professor für Baugeschichte an der Hochschule Darmstadt bestätigte, dass zu dieser Zeit nur sogenannte Streifenfundamente üblich waren. Dennoch vorhandener Beton wäre durch die Nutzung als Luftschutzkeller zu erklären. Die mit Offenbach vertraute Kunsthistorikerin Christina Uslular-Thiele vermutet, dass der Bäcker Kress 1943 einen festen Fußboden eingezogen haben könnte. Die Funktion einer Bodenplatte, auf der die Mauern ruhen, erfülle eine solche Zementierung aber nicht, ist sich Mangelmann sicher. Denn es kann weiter von unten Nässe ins Mauerwerk dringen und nach oben steigen. Immer noch fragt er sich, warum man dem Rätsel des Untergrunds nicht intensiver nachgegangen ist.

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Bereits im März 2012 flossen Mangelmanns Bedenken ein in einen Antrag der CDU, der einschloss, die Sanierung nicht der Codema zu überantworten, sondern einer „mit solchen Maßnahmen vertrauten stadteigenen Gesellschaft oder einem ortsansässigen erfahrenen Planungsbüro, welche die Sanierungsmaßnahmen abgestimmt auf die dort real vorhandenen Bedingungen und nach den anerkannten Regeln der Technik planen“. Das wurde von der Stadtverordnetenmehrheit abgelehnt.

Noch besteht Gewährleistung. Deshalb hält es die CDU für sinnvoll, eine unabhängige Beweissicherung einzuleiten – ein Dringlichkeitsantrag zur Parlamentssitzung am Donnerstag soll den Magistrat dazu veranlassen. Inhalt soll die Feststellung des Zustands der Kellerräume und der Wände des Markthäuschens am Wilhelmsplatz sein. „Da der Magistrat in der Vergangenheit die mangelhafte Bauausführung regelmäßig und immer wieder bestritten hat, erscheint nunmehr eiliges Handeln zur Sicherung von Beweisen vonnöten“, schreibt Fraktionschef Peter Freier. Bei der Stadt heißt es, das Markthäuschen sei unter Beobachtung. Vergangenes Jahr seien zwar „mineralogische Ausblühungen“ registriert worden, die von Restfeuchtigkeit herrühren könnten, aber kein Schimmel. Fürs Frühjahr kündigt Stadtsprecher Fabian El Cheikh eine weitere Begutachtung an.

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