Marktplatz in Offenbach

Diskussion zu Umbau-Plänen 

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Erkenntnis der Bürgerbeteiligung: Der Marktplatz wird von den Offenbachern nicht als ein Platz wahrgenommen. 

Offenbach - Der Marktplatz ist vieles, nur kein einheitlicher Platz: Verkehrsknoten, Betonwüste, Treffpunkt, Freiraum, Durchfahrtstraße. Er wird als eher trennend denn verbindend empfunden. Von Martin Kuhn

Das steht nach dem Marktplatz-Forum, das die Stipendiaten Ragna Körby und Tobias Kurtz für die Stadt entwickelten und begleiteten, fest. Angesagt und erwünscht: Bürgerbeteiligung, bevor der erste Planer einen Entwurf präsentiert. Einige verfolgen das mit einer gewissen Skepsis. Sie fürchten, dass längst alle Entscheidungen getroffen sind. Der Marktplatz, eine einzige Fußgängerzone. „Das ist Quatsch und nie Ziel gewesen“, sagt Oberbürgermeister Horst Schneider.

So mahnt der Hessische Einzelhandelsverband Mitte-Süd in einem Schreiben, das breit gestreut ist: „Eine Sperrung für den Durchgangsverkehr (Pkw oder ÖPNV) darf keine Option sein.“ Und weiter: Es bestehe die Gefahr der stillen und dauerhaften Abwanderung von Kaufkraft aus der Offenbacher Innenstadt.

Woher kommt dieser spürbare Widerstand gegen etwas, das offensichtlich gar nicht geplant ist? „Mangelndes Vertrauen“, heißt es aus der lokalen Geschäftswelt. Schneider ahnt, worauf dies begründet ist: „Die viertägige, probeweise Sperrung war der Tabubruch. Sie nährte den Verdacht, dass wir aus dem Marktplatz eine Fußgängerzone machen.“ Ein unbegründeter Verdacht, wie er nochmals betont.

Umfrage zum Marktplatzumbau

Der Umbau des Marktplatzes in Offenbach wird heiß diskutiert. Wir haben Passanten und Einzelhändler gefragt, was sie davon halten würden, wenn der Marktplatz für den Autoverkehr gesperrt werden würde.

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Grundlage aller Entscheidungen sei der Verkehrsmanagementplan aus dem Jahr 2007, sagt Verkehrsplanerin Astrid Tschann vor etwa 70 Gästen im Rathaus – darunter Geschäftsleute Kommunalpolitiker, Verwaltungsmitarbeiter. Im Plan sei lediglich die Rede davon, wie die Trennwirkung des Marktplatzes zu beseitigen ist. Nachzulesen im Internet: „... des als verkehrsberuhigten Bereich auszubildenden Marktplatz.“ Wie das funktionieren könnte, war allerdings nie Thema des Marktplatz-Forums. Der Verwaltungschef wiederholt: „Was wir jetzt haben, ist ein grandioses Missverständnis.“

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Das stellt ein wenig die Arbeit von Ragna Körby und Tobias Kurtz in den Schatten, die – gefördert vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung – ein anderes Ziel verfolgten: umfassende Beteiligung auch schwer erreichbarer Bevölkerungsgruppen. „Das ist gelungen“, resümieren die Stipendiaten. Stichworte: Freiluft-Sprechstunde, Ideen-Basar, Internet-Blog, Marktplatz-Woche. Die Diplom-Ingenieure der TU Berlin wollen umfassend niederschreiben, was für sie am Ende steht. Es ist eine Grundlage für die künftige Entwicklung – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Beschluss über Wettbewerbsvorgabe für Herbst vorgesehen

Eine Erkenntnis lautet: Es gibt nicht „den“ Marktplatz, sondern mehrere Plätze auf dem Marktplatz (siehe Grafik). Und: Ein „Platzgefühl“ wie etwa auf dem Wilhelmsplatz wird es an dieser Stelle auch künftig nicht geben. Die Anforderungen indes sind immens. Etwa beim Thema Verkehr: Bessere Orientierung, Verknüpfung der Mobilitätsangebote, Erreichbarkeit der Parkhäuser erhalten. Gleichzeitig soll die Barrierewirkung der Fahrbahn reduziert und mehr Aufenthaltsqualität erzeugt werden. Kein leichtes Unterfangen, zumal der kommunale Haushalt ein hoch defizitärer ist. Das maximale Budget für den Marktplatz liegt bei 6,3 Millionen Euro, wobei 72 Prozent der Ausgaben durch Fördertöpfe gedeckt sind.

Es dürften einige Jahre und viele Diskussionen sowie Abstimmungen vergehen, ehe tatsächlich gebaut wird. Ein Beschluss über eine Wettbewerbsvorgabe ist für den Herbst 2012 vorgesehen. Für Vorbereitung und Auslobung sind etwa acht Monate, für Entwurfsplanung und Projektbeschluss sechs Monate, für Ausführungsplanung und EU-Ausschreibung sechs Monate, für den Bau 24 Monate kalkuliert. Zur Erläuterung und wohl auch zur Beruhigung weiter skeptischer Stimmen fügt Ragna Körby hinzu: „Heute endet der Beteiligungsprozess, nicht die Bürgerbeteiligung.“

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