Die Pippis bieten Feuer gegen Mulch

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Kinderfarmerinnen mit Kickers-Mensch bei der Geschäftsanbahnung im IHK-Domizil.

Offenbach - Pippi Langstrumpf, doppelte Ausführung, knallbunt, Antennenzöpfe - nicht ganz geheuer? Jetzt, so kurz vor dem Gong, könnte man vielleicht noch einen Fluchtversuch vom „Marktplatz für gute Geschäfte“ bei Offenbachs Industrie- und Handelskammer wagen. Von Marcus Reinsch

Wäre aber natürlich sinnlos. Jedem Unternehmer im Saal ist seit dem ersten Blick in die Runde klar, dass an Natascha Nickolaus und Stephanie Grabs kein Weg vorbei führt. Schon geografisch. Die Damen von der Kinder- und Jugendfarm Rödermark tragen Wunschzettel im überbreiten Plakatformat auf dem Rücken, weichen sich niemals von der Seite. Eine Wand aus Grün und Blau und liebenswertem Selbstbewusstsein.

Trifft sich also gut, dass sowieso niemand hier ist, um jemandem nicht zu begegnen. Und das würde ja auch die Kernidee des „Marktplatzes“ ad absurdum führen: Die Interessen von Gemeinnützigen und Unternehmern auf einen Nenner bringen, ohne Geld in die Hand zu nehmen. Sprich: Rückbesinnung auf den Tauschhandel. Das hat bei den drei bisherigen Veranstaltungen dieser Art gut funktioniert, das funktioniert dank der Vorarbeit des organisierenden Freiwilligenzentrums Offenbach und der Unterstützenden aus IHK, Stadt und Kreis Offenbach auch jetzt ganz wunderbar.

Wie am ersten Winterschlussverkaufsvormittag

Also: Gong, ein echter! Das erfrischend verspielte Geschäftsanbahnungsritual entfesselt in den Vertretern einiger Dutzend wohltätiger oder mindestens gemeinnütziger Institutionen und Vereine den Jagd- und Sammeltrieb. Alles läuft zielsicher auf die ebenfalls im vielfachen Dutzend erschienenen Unternehmer zu. Schüchternheit würde nur stören. Die Szene erinnert ein wenig an eine Tanzstunde und ein wenig auch an das Aufschließen der Kaufhaustüren am ersten Winterschlussverkaufsvormittag.

Allerdings weiß hier jeder sehr genau, was er will. Schon im Vorfeld haben die Beteiligten ihre Bedürfnisse durchgegeben; lange Listen an der Wand verraten, dass zum Beispiel Brigitte Fenn für die Fitness- und Gesundheitssportler der DJK Sparta Bürgel einheitliche T-Shirts sucht. Die Aids-Hilfe Offenbach will einen Transporter, die Initiative „LikeOF“ ein temporäres Ladenlokal, der Kunstverein Offenbach einen „Kochprofi für die Zubereitung von Flammkuchen bei Straßenfesten“ samt Zutaten, der Frau-Mutter-Kind-Verein Umzugshelfer mit und ohne Motor, die evangelische Kirche Dudenhofen einen Kaffeeautomaten. Der Kinderzirkus Wannabee braucht dringend jemanden, der mal nach seinem streikenden Traktor guckt. Und viele andere brauchen vieles andere.

OFC-Spieler besuchen Kinder- und Jugendfarm

Sie bekommen es. Zumindest die meisten. Denn wer nicht verkleidet oder extrovertiert genug ist, um genug unternehmerische Aufmerksamkeit für sich und seinen Bedarf zu erzeugen, wird von einem der „Makler“ - Ehrenamtler mit knallroten Hüten - ein paar Leuten vorgestellt. Das wirkt zuverlässig. Im September 2010 zum Beispiel gab es nach den zwei Stunden Handelszeit 99 Vereinbarungen zwischen 32 Unternehmen und 29 gemeinnützigen Unternehmen. Und auch diesmal dauert es keine zehn Minuten, bis sich vor den Tischen mit den „Notaren“, die die heiß begehrten Kooperationsverträge beglaubigen, eine Schlange bildet.

Brigitte Fenn und Monika Schneider stehen auch drin. Sie haben für die DJK Bürgel ruckzuck T-Shirt-Zusagen ergattert. Im Gegenzug wird Fenn die Büromenschen der spendablen Personalagentur demnächst mal richtig auf Trab bringen. So müht sich jeder, der etwas bekommt, etwas zurückzugeben. Ein Ständchen vielleicht, eine Theatervorführung, einen Beitrag zum menschenfreundlichen Ruf des Unternehmens.

Wie genau sie dem OFC dafür danken können, dass er ihnen zur baldigen Eröffnung ihres Multifunktionssportfeldes Fußballer als Publikumsmagneten schicken will, wissen die Pippi Langstrumpfs der Rödermarker Kinder- und Jugendfarm zwar noch nicht genau. Aber dass die Gönner nicht leer ausgehen werden, das stehe mal fest, sagt Stephanie Grabs und muss dann schnell weiter. Immerhin brauche die Farm noch dringend eine Fuhre teuren Rindenmulch, was ja unter Umständen mit einem Lagerfeuerabend oder einem selbstgebackenen Kuchen abzugelten sei. „Und dann haben wir noch einen Fahnenmast, aber keine Fahne. Das geht nicht!“

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