Unrühmliche Stadtgeschichte

Marktplatz-Umbau: Eine langwierige Politposse endet

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Am Montag starten die Vorarbeiten zum Marktplatzumbau. Mit einer Kamera werden die Abwasserleitungen am Marktplatz und in der Bieberer Straße überprüft. Da die Eingänge zur Kanalisation auf der Fahrbahn liegen, ist mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen, zu einer kompletten Sperrung kommt es aber nicht.

Offenbach - Nach monatelangem Hin und Her, verschenkten Fördergeldern und einer Kompromisslösung beginnt im März endlich der Marktplatzumbau. Erste Vorarbeiten starten bereits am Montag. Damit endet ein unrühmliches Kapitel von Machtkämpfen im Magistrat. Von Steffen Müller

Die angekündigte Fällung von sechs Bäumen war erst der Anfang. Eine weitere Meldung über anstehenden Kanalarbeiten zeigt: Der Umbau am Marktplatz rückt näher. Wie die Stadt mitteilt, werden ab Montag die Abwasserleitungen am Marktplatz und in der Bieberer Straße per Kamerabefahrung untersucht. Während der etwa zwei Wochen dauernden Kontrollen ist mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Da die Einstiegsöffnungen des Hauptkanals auf der Fahrbahn liegen, wird die Straße punktuell gesperrt, Fahrzeuge können die Baustellen aber unter Berücksichtigung des Gegenverkehrs umfahren.

Noch-Oberbürgermeister Horst Schneider hat die Neugestaltung des Marktplatzes stets als „Schlussstein der Innenstadtentwicklung“ bezeichnet, der Weg zu den finalen Umbauplänen war aber ähnlich beschwerlich wie die Suche nach dem Heiligen Gral. Mit dem Unterschied, dass der Offenbacher Schlussstein nicht nur eine Legende bleiben wird.

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In die Annalen der Stadt wird der Marktplatzumbau jedoch nicht wegen seines großen Einflusses auf die Wiederbelebung der City eingehen, sondern aufgrund der politischen Posse rund um die Planungen. Bei kaum einem anderen Projekt wurden der Machtkampf im Magistrat zwischen dem SPD-OB Horst Schneider und den übrigen Mitgliedern der Tansaniakoalition deutlicher. Als eine der ersten Amtshandlungen nach der Kommunalwahl 2016 schob die neue Mehrheit Schneiders wichtigstem Vorhaben einen Riegel vor. Das vorgesehene Durchfahrtsverbot für den Verkehr wurde wieder gekippt. Im Herbst 2017 folgte eine Absage an die Verlegung der Zelthaltestelle vor das Stadthaus an der Berliner Straße. Das geplante Ziel, das Verkehrsaufkommen an dem zentralen Platz zu senken, ist durch diese Kompromisslösung schwieriger zu erzielen.

Kompromisslösung deshalb, da der Umbau nach den neuen Plänen drei Millionen Euro weniger kostet, kalkuliert wird mit 5,1 Millionen Euro. Davon zahlt die Stadt 1,06 Millionen, auf die Anwohner kommen 1,44 Millionen durch Straßenbeiträge zu. 2,6 Millionen stammen aus dem hessischen Förderprogramm „Aktive Innenstadt“. Diese Summe hätte höher sein können, wenn der Beschluss wie geplant im Sommer gefasst worden wäre. Durch die Verzögerung wegen mehrfacher Änderungen an den Plänen sind der Stadt rund 300.000 Euro entgangen.

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Als die finale Fassung im November endlich vom Stadtparlament verabschiedet wurde, machten alle Beteiligten in der abschließenden Debatte ihrem Unmut noch einmal Luft. SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Wilhelm kritisierte, Tansania habe „anderthalb Jahre für einen nicht mal mittelmäßigen Entwurf“ gebraucht, sein CDU-Amtskollege Roland Walter entgegnete, die CDU habe den Marktplatzumbau nie priorisiert. „Aber wir haben dieses Projekt geerbt und mit unseren Koalitionspartnern die einzig vertretbare Variante vorgelegt.“

Die Umbau-Pläne

Die Umgestaltung des Marktplatzes beginnt im März und soll unter Aufrechterhaltung aller Verkehrsbeziehungen Ende April 2020 abgeschlossen sein. Und das ändert sich konkret: 

  • Fahrbahn: Die Fahrbahn wird schmaler und von 10 auf 6,80 Meter reduziert. Im Gegenzug werden die Gehwege breiter. Da die Geschwindigkeit für Autos auf 20 km/h reduziert wird, soll es für Fußgänger leichter werden, den Platz zu überqueren. Dennoch bleibt die Ampel in Höhe der Frankfurter Straße erhalten.
  • Barrierefreiheit: Nach dem Umbau soll der Platz barrierefrei sein. Zwar gibt es zwischen Gehwegen und Fahrbahn einen etwa drei Zentimeter hohen Bordstein, der aber für Rollstuhlfahrer kein Problem sein soll.
  • Asphalt: Gehweg und Straße werden einheitlich gestaltet, geplant ist eine hellere Oberfläche.
  • Radverkehr: Radler dürfen in der Bieberer Straße gegen die Einbahnstraße und am Marktplatz in Richtung Norden fahren. Ein Überholen stehender Busse ist durch eine neue „Umweltspur“ am Marktplatz möglich. Die Anzahl der Fahrradabstellplätze erhöht sich von 26 auf 70. Davon sind 40 Stellplätze auf dem Marktplatz und 30 in der Bieberer Straße angeordnet.
  • Parken: Das Linksabbiegen in das Parkhaus „Marktplatz“ an der Waldstraße ist zukünftig von der Berliner Straße her möglich. Die Taxis- und Behindertenstellplätze bleiben in der Bieberer Straße bestehen. - Sitzgelegenheiten: Das Bankkonzept sieht über den Platz verteilt drei Schwerpunkte zum Verweilen vor: Vor der Schwanen-Apotheke, südlich des Brunnens und vor „Koffer Roth“. Der Brunnen selbst wird erhalten und in die Verlängerung der Bieberer Straße umgesetzt und bekommt, als Verstärkung des Ensembles, kleine Sitzwürfel, die zum Ausruhen einladen.
  • Bäume: Es werden fünf Bäume gefällt, und dafür sieben neue gepflanzt.
  • Brunnen: Der 1971 von Ottomar Gassenmeyer geschaffene Brunnen wird erhalten und in die Verlängerung der Bieberer Straße umgesetzt.

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