Marode Schulen

Eine brenzlige Situation

+
Die Wände der Käthe-Kollwitz-Schule sind voll mit gebundenem Asbest. Eine Sanierung würde 18,7 Millionen Euro kosten. 

Offenbach - Marode Schulen sind trauriger Alltag, die Sanierung lahmt unter den Auflagen des Schutzschirms. Offenbacher Schulleiter fordern nun Hilfe vom Land. Von Veronika Schade 

Droht Offenbach ein Bildungsnotstand? Ja, sagen die Interessengemeinschaft Offenbacher Schulleiter (IGOS) und der Stadtelternbeirat. Grund sind die katastrophalen räumlichen Bedingungen an den Einrichtungen, in denen das Schulbausanierungsprogramm bisher nicht zum Zuge gekommen ist. Jahrelang haben sich deren Leiter in Geduld geübt, die politischen Entscheidungen hinnehmen müssen, zugesehen, wie letzlich nichts passiert. Jetzt haben sie genug. „Die Situation ist so brenzlig, dass wir uns an die Öffentlichkeit wenden müssen“, sagt Fanni Mülot, Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule, stellvertretend für ihre Kollegen.

Neben ihrer Schule sind die Gebäude von Fröbel-, Mathilden- und Käthe-Kollwitz-Schule in einem so maroden Zustand, dass die Rektoren gar von einer Gefährdung für die Schüler sprechen. „Es handelt sich um Schulen der ersten Tranche des Programms, deren Sanierung längst hätte beginnen müssen“, sagt Marlies Stülb, Leiterin der Käthe-Kollwitz-Schule. Sie befürchtet, dass es, obwohl von der Stadt beschlossen, auch so bald nicht geschehen wird. Weil es einfach nicht geschehen könne – da das Geld dafür fehle: „Unter dem Schutzschirm werden jährlich Mittel freigegeben, doch es sind nur kleine Teilbeträge. Man weiß nicht, ob und wie die Genehmigung weiter läuft.“ Weil aber der Sanierungsbedarf dermaßen überzogen sei und sich das Problem bei Aufschiebung immer weiter verschlimmere, könnten die Folgekosten höher sein als zunächst gedacht. „Es muss alles am Stück geplant und ausgeführt werden“, fordert Stülb.

Land in die Pflicht nehmen

Sie und ihre Kollegen wüssten, dass die Stadt wegen der Schutzschirmauflagen nicht handlungsfähig sei. Deshalb wollen sie das Land in die Pflicht nehmen: „Die Schulen müssen von der Schuldentilgung der Stadt ausgenommen werden.“ Oder, anders gesagt: Das Land solle die Stadt bei der Schulbausanierung finanziell unterstützen, denn: „Bildung ist nicht allein kommunale Aufgabe!“

Sie sehen in Offenbach massive Benachteiligungen der Schüler im Vergleich zum Land, die Rahmenbedingungen seien zu unterschiedlich. Dabei sei der Raum ein wichtiges pädagogisches Instrument. Ungenügend ausgestattete Medien- und naturwissenschaftliche Räume, wenn überhaupt vorhanden, sind da fast das kleinere Übel – oft fehlt es an Elementarem.

So ist die Käthe-Kollwitz-Schule, in der auch Berufsschüler aus dem Umland unterrichtet werden, völlig asbestverseucht. Die Innen- und Außenwände müssten komplett ausgetauscht werden. „Wir briefen die Schüler, wie sie sich zu verhalten haben“, sagt Stülb. Das Dach ist undicht, zudem ist die Schule nicht behindertengerecht. Ein Gutachten ergab, dass die Sanierung 18,7 Millionen Euro koste. Eine Summe, die so kaum genehmigt werde.

Klassisch und modern: Die besten Spick-Methoden

Klassisch und modern: Die besten Spick-Methoden

In der Mathildenschule haben sich Fundamente verschoben. Die Fenster wurden festgeschraubt, da sie sonst aus den Rahmen fallen würden. Die Geschwister-Scholl-Schule ist nicht isoliert, im Sommer sind es laut Mülot morgens 37 Grad im Raum, während im Winter die Schüler trotz Jacken frieren. Von der Dachabdeckung habe sich mal ein Stück gelöst, der Blick zum Himmel war frei.

Gravierend auch, was sie von der Fröbelschule berichtet, die auf Schüler mit Behinderungen spezialisiert ist. Sie müssten wegen fehlender Sanitätsräume teils auf dem Boden gewickelt werden.

„Wir sind als Schulleiter auch menschlich verpflichtet, wir können nicht mehr schweigen“, beteuert Mülot. Die IGOS plant daher mit dem Stadtelternbeirat eine Podiumsveranstaltung für Mittwoch, 10. Dezember, 19 Uhr im Rathaus. Zugesagt haben die finanzpolitischen Sprecher der Landeregierung (CDU und Grüne). „Es geht nicht um Pädagogik, sondern um Geld“, so die Schulleiterin. „Wir reden mit den Entscheidungsträgern.“

Vorher wollen die vier Schulen mit einer Reihe von Aktionen, begleitet von der Presse, auf ihre Situation aufmerksam machen. Petra Blaufuss, Vorsitzende des Stadtelternbeirats: „Wir wollen niemandem die Schuld zuweisen, sondern Lösungen finden, wie es weitergeht.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare