Lange Haftstrafe für Maskenräuber

Papa war nicht überrascht

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Offenbach - Die Finanzbranche war ihm zu brutal, er sei immer ein Mensch gewesen, der anderen helfen wollte. Also schnappte sich der 29-jährige Finanzberater Maske und Pistole, überfiel eine Spielothek und landete vor dem Amtsgericht Offenbach.  Dort verurteilte ihn Richter Manfred Beck zu langer Haft.

Rückblick: Nach dem Fachabitur wurde der gebürtige Serbe Finanzberater. Er sei immer ein Mensch gewesen, der anderen helfen wollte, schilderte er Richter Beck. In der Finanzbranche sei es aber nur darum gegangen, Menschen Produkte zu verkaufen, die ihnen nicht unbedingt nützten, wohl aber dem Berater. Konsequent hängte der junge Mann seinen Job an den Nagel und suchte sich eine Lehrstelle als Klimatechniker. Dann aber sei unglücklicherweise seine Verhaftung für eine Tat dazwischengekommen, die er nicht begangen habe. Deshalb habe er seine Lehrstelle nicht mehr antreten können.

Zeitsperren verhinderten das Öffnen der Kasse

Tatsächlich verhaftete ihn die Polizei im Januar vergangenen Jahres mit dem Vorwurf, er habe mit einer Pistole eine Spielothek in Obertshausen überfallen und einen 25-jährigen Angestellten zur Herausgabe der Einnahmen aus den Geldwechselautomaten gezwungen. Die betrugen gerade einmal 430 Euro und das Opfer, das um sein Leben fürchtete, hätte wohl nur allzu bereitwillig das Geld ausgehändigt, hätte es dies nur gekonnt: Zeitsperren verhinderten das Öffnen der Kasse.

Bei seiner Tat trug der Täter zwar eine Faschingsmaske, sodass der Angestellte nur dessen Größe und Statur beschreiben konnte. Ein Kollege, der im hinteren Bereich der Spielothek die Automaten mit Geld aufgefüllt hatte und unbemerkt geblieben war, verfolgte jedoch den Räuber und konnte Richter Beck Alter, Größe und Haarfarbe sehr detailliert beschreiben.

Letzte Zweifel erübrigten sich nach den Zeugenaussagen eines Rentner-Ehepaares, an dem der Täter vorbeigelaufen war. Es konnte den Täter gut beschreiben und merkte sich vor allem das Kennzeichen des Fahrzeuges, in dem die Flucht weiterging.

Polizei hat leichtes Spiel

So war es schließlich ein Leichtes für die Polizei, den Mann festzunehmen. Die Beamten warteten geduldig bis in die Abendstunden am Wohnsitz des Fahrzeughalters und nahmen den später Angeklagten fest, als er mit seinem Vater erschien, bei dem er lebte. Papa war nicht allzu sehr überrascht von der Verhaftung des Sohnemannes, da dieser schon seit Monaten in den Tag hinein gelebt und nur wenig davon erzählt hatte, was er tagsüber so trieb. Zumal der Sohn mit „allerhand muskelbepackten Männern“ zu tun hatte.

Letztlich sah das Gericht keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten, auch weil sich in seiner Wohnung die Faschingsmaske fand und eine Auswertung des Handys ergab, dass er sich zur Tatzeit in unmittelbarer Nähe der Spielothek befand. Die Strafe: 3 Jahre und 9 Monate Freiheitsentzug. Sollte sich der Verdacht der Polizei erhärten, dass der Verurteilte fünf weitere Überfälle zu verantworten hat, wird der 29-Jährige das Gefängnis wohl kaum vor dem 40. Geburtstag wieder verlassen.

fel

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