Hürdenlauf zum Supermarkt

Marode Gehwege wecken zunehmend Unmut der Anwohner

Stolperfallen wie hier auf dem Bürgersteig der Senefelderstraße gibt es in Offenbach leider zuhauf. Wenn es an die Mängelbeseitigung geht, sind abstehende Bodenplatten weit oben auf der Prioritätenliste des Stadtservice, schließlich können sie ernstzunehmende Gefahrenquellen darstellen. -  Fotos: Kuhn

Offenbach - In letzter Zeit häufen sich die Beschwerden: Gelöste Bodenplatten, großflächige Löcher und Bruchstellen – viele Gehwege in Offenbach bergen gefährliche Stolperfallen. Im Februar kündigte der Stadtdienstleister ESO an, diesbezüglich einen Kataster zu erstellen. Von Marian Meidel 

Dieser nähert sich nun seiner Vollendung. Gerade für Senioren und Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, kann schon der Weg zum Supermarkt mitunter zum Hürdenlauf werden. Wenn einzelne Bodenplatten sich zentimeterhoch von den restlichen abheben oder mitten im Gehweg plötzlich großflächige Löcher klaffen, ist man als Fußgänger schnell mal gestürzt. Ein bekanntes Problem, dessen Behebung an einigen Stellen schmerzlich auf sich warten lässt.

Ein anderer Abschnitt des Odenwaldrings sieht zum gleichen Zeitpunkt indes desaströs aus.

Wie sehr das Thema Vielen auf den Nägeln brennt, zeigt sich daran, wie sehr sich zuletzt die empörten Leserzuschriften an unsere Redaktion gehäuft haben. Während eine Leserin beispielsweise moniert, dass dem Gehweg an der Geschwister-Scholl-Straße mehrere Platten fehlen und Fußgänger deswegen schon auf die Straße ausweichen müssen, berichtet ein Anwohner der Heinrich-Heine-Straße, dass er dies vor seinem Haus schon lange mache, da er auf dem Bürgersteig bereits mehrfach fast gestürzt sei. Tenor dieser Beschwerden: Die Stolperfallen sind gefährlich – warum behebt die Stadt sie so lange nicht?

„Da ist gerade einiges im Umschwung“, versichert Sigrid Aldehoff, Sprecherin des zuständigen Stadtdienstleisters ESO. Im Februar verlautbarte die Dienstleistungsgesellschaft auf Nachfrage unserer Zeitung, dass im Zuge des „Nahmobilitätsplans“ ein Kataster zum Zustand der Gehwege in Planung sei. Dieser ist mittlerweile fast fertig, wie Aldehoff bestätigt. „Ein neuer Kataster erneuert aber noch nicht die Straßen“, mahnt sie an. Dafür braucht es vor allem eines: Finanzmittel. Seit Februar habe die Stadt aber kein unerwarteter Geldsegen ereilt. „Wir müssen die Ressourcen, die wir haben, dafür aufwenden, erst einmal die schlimmsten Mängel zu beheben.“

Eine Passage des Bürgersteigs am Odenwaldring hat die Stadt erst unlängst saniert.

2,5 Millionen Euro überweist die Stadt jährlich an die Stadtwerke-Holding, um damit Reparaturen an Straßen und Gehwegen zu finanzieren. Auch Hochwasserschutz, Beschilderungen und Bereitschaftsdienste werden mit diesem Betrag abgegolten. 2017 errechnete die Stadt, was sie der Erhalt des lokalen Straßennetzes kosten würde. Die stattliche Summe beläuft sich auf mehr als 35 Millionen Euro (wir berichteten). Das reicht indes weder für umfassende grundhafte Erneuerungen, noch für die Instandsetzung sämtlicher Gehwege.

Nicht zuletzt aufgrund der begrenzten Mittel hat die Stadt eine klare Prioritätenliste, welche Gehweg-Mängel als erste zu beheben sind. „Maßgeblich ist, wie stark eine Straße genutzt ist“, so Aldehoff. Bürgersteige vor Schulen oder Seniorenheimen genießen in diesem Zusammenhang ebenso den Vorzug wie die belebte Fußgängerzone. In Kürze will die Stadt die Details bezüglich ihres neuen Katasters bekannt geben. Aktuell befinde dieser sich noch im Probelauf, so Aldehoff.

Wie berichtet, sind in den vergangenen zwei Jahren mehrere hundert Meldungen über beschädigte Bürgersteige beim ESO eingegangen. Was der Außendienst bei seinen regelmäßigen Touren findet und weitermeldet, ist hier nicht miteingerechnet. Entdeckte Stolperfallen beseitigt der Stadtservice Sigrid Aldehoff zufolge entweder sofort oder binnen dreier Tage. Bis zu drei Wochen kann es bei anderen Schäden dauern. „Absolute Priorität haben hochstehende Platten“, betont Aldehoff.

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Rund 280 Kilometer umfasst das Offenbacher Straßennetz insgesamt. Da in der Regel zwei Gehwege die Straßen säumen, muss der Stadtservice-Außendienst auf seinen turnusmäßigen Kontrolltouren knapp 500 Kilometer Strecke inspizieren. Die Fußgängerzone nimmt er wöchentlich unter die Lupe.

Ob bezüglich der maroden Bürgersteige nun eine Besserung in Aussicht ist, wird wohl erst die angekündigte Bekanntgabe der Stadt weisen.

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