Massenentlassungen: Roländer fühlen sich verraten

Offenbach - Es sind die Tage, die die Mitarbeiter des insolventen Druckmaschinenherstellers „manroland“ seit Jahren gefürchtet haben: die Tage der Massenentlassungen. Etwa 1000 der noch 1760 Angestellten werden ihren Job verlieren. Von Marc Kuhn

Gestern kamen sie im Werk an der Mühlheimer Straße zur Betriebsversammlung zusammen - ihre Kollegen an den anderen deutschen Standorten in Augsburg und Plauen wurden ebenfalls informiert. Danach sollten die Vorgesetzten eigentlich ihren Mitarbeitern sagen, wer in die Transfergesellschaft wechseln muss. Der traurige Termin ist auf heute verschoben worden. Der Grund: Die Papiere sind noch nicht fertig, sagte die Offenbacher Betriebsratsvorsitzende Alexandra Roßel unserer Zeitung.

Lange Gesichter. Stumme Frauen und Männer. Kaum einer wollte sich nach der Veranstaltung im Werk, auf der der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider über die Situation des Unternehmens berichtet hatte, äußern. In die Frustration der seit Jahren leidgeprüften Roländer mischte sich aber oft Wut. Die Stimmung sei sehr gereizt gewesen, auch gegenüber den Arbeitnehmervertretern und der IG Metall, sagte Rainer Kegelmann, der die IT-Abteilung im Bogenbereich leitet. „Die Leute sind sehr aufgewühlt.“

„Die Nerven liegen blank“

Die Betriebsratsvorsitzende Roßel sei ausgepfiffen worden, berichtete Edgar Iller, der seit 27 Jahren bei dem Druckmaschinenbauer arbeitet, von der Versammlung. „Die Nerven liegen blank, auch bei ihr.“ Die Mitarbeiter fühlten sich verraten und verkauft, beschreibt er die Atmosphäre.

Seit Freitagmorgen hätten Vertreter der Insolvenzverwaltung, der IG Metall und des Betriebsrats verhandelt, um festzulegen, wer entlassen werde, sagte Roßel. Die Nächte seien durchgearbeitet worden. „Ein gutes Gewissen kann man nicht haben“, erklärte die sichtlich angeschlagene Betriebsratschefin. „Da fließen Tränen“, berichtete sie aus den Gesprächen. „Wir kennen uns alle lange.“ Es sei schwierig, jeden Sozialaspekt bei der Auswahl der Betroffenen zu beachten. Einerseits müsse sichergestellt werden, dass es nicht die Ärmsten treffe. Andererseits müsse darauf geachtet werden, dass die Firma mit den verbleibenden Mitarbeitern weiterbestehen könne. Mit der Insolvenzverwaltung sei um jeden Kopf gefeilscht worden, versicherte Roßel.

Bilder von der Protestaktion der „manroland“-Mitarbeiter

Roländer noch einmal auf der Straße

Der 59-jährige Kegelmann, seit 33 Jahren bei „manroland“ beschäftigt, hält die negative Haltung gegenüber den Arbeitnehmervertretern für überzogen. Betriebsrat und IG Metall hätten auch „nur die Wahl zwischen Satan und Teufel“ gehabt. Sie hätten sich sehr um den Standort bemüht. Der IT-Chef muss sich auch die Liste mit den Entlassungen in seiner Abteilung abholen - elf von 33 Kollegen werden in die Arbeitslosigkeit entlassen. Anfang 2010 hätten noch 70 Mitarbeiter in seiner Abteilung gearbeitet, fügte er hinzu. „Ich hoffe, dass wir überhaupt Zukunft haben“, sagte Kegelmann und erinnerte daran, dass „manroland“ mit den Massenentlassungen auch „Qualität und Qualifizierungen“ verliert.

„Viele haben persönlich abgeschlossen“, sagte der 48-jährige Bernd Krämer, der seit 27 Jahren für die Firma arbeitet. Er wolle jetzt erst mal den Kopf frei bekommen und dann einen neuen Job suchen. Schließlich trage er Verantwortung gegenüber seiner Familie, erklärte Krämer weiter. Um seine Frau und die zwei Kinder sorgt sich auch Rafael Urbansky. „Es wäre schön, wenn ich bleiben könnte“, erklärte der 34-Jährige.

Wenig Hoffnung nach der Betriebsversammlung

Wenig Hoffnung machte sich Monika Trautwein nach der Betriebsversammlung. Die 59-Jährige war sich sicher, dass erst die Älteren gehen müssen. Jung und dynamisch müssten die restlichen Mitarbeiter von „manroland“ sein, so die Einschätzung der Lämmerspielerin, die seit 13 Jahren als Elektromontage-Helferin bei dem Druckmaschinenhersteller angestellt ist. Schwierige Zeiten erwartet Trautmann, die als allein Erziehende zwei Kinder zu versorgen hat. „Das wird hart.“

Alles zur Krise des Unternehmens „manroland“ lesen Sie im Stadtgespräch

Der Gläubigerbeirat des insolventen Unternehmens hatte am Mittwoch die Zerschlagung von „manroland“ beschlossen. Einzig der Standort Augsburg hat bereits einen Käufer, die Lübecker Possehl-Gruppe. In Offenbach und Plauen sollen die Betriebe unter Federführung von Schneider und dem bisherigen Management fortgeführt werden. Zudem soll ein Investor gesucht werden. Die gekündigten Mitarbeiter können in eine Transferfirma wechseln.

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