Marktkundin will Stadt verklagen

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Der schräge Eimer zeigt’s: Wo die Kunden den Wochenmarkt an der Bleichstraße betreten oder verlassen, lauern Stolpergefahren, die bislang wegen parkender Autos nicht aufgefallen sind.

Offenbach - Wo gehobelt wird, da fallen Späne, wo umgebaut wird, die Kunden... So zynisch-einfach werden es sich die Verantwortlichen der Stadt kaum machen. Es kann vielmehr davon ausgegangen werden, dass in den nächsten Wochen die schlimmsten Stolperfallen des auf einer Wilhelmsplatz-Hälfte zusammengedrängten Wochenmarkts entschärft sind. Von Thomas Kirstein

Für Sabine Schwarz kommt das zu spät. Die bislang agile 67-Jährige kann für sich die fragwürdige Ehre in Anspruch nehmen, das erste Opfer des Wilhelmsplatz-Umbaus zu sein. Auf der Bleichstraßen-Seite des Kompakt-Markts ist sie am vergangenen Samstag an einem hervorstehenden Stein oder einer Teerkante hängen geblieben und nach allen Regeln des Unglücks gestürzt. Der Notarzt versorgte sie und ließ sie zur Behandlung ins Krankenhaus transportieren.

Ich sehe jetzt aus, als ob mich mein Mann verprügelt hätte“, beschreibt sich Sabine Schwarz selbst. Ein blaues Auge, eine blaue Zehe, Blutergüsse, Abschürfungen im Gesicht und an den Ellenbogen sind aber noch das Geringste. Der Oberarm ist gebrochen - „subkapitale Humerus-Fraktur mit Absplitterung an der linken Schulter“. Gipsen geht in dieser Körperpartie nicht, für mindestens zwei Wochen muss sie einen engen Verband tragen. „Und der sieht aus, als hätten sie mich in eine Zwangsjacke gesteckt“, sagt sie.

Dass die Rentnerin trotz starker Schmerzen ihren Humor nicht verloren hat, heißt nicht, dass sie viel Spaß versteht, was die Verantwortung der Stadt angeht: „Wir verklagen die Stadt“, kündigt sie an. Ehemann Horst, Blechbläser und Sänger der Barrelhouse Jazz Band, bestärkt sie darin: „Mich ärgert die Wurschtigkeit, mit der das hier vorbereitet wurde.“

Die Baufirma hat nicht zur Zufriedenheit der Stadt gearbeitet

Gestürzt ist Sabine Schwarz hinter dem Sauerkraut-Stand von Diana Fuchs, die wie andere Beschicker auch von argen Problemen mit dem Boden berichtet. Im hinteren Teil, der bislang nur als Parkplatz genutzt wurde, stolpert die im neu aufgeteilten Markt noch orientierungslose Kundschaft über lose Steine, tappt in unzureichend verfüllte, bis zu 15 Zentimeter tiefe Löcher und bleibt an Wurzeln hängen, die womöglich noch von den im Frühjahr spektakulär gefällten Kastanien herrühren. Anderenorts wäre eine solche Gefahrenquelle längst abgesperrt, meint Horst Schwarz.

Sie sollte auch gar nicht mehr vorhanden sein, folgt man Werner Hinkelbein, im Liegenschaftsamt für den  Markt zuständig: „Der Projektleiter war angewiesen, rechtzeitig Ausbesserungsarbeiten zu veranlassen.“ Als man sich aber am Freitag die Flächen angeschaut habe, sei deutlich geworden: Die Baufirma hat nicht zur Zufriedenheit der Stadt gearbeitet. Für Nachbesserungen sei’s zu spät gewesen, wegen des Dienstagsmarkts war auch am Montag nichts zu richten.

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