Werbemittel Schirm fehlt

Am Marktplatz buhlen Kommunalpolitiker um Wählergunst

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Überparteilich buntes Signal: Am 6. März wählen gehen! In der Frankfurter Straße treffen sich (von rechts) die Christdemokraten Peter Freier und Marc-Oliver Junker, die Sozialdemokraten Gertrud Marx und Andreas Schneider sowie die Freidemokraten Georg Schneider und Paul-Gerhard Weiß.

Offenbach - Zwei Wochen Zeit haben die örtlichen Parteien noch, die Offenbacher von ihren jeweiligen Vorzügen zu überzeugen. Ein Mittel ist der Straßenwahlkampf. Unser Reporter war an diesem Wochenende in der Innenstadt dabei. Von Harald H. Richter 

Es ist nicht viel los am Samstagvormittag in Offenbachs City, was kaum verwundert. Seit dem Morgen regnet es Bindfäden, der Wind pfeift durch die Straßen. Wer nicht unbedingt dringende Besorgungen zu erledigen hat, bleibt daheim. Die wenigen Passanten, die den Witterungsunbilden trotzen, eilen mit hochgeschlagenen Jackenkragen und beschirmt aus dem Kaufhaus zum Bus oder verschwinden bepackt mit Tüten vom Wochenmarkt im Parkhaus. Kaum jemand hat eine Hand frei, um an den Ständen der Parteien hingehaltene Flyer zu ergreifen. So bleiben gedruckte Botschaften und kleine Geschenke oft unbeachtet, mit denen Kandidaten um die Gunst des Wahlvolks werben.

Dennoch trotzen die Bewerber um ein neuerliches oder erstmals angestrebtes Abgeordnetenmandat sowohl dem Wetter, als auch verspürter Nichtbeachtung. Entschlossen treten sie an Passanten heran, ermuntern zur Stimmabgabe am 6. März und mühen sich, ihnen bei der Beantwortung der Kreuzchen-Frage kompakt und verständlich die Vorzüge des Kumulierens und Panaschierens nahezubringen.

„Regenschirme sollten wir verteilen, dafür gäbe es heute genug Abnehmer“, scherzt beim Blick zum wolkenverhangenen Himmel Annette Schroeder-Rupp von den Freien Wählern, die auch in der nächsten Legislaturperiode im Stadtparlament eine möglichst bürgernahe Politik mitgestalten möchte. Wichtigste Themen derer, die sich am Wilhelmsplatz aufs Gespräch mit ihr einlassen, sind die Kommunalfinanzen, der Öffentliche Personennahverehr und die Stadtbildpflege. „Oft fallen die Stichworte Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit“, berichtet die Diplomingenieurin.

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In unmittelbarer Nachbarschaft hat die CDU einen ihrer zwei Stände aufgebaut. Hier suchen unter anderem Fraktionsvize Roland Walter und Stadtverordnetenvorsteherin Sieglinde Nöller den Dialog mit dem Wahlvolk, während am Marktplatz inmitten oranger Luftballons Spitzenkandidat Peter Freier und der Parteinachwuchs um Marc Oliver Junker persönliche Wählerwerbung betreiben. Neben etlichen Druckerzeugnissen, aus denen mehr über die Kandidaten und ihre politischen Vorstellungen hervorgeht, verteilen die oppositionellen Christdemokraten päckchenweise Zellstofftaschentücher. Das geschieht nicht etwa aus Verschnupfung über die Fehler des politischen Gegners, sondern weil sich ein solcher Streuartikel in der nassen Jahreszeit einfach anbietet.

In Blickweite zu den Schwarzen gehen die Roten in Stellung und mit süßen Verführungen auf Stimmenfang. SPD-Spitzenkandidatin Gertrud Marx und Fraktionschef Andreas Schneider verteilen an ihrem Stand Probiergläschen mit Konfitüre. Gegen Mittag sorgen dort die Jungsozialisten in knallroten Ganzkörperanzügen für Beachtung, bringen während ihres gruppendynamischen Auftritts Popcorn unter die Leute. „Wir sind immer gut für was Spektakuläres“, freut sich Juso-Chef Philipp Türmer über die erzielte Aufmerksamkeit.

Unterdessen diskutiert Paul-Gerhard Weiß am FDP-Stand vor der Schwanen-Apotheke mit Passanten und erfährt von Klagen über Verzögerungen bei der Schulgebäudesanierung und der Nachmittagsbetreuung. „Der Unmut unter Eltern ist groß“, fasst er seinen Eindruck aus weiteren Gesprächen mit Bürgern im Kommunalwahlkampf zusammen.

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Mit ganz konkreten Missständen wird an diesem Mittag die Linke konfrontiert, die am Aliceplatz Präsenz zeigt. „Uns haben Elternvertreter der Eichendorffschule auf Missstände hingewiesen, unter denen ihre Kinder zu leiden hätten“, berichtet Peter Schnell und nennt die Stichworte Feuchtigkeit und Schimmelbildung. Diese Übel seien zwar seit längerem im Rathaus aktenkundig, würden aber nicht abgestellt, die besorgten Eltern vielmehr nur beschwichtigt. Nicht wenige Bürger treibe auch die Sorge um die Bezahlbarkeit von Wohnraum in der Stadt um. „Das sind konkrete Herausforderungen, denen sich die Kommunalverantwortlichen stellen müssen, um ein sozial ausgewogenes Offenbach zu schaffen“, verlangt Fraktionsvorsitzende Elke Kreiss.

Als am frühen Nachmittag der Regen noch immer nicht aufhören will, packen die Wahlkämpfer ein und verstauen ihr arg durchweichtes Restmaterial in ihre Fahrzeuge. „Es hat keinen Sinn mehr“, heißt es unisono. Aber nächsten Samstag geht das Werben der Demokraten um Wählerstimmen weiter.

Dann könnten auch die diesmal gar nicht erst erschienenen Grünen das politische Farbenspektrum am Marktplatz um eine Nuance bereichern. „Denen war es wohl heute zu grau“, spöttelt ein Helfer.

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