Auftritt umstritten

Protest gegen Gottesdienst eines selbst ernannten Apostels 

Offenbach - Was dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz verwehrt blieb, wird Vladimir Muntyan erlaubt: ein Auftritt in der Stadthalle. Dabei ist der selbst ernannte Wunderheiler und Apostel äußerst umstritten, gibt es Protest gegen die Veranstaltung.

Die Stadt als Vermieterin sieht keine Möglichkeit einzuschreiten. Einen „Gottesdienst für die Zerstörung der Erbflüche“ will der ukrainische Heilsbringer vom Geistlichen Zentrum Vozrozhdenie am 23. September in der Stadthalle abhalten. Anzeichen eines solchen Erbfluches, heißt es auf der Internetseite des Apostels Muntyan, sind „chronische Krankheiten im Stammbaum“, „vorzeitiger Tod in der Familie“ oder auch „zahlreiche Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit“ sowie „Armut, Verschuldung und Misserfolge im Business von Generation zu Generation“.

Die Humanistische Gemeinschaft Neu-Isenburg, nach eigenem Bekunden eine säkulare Weltanschauungsgemeinschaft, die ihre geistigen und organisatorischen Wurzeln schon im Zeitalter der Aufklärung hat, ist entsetzt über den Auftritt. In einem mehrseitigen Schreiben an den Offenbacher Magistrat führt sie detailliert aus, warum die Stadt dem selbst ernannten Apostel keine Plattform geben dürfe.

Muntyan, der im Übrigen keine Zulassung als Heilpraktiker habe, verspreche Heilung körperlicher Gebrechen durch Beten in Massenveranstaltungen. „Mit dieser Veranstaltung werden ernsthaft kranke Menschen auf hochgradig unseriöse Weise in ihrem irrationalen Glauben bestätigt, dass fachärztliche Hilfe falsch ist und ihr Glauben an eine Wunderheilung über die Wissenschaft gestellt werden kann, weil die Medizin unfähig sei“, heißt es in dem Schreiben an den Magistrat. Die harmlos wirkende Überzeugung, geheilt worden zu sein, habe mitunter schwerwiegende reale Konsequenzen für Betroffene, wenn daraufhin Arztbesuche oder die Einnahme notwendiger Medikamente unterblieben.

Für die Neu-Isenburger Humanisten sowie für Leser, die uns via Mail auf die Veranstaltung hingewiesen haben, zeigt der geplante Gottesdienst eindeutig Formen des religiösen Fundamentalismus wie man ihn von Sekten kenne. „Ich finde eine Vermietung an solche Scharlatane nicht Ordnung“, heißt es unter anderem.

Die Stadthalle Offenbach Veranstaltung GmbH als Vermieterin sieht indes keine Möglichkeit, gegen den angeblichen Gottesdienst vorzugehen. Man habe beim Blick auf die Mieter zwar strikte Ausschlussklauseln, unter die die genannte Veranstaltung aber nicht falle. Außerdem lasse man routinemäßig vor Vertragsabschluss alle Veranstalter überprüfen. „Im vorliegenden Fall ergaben sich dabei keine Erkenntnisse, dass hier gegen geltendes Recht verstoßen wird. Individuelle Weltanschauungen stellen – sofern sie verfassungskonform sind – keinen Grund dar, eine Veranstaltung nicht zuzulassen“, argumentiert die zum Stadtwerke-Konzern gehörende Stadthallen GmbH in ihrer Antwort an die Humanisten.

Die Veranstaltung sei als Gottesdienst mit Musik angemeldet und als solche vor dem Hintergrund der Religionsfreiheit prinzipiell zulässig. „Solange der Veranstalter nicht gegen deutsches Gesetz, die Verfassung und die eigenen Veranstaltungsbedingungen verstößt, wäre ein Verbot rechtlich nicht durchzusetzen.“ Sollte sich herausstellen, dass bei der Anmeldung der Veranstaltung falsche Angaben über den tatsächlichen Inhalt gemacht worden seien, wäre eine Wiederholung in der Stadthalle nicht vorstellbar.

34. Kirchentag: Impressionen vom Abschluss-Gottesdienst

Zur Konkretisierung verweist die Vermieterin auf ihre Allgemeinen Veranstaltungsbedingungen. Dort heißt es in § 4 zur zulässigen Nutzung der Stadthalle unter anderem, der Vertragspartner stehe dafür ein, dass seine Veranstaltung nicht Gewalt verherrliche, nicht zum Rassenhass aufstachele oder nicht pornographischer Natur sei. Der Betrieb von Glücksspielen ist ebenfalls nicht gestattet. Im gleichen Paragrafen ist aber auch geregelt: Die Nutzung der Stadthalle zur Durchführung von Parteitagen oder von parteipolitischen Werbe- und Propagandaveranstaltungen ist grundsätzlich ausgeschlossen. Getroffen hatte das zuletzt die SPD. Deren Kanzlerkandidat Martin Schulz musste, wie berichtet, für seinen Auftritt in die ESO-Sportfabrik ausweichen. (mad)

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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