Kritik der Beschicker

Marktplatz-Umbau: Pläne sorgen für Unmut

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Sauer auf den Oberbürgermeister: Die Marktbeschicker Petra Heckelmann (links), Bernd Benner und Rosita Schlecht.

Offenbach - Der geplante Umbau des Marktplatzes und die damit einhergehende Änderung der Verkehrsführung auf dem Wilhelmsplatz erhitzt die Gemüter. Wir haben uns mit Anwohnern, Marktbeschickern, Gewerbetreibenden und Gastwirten unterhalten. Von Christian Wachter und Rebecca Röhrich 

Am Freitagmorgen gibt es bei den Marktbeschickern und Gewerbetreibenden am Wilhelmsplatz nur ein Thema: Die neue Verkehrsführung, die die Stadt Offenbach im Zuge des Marktplatz-Umbaus vorsieht. Wie berichtet, soll die Einbahnstraße auf der östlichen Seite umgedreht werden, so dass der Wilhelmplatz künftig nur noch von Nord nach Süd passiert werden kann. Besonders die Marktbeschicker üben Kritik. Sie fühlen sich von diesen Plänen gar in ihrer Existenz bedroht: „Da kommt kein Mensch mehr in die Innenstadt und auf unseren Markt“, sagt Petra Heckelmann, Vorsitzende des Marktvereins. „Von Süden aus ist der Wilhelmsplatz dann nicht mehr zu erreichen.“ Dies bedeute einen höheren Aufwand für die Marktbeschicker, die diesen Weg als Zufahrt benutzen.

Auch die Ausfahrt der Beschicker vom Markt wird mit der neuen Verkehrsführung eine Herausforderung. Petra Heckelmann: „Das ist aktuell so ausgerichtet, dass wir vom Markt nach links Richtung Bieberer Straße fahren können.“ Wenn die Straße am Wilhelmsplatz künftig in Richtung Wilhelmstraße als Einbahnstraße ausgewiesen werde, sei ein aufwändiges Rangieren der Lkw und größeren Autos nötig. Viele ansässige Geschäftsleute sehen das ähnlich: „Das ist großer Mist!“, schimpft Dr. Hans-Rudolf Diefenbach, Besitzer der Rosenapotheke. „Wir wollen erreichbar bleiben.“ Außerdem fürchtet Diefenbach, dass es mit der neuen Verkehrsführung vermehrt zu Staus in der Geleitsstraße kommen wird.

Gabriele Petras, Inhaberin des Optik-Geschäfts Guck an der Bieberer Straße, sieht noch ein weiteres Problem: „Hanau hat auch einen schönen Markt. Wenn es so kompliziert wird, auf unserem Markt einzukaufen, werden sich die Leute vielleicht umorientieren.“ Die Meinung der Anwohner ist geteilt: „Ich wohne auf der östlichen Seite des Wilhelmsplatzes nahe der Ecke Bleichstraße. Mit der neuen Verkehrsführung kann ich nicht mehr die 15 Meter von der Bleichstraße in meine Garage fahren, sondern muss einen zwei Kilometer langen Umweg auf mich nehmen“, sagt Bruno Becker. Dies koste nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Er hat seinen Unmut bereits per Mail Oberbürgermeister Horst Schneider zukommen lassen. Der lässt ihn wissen: Dadurch, dass der Durchgangsverkehr rausgenommen werde, würden die Anwohner entlastet. Becker werde sich schon umgewöhnen und solle sich nicht gleich wieder „in die Reihe der Meckerer stellen“, so der OB. Das ärgert Bruno Becker, er fühlt sich nicht ernst genommen.

Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz

In einem Mail-Austausch mit Dr. Dorothea Terpitz, ebenfalls Anwohnerin am Wilhelmsplatz, schreibt OB Schneider, die Anwohner sollten doch an das allgemeine Interesse, eine attraktivere Innenstadt, denken. Ein schwaches Argument, findet Becker. „Wenn die Innenstadt vom Süden aus nicht mehr erreichbar ist, wird die Käuferschicht abwandern. Nach Frankfurt, ins Isenburg-Zentrum oder ins Ring-Center.“ Dann drohe eine Verödung der Innenstadt. „Ich verstehe nicht, warum wir das Verkehrsproblem nicht wie viele Städte in Frankreich oder Portugal lösen“, sagt Becker. Dort würden versenkbare Poller nur Anwohnern die Zufahrt in engen Stadtgebieten erlauben. Von den aktuellen Plänen habe keiner der Beteiligten etwas.

Für einen anderen Anwohner sind die Pläne der Stadt dagegen nicht konsequent genug. „Ich bin dafür, dass wir den ganzen Wilhelmsplatz zu einer autofreien Zone machen“, sagt Peter Heßler. Die Marktbeschicker und die Anwohner sollten eine Ausnahmegenehmigung erhalten. Die vielen Autos würden ohnehin die Fußgänger gefährden. Ein Anwohner der Friedrichstraße, Carlo Landesvatter, schreibt in einem Leserbrief: „Wieder einmal zeigt sich, dass unsere Verkehrsplaner offensichtlich nur am grünen Tisch ihre Planspiele durchführen und sich dann nur mit Befürwortern ihrer Maßnahme unterhalten.“ Er wisse nicht, wie er künftig ohne massiven Umweg zu seiner Wohnung kommen solle. Die Umwelt werde dadurch verstärkt belastet.

Die Gastronomen sehen die Umbaupläne unterschiedlich: „Ich rechne mit Umsatzeinbußen wenn die Pläne tatsächlich Realität werden“, sagt Stefan Klemisch, der die Brasserie beau d’eau am Wilhelmsplatz betreibt. Gelassener sieht das dagegen Youssef El Machit, Mitinhaber der Restaurants Tafelspitz, Morleos Bar und Fleischeslust. „Wir haben doch sowieso keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Stadt.“ Allerdings freut er sich darüber, dass die Autos dann nicht mehr um den Wilhelmsplatz fahren können. Auch die CDU lehnt die Pläne nach den Worten ihre Fraktionsvorsitzenden „komplett ab“. Peter Freier befürchtet unter anderem, dass bei Umsetzung der westliche Teil des Wilhelmsplatzes deutlich stärker mit Verkehr belastet wird. Zudem sei dann die Erreichbarkeit der Innenstadt von Süden aus nicht mehr gegeben. „Was mich aber besonders erstaunt ist, dass das Vorhaben offenbar mit keinen Betroffenen abgesprochen ist. Wenn der Oberbürgermeister berichtet, er habe das kommuniziert, meint er, dass er es verkündet hat“, so Freier. Das sei ein merkwürdiger Stil.

Umfrage aus dem Jahr 2012 zum Marktplatzumbau in Offenbach

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