Wie ein Urlaub mitten in der Großstadt

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Frühstück im Grünen - auf Offenbachs Markplatz; Stefan Kyrieleis und Gisela und Eckhard Kramm probieren’s aus.

Offenbach - Es ist ein sonniger Samstag in Offenbach. Einige Familien haben sich zum Picknick getroffen und ihre Decken ausgebreitet, der Geruch von Grillwürstchen liegt in der Luft, Kinder springen fröhlich herum. Von Dominique Heinbach

Ein ganz normaler Wochenendausflug – mit dem Unterschied, dass dieses Picknick nicht auf einer Wiese stattfindet, sondern mitten in der Stadt, auf der zweiten Ebene über dem Marktplatz. Dieses „Urbane Picknick“ ist eine Mitmachaktion zum Abschluss der Marktplatzwoche vom 23. bis zum 26. Mai.

„Viele halten diese zweite Ebene für hässlich und waren noch nie hier oben“, sagt Astrid Tschann (37) von der Stadtplanung Offenbach, „wir wollen mit dem Picknick zeigen, wie schön die Aussicht von hier oben aus ist – wie ein Balkon für den Marktplatz.“ Auch Claudia Stiefel picknickt an diesem Wochenende urban. „Ich könnte mir hier einen mobilen Stadtgarten wie den Prinzessinnengarten in Berlin auf dem Moritzplatz vorstellen“, sagt die 33-jährige, „so eine grüne Stadtoase als Ort für interkulturellen Austausch hätten wir gern hier. Das wäre wie Urlaub in der Stadt.“

Deutlich bunter und grüner geworden

Der Marktplatz ist deutlich bunter und grüner geworden in dieser Woche. Am Geländer der Ebene, auf dem das Picknick stattfindet, flattern bunte Bänder, überall stehen Blumenkübel, der gesamte Platz ist mit buntem „Kaugummikonfetti“ übersäht. Kaugummireste wurden mit Kreide besprüht. „Dabei hatten alle Beteiligten einen Riesenspaß“, erzählt Ragna Körby vom Marktplatz-Forum-Team. Für die Koordinatorin der Bürgerbeteiligung zum geplanten Umbau des zentralen Platzes war es eine spannende und interessante Woche: „Es wurde eine Atmosphäre geschaffen, um sich auszutauschen. Dabei bieten die Mitmachaktionen eine ganz andere Gesprächsplattform als die Stände.“

Eine Asiatin bringt ihr während der Abschlussführung Frühlingsrollen vorbei. Ragna Körby bedankt sich freudig und strahlt über das ganze Gesicht. „Die Dame lebt seit 15 Jahren in Offenbach, ist begeistert von den Aktionen und war fast täglich bei unserer Marktplatz-Sprechstunde“, erklärt sie. „Ich hatte sie zum Picknick eingeladen, aber sie hat es zeitlich leider nicht geschafft.“ Der Marktplatz ist gut besucht an diesem Samstag. Einige Menschen sind gezielt wegen der Aktionen da, andere sind gerade beim Einkaufsbummel und geraten zufällig an die Aktionsstände. Klaus Rindelski kommt gerade vom Markt und bleibt interessiert bei der Tischgesellschaft der Lokalen Agenda21 stehen. „Ich finde die Marktplatzwoche an sich nicht schlecht“, sagt der 48jährige, „da keine Autos fahren dürfen, es ist wesentlich ruhiger als sonst.“

Kontroverse Diskussionen rund ums Thema Marktplatz

Barbara Levi-Wach von der Lokalen Agenda 21 hat viele kontroverse Diskussionen rund ums Thema Marktplatz erlebt. „Wir haben von tollen Argumenten bis hin zu Beschimpfungen alles gehört und konnten viele Missverständnisse aufklären“, erzählt die 66-Jährige. Unter dem Thema „Offenbach findet zusammen“ wird bei der Tischgesellschaft der Agenda gerade eine Patchworkdecke genäht. „Die steht für die Stadt mit Ecken und Kanten“, erklärt Barbara Levi-Wach.

Markus Maurer hat für die Akton sogar seinen Kickers-Schal geopfert. Er stammt aus Offenbach und lebt in Mörfelden. An diesem Samstag ist er gezielt wegen der Marktplatzwoche in seine Heimatstadt gefahren. Während seine Frau einkauft, nutzt er die Mitmachaktionen. „Ich finde die Aktion klasse. Offenbach hat schon jede Menge getan, um von seinem schlechten Image wegzukommen, ein tolles Beispiel ist der Wilhelmsplatz“, sagt der 48-Jährige begeistert.

Linda Lange hat für ihr Stück der Decke ein Schiff auf dem Main genäht. „Ich finde die Nähaktion toll“, sagt die 66-Jährige, „es machen so viele Leute mit, sogar Kinder, die noch nie vorher genäht haben.“ Die neunjährige Zoi Kotanidou, deren Eltern aus Griechenland stammen, hat ihr geholfen. Auch Kristina Stasiulyte aus Litauen und Jonny Greenland aus Teneriffa nähen mit. Die jungen Touristen fahren per Anhalter durch Europa und sind an diesem Wochenende in Offenbach gelandet. Designerin Astrid Merger, die die Nähaktion betreut und die Stoffe mitgebracht hat, freut sich über so viel interkulturellen Austausch: „Das ist Multikulti vom Feinsten!“

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