Grundsatzbeschluss zum Umbau gefasst

Sperrungen am Marktplatz verteidigt

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Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider wirbt für den Umbau des Marktplatzes.

Offenbach - Blättern Offenbacher – sagen wir mal im Jahr 2033 – in den städtischen Annalen, sie werden die dort festgehaltene Diskussion, die am Abend des 12. September 2013 im Stadtparlament um den geplanten Umbau des Marktplatzes entbrannte, wohl als bizarr empfinden. Von Matthias Dahmer

Eine durchgängige Innenstadt-Fußgängerzone von der Kaiserstraße bis zum Wilhelmsplatz lieb gewonnen, werden sie verwundert nachlesen, mit welchen Argumenten der damals noch rollende Autoverkehr auf dem Platz verteidigt wurde.

Genug in die Zukunft geblickt: Am Donnerstagabend fasste die Stadtverordnetenversammlung den Grundsatzbeschluss zum Marktplatz-Umbau, der mit weit reichenden Änderungen für den Autoverkehr verbunden ist. Während die Koalition zusammen mit den Linken die Magistratsvorlage uneingeschränkt befürwortete, lehnte die FDP in einem Punkt ab: Der beabsichtigten Sperrung des Platzes für den Durchgangsverkehr von der Berliner auf die Waldstraße. Die CDU-Fraktion sprach sich indes gegen den Entwurf als ganzen aus.

Keine Aufwertung auf die Schnelle

Fraktionsvize Roland Walter erläuterte ausführlich, warum: Eine Aufwertung des Platzes sei grundsätzlich sinnvoll, solle aber in Ruhe zusammen mit dem angepeilten Masterplan angegangen werden. In den vorgelegten Plänen, die auf veralteten Zahlen basierten, sah er lediglich eine „Ausgrenzung des Individualverkehrs“.

Walter prognostizierte angesichts der beabsichtigten Sperrung der Nord-Süd-Achse Staus vor allem an Bleich- und Geleitsstraße. Ebenso befürchtete der CDU-Politiker, dass es bei den bislang veranschlagten Kosten von 4,3 Millionen nicht bleiben werde. Bezahlen, so Walter, dürften wie schon beim Wilhelmsplatzumbau die Anlieger, auf die bis zu 75 Prozent der Kosten umgelegt werden könnten. „Die Bürger sollen wieder einmal gegängelt, bevormundet und zur Kasse gebeten werden“, schimpfte er. Zugleich kündigte er an: „Es kommt noch Gegenwind vom Einzelhandel.“

Oberbürgermeister wirbt für Umbau

Oberbürgermeister Horst Schneider warb hingegen für den Umbau, dem ein ganz langer Entscheidungsprozess vorausgegangen sei. Er räumte ein, auch er hätte sich das Ganze ohne eine Sperrung für den Durchgangsverkehr vorstellen können. Doch die Fachleute im Rathaus hätten ihn eines Besseren belehrt: Mit den derzeit 7000 Autos, die täglich über den Marktplatz rollen, sei der vorgesehene verkehrsberuhigte Geschäftsbereich, der „Shared Space“, nicht genehmigungsfähig. In Richtung Union, die schon gegen die Pläne gewesen sei, Aliceplatz und Frankfurter Straße hin zur Kaiserstraße zur Fußgängerzone umzubauen, appellierte der OB: „Seien Sie weiter wertekonservativ, aber nicht so strukturkonservativ.“

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